Formel 1 in Hockenheim

Schumi Pessimist vor Hockenheim

Formel 1 in Hockenheim

— 21.07.2005

Ein "Künstler" als Schwarzmaler

Für den guten Zweck betätigt sich Michael Schumacher als Maler. Seine Aussichten fürs Wochenende sieht er nicht gerade rosig.

"Es wird ein schwieriges Wochenende"

Was hat Michael Schumacher in seiner einzigartigen Karriere nicht alles für Lobpreisungen erhalten: "Außerirdisch", "Phänomenal", "Schumissimo!" schwelgte die Weltpresse zu seiner Glanzzeit. Manch einer neigte gar dazu, die steuerlichen Fähigkeiten des siebenfachen Weltmeisters zur Kunstform zu erheben. Gar nicht lange her, doch im schnellebigen Formel-1-Geschäft fast schon Geschichte.

Heute, im Ferrari-Seuchenjahr 2005, muß der gelernte Kfz-Mechaniker zu anderen Mitteln greifen, um Kunstwerke zu schaffen. Wenige Tage vor dem Großen Preis von Deutschland verteilte er, zusammen mit Teamkollege Rubens Barrichello, auf einem Quad-Bike fahrend bunte Farben auf einer Leinwand. Der Erlös der Aktion "The Painting Pilots" dient dem guten Zweck – und möglicherweise der Aufheiterung einer frustrierten Rennfahrerseele.

Denn mit Blick auf den WM-Lauf am Sonntag (24. Juli; 14 Uhr) auf dem Hockenheimring, dem zwölften von 19 der Saison, erwies sich "Künstler" Schumi eher als Schwarzmaler: "Um den Sieg werden wir nicht mitfahren können. Es wird für uns ein schwieriges Wochenende. Ich bin eher pessimistisch", prophezeite der 36jährige ausgerechnet vor seinem Heim-GP. Ungewohnte Töne eines Mannes, der sonst in öffentlichen Statements immer zielgenau die Mitte zwischen Überschwang und Weltuntergangsprognosen trifft.

Schelte von Lauda und Michelin

Gründe für Schumachers Aussagen liefert sein Auto, und das zur Genüge: 85 Testrunden hatte der Noch-Champion im F2005 am Mittwoch in Mugello gedreht. Dabei blieb er selbst beim schnellsten Umlauf knapp drei Sekunden über Barrichellos Streckenrekord aus dem Februar 2004. "Es fällt schwer zu glauben, daß man so ins Hintertreffen geraten kann", meinte Schumacher, und klang dabei fast schon resigniert. Die Mißerfolge der letzten Monate – nur ein Sieg im Skandalrennen von Indy – haben mittlerweile Spuren hinterlassen: "Im vergangenen Jahr waren wir eine Sekunde schneller als die anderen. Jetzt sind wir eine Sekunde langsamer. Ich weiß nicht, woran es liegt", jammerte der Wahl-Schweizer.

Für Niki Lauda ist der aktuelle Ferrari "einfach schlecht", wie der Österreicher im einem "kicker"-Interview gestand. Nicht nur die Bridgestone-Reifen oder die zuletzt kritisierte Aerodynamik allein seien das Problem, sondern "die Mechanik. Da haben die Ferrari-Leute offenbar einen fürchterlichen Fehler eingebaut", so der 56jährige. Schuld daran, daß die Harmonie zwischen Radaufhängung, Reifen und Chassis nicht stimme, könne auch das neue Reglement sein, meinte Lauda.

Zu allem Überfluß konnte sich jetzt auch noch Reifen-Konkurrent Michelin ein paar Seitenhiebe nicht verkneifen. Schon vor den GP in Magny-Cours und Silverstone habe Ferrari in Barcelona auf der falschen Asphaltoberfläche getestet. Den gleichen Fehler habe man nun vor ein paar Tagen im französischen Le Castellet gemacht, so die Franzosen. Ein Michelin-Techniker: "So einen Asphalt wie dort hat keine andere Formel-1-Strecke. Die Tests sind also wenig aussagekräftig."

So können die Schumi-Fans in Hockenheim eigentlich nur hoffen, daß ihr Liebling von einer Überrundung durch die Kollegen Alonso oder Räikkönen verschont bleibt. Ein Schicksal, dem der Dauer-Weltmeister in England nur knapp entging. Aufgeben will Kämpfernatur Schumacher aber auch im unterlegenen Ferrari nicht: "Es ist schön, daß es bei uns immer Hoffnung gibt."

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