Alonso: Seine größten Unfälle

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Formel 1: Interview Fernando Alonso

— 14.06.2016

"Hinterherzufahren ist schmerzhaft"

Fernando Alonso gilt als bester Formel-1-Fahrer. Der McLaren-Honda-Pilot redet über verpasste Chancen und davon, die 24 Stunden von Le Mans zu gewinnen.

Herr Alonso, wie viel Spaß macht es Ihnen im zweiten Jahr noch, McLaren zurück an die Spitze zu führen?

Fernando Alonso (34): Jetzt fängt es gerade an, Spaß zu machen, weil wir Fortschritte erkennen können. 2015 gab es nur Hoffnung. Jetzt ist es mehr als das. Wir sind klar besser als vergangenes Jahr. Aber es ist noch ein weiter Weg. Ist es Ihre bisher größte Herausforderung in der Formel 1?

Ja, weil wir bei null beginnen mussten. Als Fahrer macht so etwas einen noch besser. Denn es kann manchmal hart sein, nicht um Siege, sondern allenfalls um Punkte kämpfen zu können.

Was haben Sie als Mensch gelernt im letzten Jahr?

Dass ich die Herausforderung liebe und daraus 
meine Motivation ziehe. Bei Ferrari konnte ich zwar um Siege und Podestplätze kämpfen, aber nie richtig um den Titel. Deshalb brauchte ich eine neue Herausforderung. Das McLaren­Honda­Projekt kam da genau zur richtigen Zeit.

Im McLaren-Honda kann Alonso 2016 wieder regelmäßiger um WM-Punkte kämpfen

Sebastian Vettel scheint mit Ferrari den gleichen Zyklus wie Sie durchzumachen: Ihr erstes Jahr war auch sehr gut, aber dann kam keine Steigerung. Können Sie sich das erklären?


Nein. Aber ich denke, Ferrari ist dieses Jahr besser als letztes Jahr. Der Rückstand zu Mercedes erschien mir 2015 trotz dreier Siege größer. Das ist auch nicht mit meinem ersten Jahr zu vergleichen. Denn 2010 führte ich bis zum letzten Rennen in Abu Dhabi die WM an. Ferrari macht alles richtig, aber Mercedes ist einfach zu stark. Der Vorsprung bei den Hybridmotoren war 2014 so groß, dass sie heute noch davon profitieren. Aber: Die Änderungen im Chassisbereich könnten das Feld 2017 aufmischen, und Ferrari wird dann wieder stark sein.

Dennoch: Unser Eindruck ist, dass Red Bull sich stark verbessert hat, McLaren ständig Fort- schritte macht, aber Ferrari auf der Stelle tritt.

Es ist schwierig, Dinge von außen zu beurteilen. Ich kann nur sagen, dass ich happy war, als ich Ferrari fuhr. Wir waren ein starkes Team, kämpften regelmäßig um die WM. Aber es war dann richtig zu wechseln, weil es schmerzhaft sein kann, ein sechstes und siebtes Jahr in Folge hinter Red Bull oder Mercedes herzufahren. Und ich wollte, dass ich eine gute Erinnerung an Ferrari behalte – keine schmerzhafte. Sebastian und Kimi passen gut zusammen, auch wenn sie noch keine Chance auf den Titel haben. Aber, wie gesagt, vielleicht kommt ihre Zeit im nächsten Jahr.

Sie haben häufiger um die WM gekämpft als irgendein anderer aktueller Pilot. Bereuen Sie im Nachhinein, manchmal im falschen Moment im falschen Team gewesen zu sein?

Eigentlich nicht. In dem Moment, wo du Entscheidungen triffst, denkst du, dass sie die besten sind. Es macht keinen Sinn, zurückzublicken und zu bereuen. Nach meinen zwei Titeln mit Renault brauchte ich eine neue Herausforderung. Nach meinem ersten McLaren­Jahr hätte ich zu Red Bull gehen können, entschied mich aber für Renault. Weil man nicht absehen konnte, wie gut Red Bull werden würde. Ich bereue unter diesen Umständen nichts. Ich bin lieber ein glücklicher Mensch als ein unglücklicher mit mehr Pokalen in der Vitrine.

Der Spanier will unbedingt noch seinen dritten WM-Titel in der Formel 1 gewinnen

Wie wichtig wird 2017?


Sehr wichtig. Nicht nur für McLaren und mich, sondern für den gesamten Sport. Die Formel 1 hat viel Kritik einstecken müssen. Wir änderten die Motoren, die leise wurden. Wir änderten viele Fernsehverträge in Richtung Pay­TV mit der Konsequenz, dass wir weltweit weniger Zuschauer haben. Deshalb ist es wichtig für den Sport, dass die neuen Aerodynamik­Regeln positives Echo hervorrufen. Für mich ist 2017 auch ein wichtiges Jahr. Ich habe noch einen McLaren­Vertrag und will sehen, wie sich die Autos fahren, wie attraktiv sie für uns Piloten sind. Erst danach werde ich Pläne machen und entscheiden, ob ich bleibe oder neue Herausforderungen suche.

Was wäre das beste Formel-1-Auto für Sie?

2003 und 2004 waren toll. Mit den V10-­Motoren, die einen Super­Sound hatten. Wir hatten den Kampf zwischen zwei Reifenherstellern. Wir waren immer am Limit. Das war für mich pure Formel 1. Heute ist man immer nur bei 90 Prozent. Bist du drüber, wirst du das später im Rennen bereuen. Es ist nicht befriedigend, gegen deinen Instinkt kämpfen zu müssen, der immer ans Limit will.

Können 18-Jährige heute Rennen gewinnen, weil die Autos so leicht zu fahren sind?

Es ist nicht einfach, sondern einfach anders. Du musst heute die Batterien managen, mit den Reifen haushalten und Sprit sparen. Rohes Speedtalent bringt heute nicht mehr so viel. Aber es ist gut für den Sport, wenn junge Talente wie Max Verstappen oder Carlos Sainz in der Formel 1 sind.

Sind sie schon zu gut für euch erfahreneren Piloten?

Nein. Sie sind schnell. Aber man braucht eine Menge Erfahrung, um Titel zu gewinnen. Ich bin mit meinen 34 Jahren definitiv besser als vor zwölf Jahren.

Wissen Sie schon, was nach Ihrer Formel-1-Karriere kommt?

Nein, im Moment genieße ich noch das Fahren. Es ist mein Leben und die einzige Sache, die ich auch richtig kann. Falls die Autos mir im nächsten Jahr keinen Spaß mehr machen, wechsle ich die Kategorie. Es ist ein Ziel für mich, irgendwann einmal die 24 Stunden von Le Mans zu gewinnen.

Autoren: Bianca Garloff, Ralf Bach

Fotos: Picture-Alliance

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