Formel 1 in Malaysia

Der große Preis ist heiß Der große Preis ist heiß

Formel 1 in Malaysia

— 18.03.2004

Der große Preis ist heiß

Nirgends haben Mensch und Material der F1 mehr zu kämpfen als in der Tropenschwüle Malaysias. Doch es gibt gute neue Gegenmittel.

Luft: 35 °C, Asphalt: 55 °C, Cockpit: 70 °C

Du steigst aus dem Flieger – und patsch! Als ob dir einer ein nasses Handtuch vor den Kopf geklatscht hat, so fühlst du dich. Dann stehst du im Fahrerlager – und peng! Wie ein glühendes Messer sticht dir die Sonne in den Kopf, während sich der Betonboden wie eine heiße Herdplatte in deine Schuhsohlen brennt. Und aus all deinen Poren triefst du wie ein frisch beladener Kieslaster. Der Grand Prix Malaysia ist ohne Frage das härteste aller Formel-1-Wochenenden – für Mensch und Material.

Zum Üben in diesem Saunaklima hat sich den Winter über keines der Teams mit den neuen Autos aufgemacht nach Sepang, diesem Dschungel-Kaff neben dem Airport der Hauptstadt Kuala Lumpur. Von Ferrari bis Minardi haben sie den heißen Tropen-Tango nur im Windkanal simuliert. Vor allem mit den Daten aus dem letzten Jahr. Als die Luft im Rennen draußen bis zu 35 Grad, in den Cockpits noch mal doppelt so heiß wurde und der Asphalt mit fast 55 Grad glühte.

Kühlen, kühlen und noch mal kühlen, das ist in Sepang wieder oberstes Gebot bei den Autos. Die Kühler für Wasser (bis 120 Grad) und Öl (bis 145 Grad) werden zwar nicht vergrößert, wohl aber die Schlitze in der Karosserie, durch die der über die Luftschächte eingeleitete und beim Durchströmen aufgeheizte Fahrtwind wieder abgeführt wird.

Zehn bis zwölf Prozent weniger Leistung

"35 Grad sind für die Motoren selbst kein besonderes Problem, für die Elektronikteile im Umfeld aber schon", erklärt Toyotas deutscher Teamkoordinator und Triebwerkspezialist Norbert Kreyer. Deshalb und im Hinblick auf nur noch eine am GP-Wochenende erlaubte Maschine pro Auto dürften die Teams die maximale Leistung ihrer Zehnzylinder zwischen zehn und zwölf Prozent drosseln.

Das bedeutet zum Beispiel für Ferrari: nur rund 800 statt 890 PS. Für alle gilt: Je 100 Touren (heute bei den Topteams maximal 19.000) weniger Drehzahl pro Minute bedeutet je zwei bis vier Grad weniger Temperatur im Motorraum. Ferrari hat dementsprechend gleich nach dem Saisonauftakt in Melbourne (Australien) in Valencia (Spanien) seine 053er-Maschine von Rubens Barrichello in einer Version mit verminderter Drehzahl, aber erhöhtem Drehmoment testen lassen.

Was bei sechs engen von insgesamt 13 Kurven in Sepang allerdings nur dann ein Vorteil ist, wenn auch die Reifen mitspielen. Denn werden die beim Rauspreschen aus den langsamen Ecken zu sehr abgeschrubbt, ist schnell ein zusätzlicher Boxenstopp nötig.

Schumi setzt auf einen Mix ätherischer Öle

Neben der Aerodynamik- und Fahrwerksbalance ist dabei die Gummihärte der entscheidende Faktor. Letztes Jahr schmierte Bridgestone mit seinen Teams ab, weil die Japaner ihre Walzen zu weich "gekocht" hatten. Diese Schlappe soll nun mit insgesamt sieben neuen Kautschuk-Cocktails bereinigt werden. Konkurrent Michelin gilt auf heißem Parkett allerdings weiter als Favorit.

Doch gewinnen wird die beste Motor-Chassis-Reifen-Kombination für Sepang nur, wenn der betreffende Mann hinterm Lenkrad bis zum letzten Meter möglichst cool bleibt. Wozu am allermeisten ein kühler Kopf nötig ist. Und den behält man am besten so: Vorm Start Schädel und Nacken mit kalten, nassen Handtüchern kühlen. Eispackungen sind verpönt, weil sie zu Kälteschocks und Muskelschmerzen führen können. Schumis indischer Leib-und-Seelen-Pfleger Balbir Singh reibt den Rekordweltmeister an einigen geheimen Körperstellen mit einem ebenso geheimen Mix ätherischer Öle ein.

Sein deutscher Helmhersteller Schuberth hat für Michael Schumacher wie für Bruder Ralf, Rubens Barrichello, Nick Heidfeld und neuerdings auch Mark Webber pünktlich für die Hitzerennen in Malaysia und danach in Bahrain die dritte Stufe seiner knitterfreien Hightech-Hüte gezündet. Der Clou: Über 100 Löcher in der zweiten der beiden Innenschalen wird der gesamte Kopf des Fahrers permanent belüftet und damit gekühlt.

Worauf Schumi allerdings verzichten muss, ist der neue Spezial-Overall der italienischen Marke Sparco. Denn den tragen nur die McLaren-, Williams-, Sauber-, Toyota-, Jordan- und Minardi-Fahrer. Ohne seine feuerfeste Wirkung zu verlieren, kann der dank einer neuen inneren Faserstruktur Schweiß besser nach außen ableiten und so kraftraubende Hitzestaus verhindern. Im Übrigen gilt für alle Menschen – für die am Steuer im Besonderen – natürlich: trinken, trinken, trinken.

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