Formel 1-Interview

Formel 1-Interview

— 08.03.2010

Haug lobt Cosworth

Nach den Vorsaison-Tests lobt Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug V8-Rückkehrer Cosworth. AUTO BILD MOTORSPORT sprach mit Cosworth-Technikchef Mark Gallagher über die neue Formel 1-Saison.

Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug zieht nach den Vorsaison-Tests seinen Hut. "Cosworth ist gut, extrem gut sogar, vor allem auch in Sachen Zuverlässigkeit." Nach dem Rückzug von Toyota und BMW ist der britische Neueinsteiger neben Ferrari, Mercedes und Renault der vierte Motorenlieferant in der Formel 1. Seit dem vorläufigen Ausstieg Ende 2006 beliefert die traditionsreiche Motorenschmiede nun erstmals wieder Williams, Virgin, Lotus und das neue Hispanic Racing Team mit Achtzylinder-Triebwerken. Doch zunächst standen hinter Cosworth gleich mehrere Fragezeichen: Ist der Motor zuverlässig, leistungsstark und spritsparend genug? "Ich bin jedenfalls sehr zufrieden", sagt Williams-Pilot Nico Hülkenberg nun. "Ich habe das Gefühl, der Motor ist sogar stärker als der alte Toyota. Spritverbrauch ist kein Problem und zuverlässig ist er auch."

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Die ersten zehn Motoren des Typs CA2010 der Firma Cosworth.

Dennoch gilt der Mercedes FO108X als derzeit bestes Aggregat im Feld. Deshalb fordert Red Bull-Teamchef Christian Horner, derzeit abhängig vom schwächeren Renault-Motor, dass Renault den Motor trotz Entwicklungsstopp öffnen und noch einmal nacharbeiten darf. "Ich glaube, das ganze Thema wird hochgespielt", meint Haug dazu auf Nachfrage von AUTO BILD MOTORSPORT. "Zwischen den Motoren bestehen kaum Unterschiede und auch ein Motor wie Renault hat keine großen Defizite." Haug betont aber auch, dass der Motor in Zeiten des Nachtankverbots eine immer wichtigere Rolle spielt: "Entscheidend könnte werden, wer wie lange mit magerem Gemisch fahren kann." So wird zwar Sprit gespart, der Motor aber auch stärker belastet. Acht Aggregate stehen einem Fahrer pro Saison zur Verfügung. Heisst: Ein Motor muss durchschnittlich 2,3 Rennwochenenden und damit 1800 Kilometer halten. Haug betont: "Unsere Motoren fahren auf dem Prüfstand schon jetzt regelmäßig um die 3000 Kilometer."

ABMS: Der neue Cosworth CA2010 basiert auf dem Motor von 2006. Wieviel besser wird er sein als damals?
Mark Gallagher: Der 2006er Motor war konkurrenzfähig und zuverlässig. Vor allem für einen Motor der ersten F1-Generation, die 20.000 Touren schaffen mussten. Das ist eine gute Grundlage für den CA2010. Unser Fokus lag darin, den Motor an den neuen Regeln anzupassen und ihn so zu umzukonstruieren, dass er drei Rennwochenenden übersteht. Bis jetzt sind wir mit dem Resultat sehr zufrieden. Zumal wir gerade erst mit den Tests im Auto begonnen haben und damit noch ganz am Anfang der Entwicklung stehen.
Welche Teile wurden weiterentwickelt und wie?

Darüber kann ich Ihnen keine detaillierte Auskunft geben. Nur, dass wir, um eine höhere Haltbarkeit zu erreichen, einige Komponenten verstärken mussten. Immerhin müssen wir Vibrationen, Resonanzen und den Druck bei 18.000 Touren bewältigen.
Seit wann arbeiten Sie an dem Motor?

Wir haben mit der Entwicklung am überarbeiteten CA2010 angefangen, als der FIA World Motor Sport Council verkündet hat, dass alle neuen Teams mit den gleichen Spezifikationen starten sollen – also vor rund acht Monaten. Die Entwicklung der Rennmotoren und die komplette Homologation mit der FIA life bis zum 1. März. Das war unserere Deadline.

