F1 Inside: In der Mercedes-Box

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Formel 1: In der Silberpfeil-Garage

— 15.04.2016

Mercedes Inside

Hinter den Kulissen der Formel 1: Unsere Reporter durften beim letzten Rennen in die Mercedes-Box. So sieht es aus in der Garage des Weltmeisterteams.

Das Rennen hat er noch gar nicht gewonnen, und es ist auch erst kurz nach dem Freitagstraining beim letzten Formel-1-Rennen in Bahrain. Trotzdem bildet Nico Rosberg (30) mit seinen Mechanikern einen Kreis. Die kleine Gruppe stößt unverständliche Kampfesrufe aus und klopft sich gegenseitig auf die Schultern.
So lief der Freitag beim China GP: Ferrari fordert Mercedes

Eine Szene, so intim, dass sie nur hier zu beobachten ist: im Allerheiligsten von Mercedes, der Garage der Silberpfeile. Dem Ort, wo der Mercedes-Mannschaftsgeist gelebt wird. Und wo die Crew um Rosberg an diesem Wochenende in China am sechsten Sieg in Folge arbeitet.

Wie beim Fußball: Rosberg schwört seine Truppe ein

„Unsere Box ist ein Spiegelbild dessen, wie unser Team funktioniert“, sagt auch Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff (44). „Optisch und organisatorisch ist sie auf dem höchsten Stand.“ Aufgeräumt, blitzsauber, perfekt organisiert - typisch deutsch, typisch Daimler. Der Platz im Kinosessel hinter dem Auto von Lewis Hamilton (30) ist eigentlich nur Sponsorgästen vorbehalten. Doch für AUTO BILD MOTORSPORT hat Mercedes eine Ausnahme gemacht. Wir dürfen der Crew beim Testen zuschauen.

Links steht aufgebockt der Silberpfeil von Nico Rosberg mit dem Codenamen „Rot“. Rechts wartet der mehr als 900 PS starke Renner von Lewis Hamilton und seinem Team „Blau“. Dazwischen sitzen die Ingenieure, Toto Wolff und Aufsichtsrat Niki Lauda (67) an einer Mittelkonsole aus Computern, die die Garage in zwei Hälften teilt.

Beste Plätze: Die ABMS-Reporter schauen gespannt zu

Die beiden Siegerpfeile hängen an der Ladestation an der Decke wie zwei Patienten an einer Herz-Lungen-Maschine. Ein dicker Schlauch transportiert die Abgase des V6-Turbomotors wie ein überdimensionaler Staubsauger ins Freie. Nur die ersten zwei Gasstöße im ersten Gang hüllen die Mechaniker in weißen, scharf riechenden Rauch.

Jeder Handgriff sitzt. Reifen rauf, Heizdecken ab, Kabel entfernen, Dreck wegwischen. Die jeweils 15-köpfigen Mechanikercrews sind eingespielte Teams. Nur ab und zu werden ausgewählte Schrauber von Hamilton zu Rosberg transferiert oder umgekehrt. Damit der Teamfrieden nicht in Gefahr gerät. Rosbergs Nummer-eins-Mechaniker arbeitete 2015 am Auto von Lewis Hamilton - jetzt hilft er dem Deutschen bei der Titeljagd.

F1 Inside: In der Mercedes-Box

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Rosberg ist beeindruckt von der Perfektion seines Teams. „Im Vergleich zu 2010, als ich hier anfing, sieht man große Unterschiede“, sagt er zu ABMS. „Früher fehlte das gewisse Etwas. Jetzt bestaunen die Mechaniker jedes einzelne neue Teil des Autos und sind begeistert von der futuristischen Anmutung. Auch in der Box merkt man, dass die Qualität der Firma ein unglaublich hohes Level hat.“

Sportchef Toto Wolff muss immer den Überblick haben

Auch Ex-Ferrari-Star Gerhard Berger (56) lobt: „Mercedes hat eine so starke Basis, dass ich einfach nicht sehe, wie die anderen da näher kommen wollen.“ Während die Silberpfeile seit diesem Jahr permanent 100 Prozent der elektrischen Leistung des Hybridantriebs nutzen können, schafft Ferrari das bislang nur im Qualifying. Berger: „Mercedes hat insgesamt das beste Paket - inklusive Fahrerpaarung.“ Das liege auch daran, dass sich beide Piloten „so gut ergänzen“.

Während Rosberg am Boxenfunk eigenmächtig weitere Runden einfordert, hält sich Hamilton an die vom Team vorgegebenen Prozeduren. Was auffällt: Der Brite lässt sich von seinem Ingenieur viel stärker durch den Verkehr leiten. Zwei verschiedene Herangehensweisen - am Ende trennen Hamilton und Rosberg meist nur wenige Hundertstelsekunden.

Autoren: Ralf Bach, Bianca Garloff

Fotos: Mercedes

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