Formel 1

Formel 1: Hülkenberg im Interview

— 24.05.2016

„Monaco ist die Mutter aller Schlachten“

Nico Hülkenberg erklärt im Interview mit AUTO BILD MOTORSPORT die Faszination des Monaco GP und gibt Einblicke in sein Privatleben in Monte Carlo.

Der Monaco GP ist das Highlight des Jahres. Was ist das Besondere?

Nico Hülkenberg: Eigentlich alles. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Es gibt für mich keine vergleichbare Strecke, wo es so eng ist, man diesen Speed und diese Szenerie mit den Häusern im Hintergrund hat. Mit der neuen Asphaltschicht für dieses Jahr ist es auch nicht mehr so holprig. Du bekommst nirgends so einen Kick. Dein Herz steckt in deinem Mund, das Adrenalin schießt dir durch den Körper. Das ist ein geiles Gefühl. Monaco ist die Strecke mit dem größten Schwierigkeitsgrad, da ist es auch am schwersten ans Limit zu kommen.

Waren Sie schon mal am Limit und geht es immer noch schneller?

Das ist echt selten, ich habe das aber schon ein, zwei Mal erlebt, wo du dir denkst: Das war echt geil, aber bis hierhin und nicht weiter. Das ist im Rennen auch die Kunst, das über mehr als 70 Runden zu halten.

Wie nah kommen Sie den Leitplanken?

Besonders die Schwimmbad-Passage hat es in sich

Im ersten Training ist man noch einen halben Meter weg von den Leitplanken, aber dann im Lauf des Wochenendes bis zum Qualifying arbeitet man sich Zentimeter für Zentimeter ran, bremst immer später, beißt die Arschbacken noch mehr zusammen – dieses Gefühl gibt es auf keiner anderen Strecke der Welt. Vielleicht in Macau noch mit der Formel 3, aber selbst da ist alles etwas größer und weiter.

Was sind die Stellen, an denen Sie die Arschbacken besonders zusammenkneifen müssen?

Die Tabakkurve, also die schnelle Links-Kurve nach der Hafenschikane. Und auch die schnelle Schwimmbad-Schikane ist knifflig. Der Tunnel selbst ist leicht, das macht nichts aus, dass man da ins Dunkle reinfährt. Ganz im Gegenteil, da hat man mal fünf Sekunden, um sich zu erholen. Das Anbremsen nach der Tunnelpassage ist aber eine kleine Herausforderung.

Wie viel anstrengender ist für Sie eine Monaco-Runde physisch und mental?

Physisch nicht so sehr, aber die mentale Beanspruchung und Konzentration, die man an den Tag legen muss, ist schon 20 bis 30 Prozent höher. Nach dem Rennen merkt man, dass man was gemacht hat.

Das heißt: Wenn man irgendwo unbedingt mal gewinnen will, dann in Monaco?

2010 flog Hülkenberg, noch im Williams, im Tunnel ab

Absolut! Das ist die Mutter aller Schlachten. Das ist wie beim Tennis in Wimbledon, das sind halt schon noch so besondere Highlights. Klar, Monaco ist Glamour und Blablabla, aber am Ende des Tages eben auch eine Fahrerstrecke. Da kann man als Fahrer auch einen Unterschied machen.

Was war Ihr spektakulärstes Erlebnis in Monaco?

Ich hatte im ersten Jahr einen Unfall, als ausgangs des Tunnels ein Flügel abgefallen ist. Hier ein Unfall zu haben, ist schon was anderes. In der GP2 stand ich auf dem Podium. Das war ein tolles Gefühl, da in die Fürstenlounge zu gehen.

Sie wohnen seit vergangenem Jahr auch in Monaco.

Ja, es ist wie ein zweiter Heim GP. Einfach ein tolles Gefühl, zuhause zu wohnen, zu schlafen, zu frühstücken.

Wie weit ist Ihr Weg ins Fahrerlager?

Nicht weit, einmal durch den Tunnel. Es ist auch ein cooles Gefühl, wenn man fast jeden Tag über diese Strecke im alltäglichen Leben fährt.

Und wie ist es prinzipiell in Monaco zu wohnen?

Nico Hülkenberg genießt das Leben in Monte Carlo

Das Wetter macht den Unterschied. Das ist eine Bank. Davor habe ich in der Schweiz gewohnt, wo es oft neblig war und der Sommer auch nicht wirklich vorhanden ist. Und hier lebst du mit der Sonne – das macht einen Unterschied. Es ist unheimlich vielseitig, weil alles klein und eng ist. Du bist schnell in Cannes, in Mailand – in 20 Minuten bin ich in Italien und esse die beste Pizza.

Treffen Sie sich auch öfter mit anderen Fahrerkollegen?

Ab und zu, wenn man es zeitlich einrichten kann. Wir gehen auch zum gleichen Italiener, da sieht man sich und schwätzt ein bisschen miteinander.

Sie fliegen ja auch oft zusammen zu den Rennen. Wie ist da so die Stimmung?

Wir reden kein Wort miteinander und jeder denkt, er ist sowieso viel besser als die anderen (lacht). Nein, es ist eigentlich ganz entspannt. Der Motorsport ist weniger das Thema, eher Privates, Hobbys und alte Geschichten. Also ganz cool alles.

Autoren: Ralf Bach, Bianca Garloff

Fotos: Picture-Alliance

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