Bernie Ecclestone Stefano Domenicali

Formel 1: Interview Ecclestone/Domenicali

— 19.06.2012

"Alonso und Vettel? Klar geht das!"

Formel 1-Chefvermarkter Bernie Ecclestone spricht mit Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali ber Vettel und Alonso, Adrian Newey sowie Michael Schumacher.

Auch wenn viele Fans Sebastian Vettel nicht im Ferrari sehen mchten, ist dies weiterhin ein Thema. Formel 1-Chefvermarkter Bernie Ecclestone und Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali sagen in unserem Interview, Vettel und Alonso wrden zusammen bei Ferrari als Teamkollegen harmonieren. Das Interview. 
AUTO BILD MOTORSPORT: Herr Ecclestone, Herr Domenicali, was denken Sie ber diese Fotomontage (wir zeigen einen Artikel aus SPORT BILD mit einem Foto von Sebastian Vettel im Ferrari-Overall.)?
Ecclestone: Ich habe keine Ahnung, wer dieser Typ auf dem Bild ist. Aber im Ernst: Alle Fahrer wollen doch einmal fr Ferrari fahren, ist das nicht so?
Domenicali: Man soll im Leben niemals nie sagen.

Interviewrunde: F1-Chefvermarkter Ecclestone, Ferrari-Teamchef Domenicali, ABMS-Reporter Bianca Garloff und Ralf Bach (von links).

Herr Ecclestone, wrden Sie es befrworten, wenn Vettel bald bei Ferrari fahren wrde?
Ecclestone: Ich wrde ihm das jetzt noch nicht empfehlen. Noch ist er zu jung. Normalerweise beendet man seine Karriere bei Ferrari. Eines Tages knnte es also passieren.
Oder wird es nur passieren, wenn Fernando Alonso nicht mehr bei Ferrari fhrt? Weil zwei Platzhirsche in einem Revier nicht funktionieren
Ecclestone: Das drfte nicht das Problem sein. Beides sind Rennfahrer, die stndig neue Herausforderungen suchen. Und fr beide wre es eine groe Herausforderung, mit und gleichzeitig gegen den anderen zu fahren. Jeder wrde denken, ich kann den anderen schlagen, weil beide selbstbewusste Burschen sind. Und Stefano wrde dafr sorgen, dass beide absolut gleiches Material bekommen. Er msste das sagen, was ich immer als Teamchef gesagt habe, beispielsweise als ich 1979 bei Brabham mit Niki Lauda und dem damals noch sehr jungen Nelson Piquet auch zwei sogenannte Platzhirsche im Team hatte. Ich sagte: Jungs, es ist ganz einfach, wer schneller ist, ist die Nummer 1 im Team.
Domenicali: Das sehe ich genauso. Ich denke, beide sind intelligente Jungs, die miteinander harmonieren knnten.

Wann sind Sie beide sich das erste Mal begegnet?
Ecclestone: Das ist wohl eine Ewigkeit her. Ich schtze, Stefano muss fnf Jahre alt gewesen sein.
Domenicali: Fast. Bernie wird sich kaum mehr erinnern, ich schon. Ich war 14. Ich lebte in Imola und durfte damals als Hilfskraft im Fahrerlager aushelfen. Fr mich war es eine Ehre, bei meinem Heimrennen arbeiten zu drfen.
Haben Sie als kleiner Junge je davon getrumt, fr Ferrari zu arbeiten geschweige denn Teamchef zu werden?
Domenicali: Nein, ich sagte mir immer selbst: Hr auf zu trumen, das ist unmglich. Nach der Uni hat Ferrari mich aber direkt genommen. Dann hat sich alles Schritt fr Schritt ergeben. Klar, es ist ein unglaublicher Druck, fr Ferrari zu arbeiten, aber es ist einfach nur groartig.
 
Hat man als Teamchef bei Ferrari mehr Druck als in einem anderen Team?
Ecclestone: Ja, das bringt der Zauber der Marke mit sich. Das fngt schon damit an, dass sie lnger in der Formel 1 dabei sind als jedes andere Team. Die Leute respektieren Ferrari, da schaut man besonders hin.
Haben Sie Domenicali zugetraut, das schwere Erbe von Jean Todt anzutreten?
Ecclestone: Auf jeden Fall. Es war der logische Schritt, nachdem er als Teammanager ja schon jahrelang das Team an sich organisiert hatte.
Wrden Sie sich selbst auch zutrauen, Herrn Domenicalis Job bei Ferrari zu machen?
Ecclestone: Und wie, ich wre brillant

Ecclestone: "Wenn ich Teamchef wre, wrde ich das Reglement so gut wie mglich ausnutzen. Also auf gut Deutsch: bescheien."

