Formel 1 im Wahlkampf

Formel 1 im Wahlkampf

— 29.09.2009

Vatanen fordert mehr Demokratie

Der ehemalige Ferrari-Teamchef Jean Todt und und Ex-Rallye-Weltmeister Ari Vatanen streiten derzeit um die Nachfolge von Max Mosley als Präsident des Automobil-Weltverbandes FIA.

Der wahre Kampf in der Formel 1 spielt sich derzeit nicht auf den Rennstrecken ab, sondern im Fahrerlager. Denn das erlebt ein Schaulaufen der Kandidaten für die Wahl des FIA-Präsidenten am 23. Oktober. Ex-Ferrari-Teamchef Jean Todt (63) , Favorit des aktuellen Amtsinhabers Max Mosley, versuchte die Teamchefs bei mehreren FOTA-Treffen von sich und seinen Ideen für umweltfreundliche Technologien im Motorsport zu überzeugen. Sein Konkurrent, der finnische Ex-Rallye-Weltmeister Ari Vatanen (57) polterte mit dem Satz drauflos, er wolle die Formel 1 reinigen. Autobildmotorsport.de fragte nach, wie er das machen will.

Die Formel 1 ist derzeit wie ein Tiefkühltorte

"Die Formel 1 braucht eine Reform", sagt Vatanen. "Im Moment ist sie wie eine Tiefkühltorte. Die Positionen der Leute sind relativ festgeschrieben. Einige haben mehr Macht, andere weniger. Einige investieren viel Geld und bekommen wenig zurück. Andere investieren wenig Geld, bekommen aber ein großes Stück vom Kuchen. Das ist unfair."

Skandale sind ein Resultat der schlechten Führung

Auch zu F1-Boss Bernie Ecclestone (r.) suchte Vatanen Kontakt. Allerdings hat sich der Brite für Jean Todt als Mosley-Nachfolger ausgesprochen.

Vatanen erklärt damit auch die Häufung der Skandale in diesem Jahr. "Die Skandale sind ein Resultat der schlechten Führung. Wir brauchen Demokratie. Wenn die Leute sehen, dass die Führung fair abläuft, wird es weniger Skandale geben. Die Instanzen der FIA müssen unabhängig sein. Nur dann trauen die Teams ihnen und sind nicht mehr so nervös." Entscheidungen im Alleingang und willkürliche Bestrafungen, wie Max Mosley sie zuletzt durchgesetzt hatte, gehören laut Vatanen verboten. "Es ist traurig, was in der späteren Phase von Max Mosleys Amtszeit passiert ist. Daraus müssen wir lernen."

Deutschland ist wichtig

Seinen Konkurrenten Jean Todt vergleicht er dabei direkt mit Vorgänger Mosley: "Was mich von Jean Todt unterscheidet?", fragt der Finne: "Er ist die alte Welt, ich bin die neue." Als künftigen Vizepräsidenten für Motorsport hat Vatanen übrigens ADAC-Sportpräsident Hermann Tomczyk (58) in sein Team berufen. Grund: "Deutschland spielt im Motorsport so eine wichtige Rolle, dass der wichtigste Posten mit einem Deutschen besetzt werden sollte." Doch nicht jeder F1-Insider sieht in Vatanens Demokratieprinzip das Heil der Königsklasse. "Die Formel 1 braucht einen Diktator", sagt beispielsweise Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve (37). "Die meisten Entscheidungen müssen zügig getroffen werden. Wenn sich erst alle Teams mit der FIA und Bernie einigen müssen, dauert das viel zu lange!"

Vatanens letzte Chance: Briatore muss auspacken

Ex-Weltmeister im Gespräch: Damon Hill (li.) gewann die Formel 1 WM 1996, FIA-Präsidentschaftskandidat Ari Vatanen die Rallye-WM 1981.

Hinter den Kulissen artet der Kampf um die Präsidentschaft des Automobilweltverbandes sowieso längst zu einer Schlammschlacht aus. In der Startaufstellung des GP Singapur rempelte Vatanen "aus Versehen" F1-Promoter Bernie Ecclestone an. Weil der offiziell Jean Todt unterstützt und dem Finnen noch in Monza den Zugang zum Grid verwehrte. Insgeheim hofft Vatanen sogar, dass Gerüchte wahr werden, nach denen sich Ex-Renault-Teamchef Flavio Briatore (59) wegen seines Schuldspruchs in der Crashgate-Affäre an Max Mosley und dessen Wunsch-Nachfolger Jean Todt mit pikantem Insiderwissen rächen will. Dabei herrscht auch zwischen Todt und Ecclestone kein Eitel Sonnenschein: Zuerst stellte der Brite Todt in Singapur ein  Büro an der Rennstrecke bereit, das er ihm dann aber – ohne den Franzosen darüber zu informieren  – einfach wieder wegnahm …

Autor: Bianca Garloff

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