Nico Hülkenberg

Formel 1: Hülkenberg im Interview

— 14.03.2016

„Ich bin hungrig auf Erfolg“

Nico Hülkenberg spricht vor dem Saisonstart der Formel 1 im ABMS-Interview über seine Motivation, den Hunger auf Erfolg und eine Tüte Chips im Bett.

Die Deutschen vor dem Saisonauftakt - Teil 1: Nico Hülkenberg im Interview mit AUTO BILD MOTORSPORT:

Herr Hülkenberg, was erwarten Sie von der Saison?

Nico Hülkenberg (28): Dass wir an die Leistungen der zweiten Saisonhälfte 2015 anknüpfen und uns womöglich noch steigern können. Das Auto erfüllt jedenfalls die Voraussetzungen dafür. Was die Daten im Windkanal prognostiziert haben, hat sich auf der Strecke bestätigt. Das ist ein gutes Zeichen, dass wir uns auf dem besten Weg befinden.

Sie wirkten schon bei den ersten Testfahrten extrem relaxt. Erleben wir 2016 die Entdeckung der Gelassenheit von Nico Hülkenberg?

Hülkenberg allein im Bett? Ob wir das glauben sollen...

Ich bin vier Jahre von morgens bis abends am Funk dabei gewesen. Aber ehrlich gesagt, bringt das nicht viel. Da trainiere ich lieber tagsüber, erledige andere Dinge, die so ein Formel-1-Fahrer erledigen muss  und setze mich abends mit ins Debriefing, wo alles durchgekaut wird. Das reicht völlig.

Wie bereitet sich ein Nico Hülkenberg auf einen Test vor?

Flasche Rotwein, Tüte Chips, gute DVD. Das alles im Bett (lacht).

Alleine?

Natürlich...

Was erwarten Sie vom Saisonauftakt in Melbourne.

Ich will dort extrem viel Spaß haben. Das meine ich diesmal ernst!

Gibt es auch konkrete Ziele?

Mit Force India will der Deutsche aufs Podest fahren

Jeder will so weit nach vorne fahren wie möglich, ist doch klar. Aber: Melbourne ist nur ein Rennen. Die Ziele gelten für die ganze Saison. Wichtig ist, dass man sich selbst die Messlatte immer höher legt. Fest steht: Mit dem Auto von diesem Jahr haben wir eine viel bessere Basis als mit dem Auto, mit dem wir die Saison 2015 begonnen haben. So gesehen ist das Erreichen von Q3 sogar ein Muss.

Und der Podestplatz? Ihr Erster?

Ja, das ist ein erklärtes Ziel von mir.

Mit dem Sieg in Le Mans hatten Sie Ihr bisheriges Karriere-Highlight. In der Formel 1 fehlt so ein Erfolgserlebnis noch...

...klar will ich in der Formel 1 auch meine Erfolge feiern. Ich bin sogar extrem hungrig darauf und arbeite sehr hart dafür.

Für einen Podestplatz müssten sie aber mindestens einen Ferrari oder Mercedes schlagen.

Neuer Helm: Giftig grün wie Namensvetter 'Hulk'

Stimmt. Die Hierarchie Mercedes und dann Ferrari scheint auch 2016 noch zu bestehen. Aber es kann verrückte Rennen geben mit Chaos, Safety-Car und so weiter. Genau dann muss man da sein. Das Ziel muss es aber trotzdem sein, auch aus eigener Kraft aufs Podium fahren zu können. Dafür arbeiten wir in der Tat.

Kommen Sie sich 2016 ein wenig wie der 'vergessene Deutsche' vor? Mit Mercedes-Junior Pascal Wehrlein kommt ein junger Wilder dazu, der eine Art Welpenschutz geniesst. Dann haben wir mit Nico Rosberg und Sebastian Vettel zwei WM-Kandidaten. Und dann eben das erwiesene Megatalent Nico Hülkenberg, der - außer in Le Mans - immer doch irgendwie zur falschen Zeit am falschen Ort war?

Nein, ich komme mir überhaupt nicht so vor.

Was können Sie im Vergleich zu 2015 besser machen?

Grundsätzlich war 2015 nicht schlecht, auch wenn ein paar Haken drin waren. Die muss ich weglassen. Ich will in jedem Rennen optimale Leistung bringen und salopp gesagt eine geile Saison fahren.

Können wir die Haken etwas konkretisieren?

Jeder arbeitet an seinen vermeintlichen Schwächen. Es gibt da aber keinen speziellen Punkt. Einfach jeden Bereich nochmal verbessern, ist das Ziel.

Warum macht Ihnen die Formel 1 noch Spaß?

2016 gilt es: Volle Attacke auf die vorderen Plätze

Das Fahren mit den schnellsten Autos der Welt. Immer besser werden, immer schneller werden, den Kitzel, die Nonplusultra-Runde im Qualifying hinzubekommen. Die Formel 1 ist immer noch geil und sie ist nun mal die Königsklasse im Motorsport. Dass ich einer der Fahrer in dieser Serie bin, ist immer noch ein Privileg.

Schauen Sie sich trotzdem in Zukunft nach einem Platz in einem Spitzenteam um? Sie waren ja angeblich nah am Ferrari-Sitz für dieses Jahr dran?

War ich nicht. Das wurde nur von außen so dargestellt. Da ich ja Manager und Fahrer in Personalunion bin, wusste ich immer, was los war. Bei der Frage nach der Zukunft gehe ich völlig offen ran, völlig entspannt. Ich habe ja erst vor kurzem meinen Vertrag mit Force India bis Ende 2017 verlängert. Da sitze ich also fest im Sattel. Hier will ich sportlich erst mal erfolgreich sein. Force India zum Spitzenteam zu machen, ist jedenfalls auch eine prickelnde Herausforderung.

Fragt man sich als sehr guter Fahrer nicht trotzdem, warum es bisher noch für kein Spitzenteam gereicht hat?

Warten: Noch hat es nicht zum Top-Cockpit gereicht

Natürlich, aber die binden einem die Antwort selten auf die Nase. Grundsätzlich war ich zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort. Aber es bringt nichts, mir darüber den Kopf zu zerbrechen. Ich arbeite einfach hart weiter und dann wird es passieren oder nicht.

Wie viel bedeutet es Ihnen, dass Sie nie als Paydriver galten, sondern immer nur wegen Leistung und nicht wegen Mitgift Verträge unterschreiben konnten?

Das bedeutet mir viel. Weil ich es aus eigener Kraft geschafft habe, im Haifischbecken Formel 1 zu überleben. Das ist auch eine Anerkennung für meine Leistung.

Autoren: Ralf Bach, Bianca Garloff

Fotos: Picture-Alliance

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