Was wrden Sie denn ndern?
Ecclestone: Ich wrde versuchen, das Auto noch viel schneller zu machen.
Also einen Superdesigner wie Red-Bull-Konstrukteur Adrian Newey holen?

Ecclestone: Jeder will Newey haben. Aber er muss auch in die Mannschaft passen.
Domenicali: Newey ist sicher einer der besten Techniker in der Formel 1. Aber ich gebe Bernie recht: In der Formel 1 steht das Arbeiten im Team ganz oben. Und wir haben gute Leute bei Ferrari, die gerade dabei sind, zusammenzuwachsen und jetzt zeigen knnen, zu was sie fhig sind.
Ecclestone (wirft lchelnd ein): Ich wrde auf jeden Fall versuchen, so gut wie mglich das Reglement auszuntzen. Also auf gut deutsch bescheien.
Warum tun Sie das nicht, Herr Domenicali?
Ecclestone (antwortet, bevor Domenicali was sagen kann): Ich habe vergessen, es ist ja nicht erlaubt

Andere Rennstlle gerieten zuletzt immer wieder ins Visier der Regelhter: McLaren und Mercedes mit dem F-Schacht-System, Red Bull mit Flatterflgeln und zuletzt mit den Lchern im Unterboden. War Ferrari zu brav?
Domenicali: Nein, wir versuchen nur innerhalb der Grenzen des Reglements zu bauen.
Also verstehen Sie die Entscheidung der FIA, die Lcher im Unterboden und die Bremsbelftung des Red Bull zu verbieten?
Ecclestone: Ich verstehe eigentlich kaum eine der FIA-Entscheidungen. Ich finde, die technischen Regeln sollten so geschrieben sein, dass sogar jemand wie ich sie verstehen kann.
Domenicali: So ist es. Die Fans verstehen nicht, warum ein Auto heute legal ist und morgen illegal. Dadurch verliert der Sport seine Glaubwrdigkeit. Die Regeln mssen einfacher werden.
 

Der F1-Bo und sein wichtiger Teamchef: Beide sind sich einig, dass die Regeln der Formel 1 zu kompliziert sind.

Obwohl Ferrari dieses Jahr keine Grauzone ausgenutzt hat, ist Fernando Alonso mit geringem Abstand WM-Zweiter. Liegt es an ihm oder am Auto?
Ecclestone: An Alonso und dem Auto. Erfolg ist immer eine Mischung aus beidem.
Domenicali: Alonso ist der schnellste Pilot von allen, da bin ich sicher. Das war er aber auch schon bei den Tests am Anfang der Saison so. Da allerdings war das Auto noch nicht gut genug. Das haben wir jetzt verbessert, auch wenn wir noch nicht auf dem Level sind, wo wir hin wollen. Die Autos liegen im Moment extrem eng zusammen. Es ist eine unglaubliche Weltmeisterschaft, fr die Fans einfach nur wunderbar.
Wie wichtig wre es denn fr die Formel 1, wieder einen Ferrari-Piloten als Weltmeister zu haben?

Ecclestone: Sehr wichtig. Gehen Sie whrend eines GP-Wochenendes mal in die Stdte, egal wo das Rennen auch stattfindet. Was bieten die Shops am meisten an? Ferrari-Produkte. Ich habe noch nirgendwo eigene Shops mit McLaren, Mercedes oder Red-Bull-Produkten gesehen. Das sagt ja wohl alles.
 
Herr Ecclestone, wie htten Sie an Domenicalis Stelle den Fall Massa behandelt. Er stand besonders in Italien heftig unter Kritik. Ferrari aber hielt standhaft zu ihm.
Ecclestone: Fr mich steht zweifellos fest, Felipe hat sehr viel Talent. Mehr braucht man nicht zu sagen
Domenicali: Stimmt. Auch dass es eine Menge Druck gab. Aber ich erinnere an das Jahr 2008. Da hatte Felipe auch Probleme am Anfang, dann steigerte er sich kontinuierlich und wurde am Ende fast noch Weltmeister. Dieses Jahr ist es genauso. Nach Felipes starkem Rennen in Monaco kamen pltzlich dieselben italienischen Journalisten zu mir, die ihn vorher heftig kritisiert hatten, und fragten: Warum hat er noch keinen Vertrag fr nchstes Jahr? Eins steht fest: Als Teamchef habe ich immer das Talent des Fahrers zu frdern und den Piloten zu schtzen.
Ecclestone: Die Medien machen immer Druck und wollen Einfluss nehmen, Ratschlge geben. Nicht nur in Italien. Einige Fahrer strt das sehr, einige weniger. Felipe Massa zum Beispiel ist so ein sensibler Kerl. Es ist nicht korrekt, wenn die Medien ihn so destabilisieren wollen.
 