"Wir konzentrieren uns auf die Basisindikatoren"

Nico Rosberg 2006 im Williams mit Cosworth-Herz.

Welche Probleme hatten Sie zu lösen?
Wir hatten die Aufgabe einen Motor zu entwickeln, der drei Rennen übersteht und mehr als 2000 Kilometer. Und natürlich mussten wir die Veränderungen der Motorcharakteristik bei 18000 Touren (2006 waren noch 20000 erlaubt; d. Red.) auszuloten.
Wie gut ist Ihr Motor im Vergleich zu Mercedes, Ferrari und Renault?

Wir sind zuversichtlich, dass unser Motor gut zum technischen Paket des jeweiligen Teams passt. Aber wir wissen nicht genau, wie er auf den unterschiedlichen Strecken gegenüber den anderen Herstellern abschneiden wird. Wir konzentrieren uns auf unseren Job anstatt die Konkurrenz zu beobachten.
Worüber machen Sie sich am meisten Sorgen: Leistung, Zuverlässigkeit oder Kraftstoff-Effizienz?

Wir haben keine bestimmten Sorgen. Aber wir konzentrieren uns auf Basisindikatoren wie die Zuverlässigkeit. Nach dem Motto: Um als Erster ins Ziel zu fahren, musst Du erst mal ins Ziel fahren.
Was ist Ihr Nachteil gegenüber den anderen Motoren-Herstellern?

Unser größter Nachteil ist, dass wir in den letzten drei Jahren nicht als Motorenlieferant in der Formel 1 tätig waren. Das bedeutet, dass unsere Arbeit auf nur ungefähr 30.000 Kilometer an Rennerfahrung beruht.
Wie viele Motoren liefern Sie dieses Jahr aus?

Nach den FIA Regeln müssen wir unsere fünf Kunden mit 16 Motoren (acht pro Fahrer) beliefern. Das sind insgesamt 80 Rennmotoren. Für die offiziellen Tests haben wir 20 gebaut.
Wie viele Mechaniker haben an dem Motor gearbeitet?

60 Personen arbeiten Vollzeit für das F1 Projekt. Diese werden von ebenso vielen im Bereich Mechanik, Test und Produktion unterstützt. Zu jedem Rennnen nehmen wir 18 Personen mit.
Wie sind die Reaktionen Ihrer Kunden nach den ersten Tests?

Die Reaktionen waren positiv. Die Teams konzentrieren sich auf ihre neuen Chassis. Ich bin froh, dass Cosworth ihnen die Möglichkeit gibt, sich auf andere Dinge zu konzentrieren als auf den Motor.

Motor für fünf Millionen

Ihre Kunden müssen "nur" fünf statt acht Millionen Euro zahlen. Warum können Sie Ihren Motor günstiger anbieten als die anderen Motorenlieferanten?
Wir sprechen nicht über die Details unserer Verträge. Wir haben Motoren schon immer günstiger angeboten als andere.
Renault bittet derzeit darum, den Motor noch einmal öffnen und verbessern zu dürfen. Wie kritisch sehen Sie die Leistungsangleichung und würden Sie ihren Motor auch gerne noch einmal überarbeiten?

Wir sind mit unserem eigenen Projekt beschäftigt. Renault hatte den Vorteil in den vergangenen drei Jahren in der Formel 1 zu sein, in denen wir nicht da waren. Außerdem glauben wir nicht, dass Leistung das einzig wahre Maß ist. In diesem Jahr wird der Kraftstoffverbrauch wichtiger sein als je zuvor. Die FIA macht die Regeln, wir bauen die Motoren.
Würden Sie gerne auch größere Teams von Ihrem Motor überzeugen?

Wir wollen mit konkurrenzfähigen Teams zusammen arbeiten und langfristige Partnerschaften aufbauen. Wir sind stolz darauf mit Williams, Lotus, Virgin Racing und HRT zusammen zu arbeiten. Neben den drei neuen Mannschaften sehen wir Williams als eines der wichtigsten Teams in der Formel 1. Und wir mussten sie nicht mal dazu überreden mit uns zu arbeiten – wir sind also schon längst da!

Autor: Bianca Garloff

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