Stefano Domenicali: "Die Formel 1 ist fr uns lebenswichtig, sie gehrt zu unserer DNS."

Auch Domenicali selbst wird immer wieder kritisiert. Wenn Sie sein Boss wren, wrden Sie ihm auch den Rcken strken?
Ecclestone: Natrlich! Er macht doch einen guten Job. Was macht er denn falsch? Wenn ich sein Boss wre, wrde ich ihn nur dann kritisieren, wenn er Fehler macht. Und das tut er nicht.
Herr Ecclestone hat gesagt, wie wichtig Ferrari fr die Formel 1 ist. Wie wichtig ist die Formel 1 fr Ferrari, Herr Domenicali?
Domenicali: Lebenswichtig, denn die Formel 1 gehrt zu unserer DNS. Wir sind seit dem ersten Rennen in der Formel 1. Und ich kann mir Ferrari ohne Formel 1 nicht vorstellen. Deshalb arbeiten wir auch so eng mit Bernie zusammen.
Ecclestone: Ich bin auch schon im ersten Formel 1-Rennen mitgefahren. Zwar mit keinem Ferrari, aber schon damals war Enzo Ferrari einer meiner Helden. Er und Colin Chapman haben mich am meisten beeindruckt.
Domenicali: Enzo hatte eine groartige Vision von Ferrari, so wie Bernie sie von der Formel 1 hat, indem er aus ihr ein globales Business gemacht hat.
 
Und welcher Fahrer hat sie am meisten beeindruckt?
Ecclestone: Jochen Rindt. Wir waren eng befreundet.
Domenicali: John Surtees, weil er der einzige ist, der sowohl auf zwei als auch auf vier Rdern WM-Titel gewonnen hat. Fr seine Leidenschaft bewundere ich Gilles Villeneuve. Fr seine sieben WM-Titel Michael Schumacher.
Ecclestone: Villeneuve war ein Racer. Und das mgen die Leute.
Domenicali: Er war ein echtes Renntier, immer am Limit selbst in einem langsameren Auto.
Ecclestone: Es gibt zwei Arten von Fahrern. Diejenigen, die bewundert wurden fr ihren Stil. Und die, die Erfolg hatten. Wenn ich gefragt werde, wer der beste Formel 1-Fahrer ist, wrde ich Alain Prost sagen. War der beliebt? Nein. Er war ein bisschen wie Fangio. Er hat getan, was er tun musste, um zu gewinnen.

Ecclestone: "Mit dem, was Schumacher jetzt macht, bleibt er nicht im Gedchtnis haften."

Wie frher Michael Schumacher. Herr Ecclestone, verbinden Sie ihn eigentlich mehr mit Ferrari, wo er fast alle seine Erfolge geholt hat, oder mehr mit Mercedes?
Ecclestone: Mit dem, was er jetzt macht, bleibt er nicht im Gedchtnis haften. Ich glaube, wenn er heute noch Ferrari fahren wrde, wrde er immer noch Rennen gewinnen. Ich hoffe, dass er das mit Mercedes auch noch schafft.
Domenicali: Ich habe seit seinem Comeback immer wieder betont, dass ich ihn immer noch fr einen sehr guten Fahrer halte. Natrlich ist er jetzt unser Gegner. Und mir wre es lieber, wenn er hinter uns Zweiter wird. Aber ich halte einen Sieg von ihm in diesem Jahr durchaus fr mglich.
 
Herr Domenicali, nachdem wir gehrt haben, dass Herr Ecclestone sich locker zutraut, Ferrari-Teamchef zu sein. Wrden Sie sich auch seinen Job als Formel 1-Chefvermarkter zutrauen?
Domenicali: Da wre ich absolut nicht geeignet fr. Aber ich muss Bernie meine Hochachtung aussprechen. Wenn wir in einer wirtschaftlich so schwierigen Situation eine so unglaubliche Weltmeisterschaft mit extrem hohen Zuschauerzahlen haben, hat er einen perfekten Job gemacht.

Autoren: Bianca Garloff, Ralf Bach

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