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Formel 1: Interview Günther Steiner

— 06.07.2016

"Man muss nur die Regeln lesen"

Romain Grosjean fuhr in Österreich schon wieder in die Punkte. Das neue Haas-Team ist etabliert. Wir haben mit dem Teamchef Günther Steiner gesprochen.

Herr Steiner, Sie kamen, sahen und siegten – na ja fast – in der Formel 1. In den ersten zwei Rennen holten Sie 18 Punkte. Wie haben Sie das gemacht? Normalerweise haben Neulinge es schwerer ...

Günther Steiner (51): Gesiegt haben wir zwar nicht, aber die Punkte am Anfang der Saison fühlten sich für uns tatsächlich wie ein Sieg an. Dahinter steckt viel systematische Arbeit.

Was genau? Erklären Sie bitte, wie man vom Nobody zum Punktejäger wird!

Zunächst muss man sich mal ein Bild machen. Wo bin ich? Wo will ich hin? Was ist der beste Weg? Diese Fragen habe ich mir gestellt, als vor circa fünf  Jahren unser Plan feststand, in die Formel 1 einzusteigen. Grundsätzlich wollten wir aus den Fehlern der anderen Neueinsteiger der vergangenen Jahre lernen.

Was haben die Teams falsch gemacht?

HRT, Marussia, Caterham haben keine schlechte Arbeit abgeliefert. Denn auch der Letzte in der Formel 1 ist immer noch gut. Aber ich finde, sie haben sich einfach überfordert. Besonders in Fragen des Budgets. Und genau darum geht es. Ich wollte diesen Fehler nicht machen, habe das Reglement genau gelesen und einen Weg gefunden.
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Welchen Weg?

Man braucht einen starken Partner, und man muss wissen, wie groß das Budget ist. Das ist das A und O. Und einen Partner wie Ferrari zu finden ist nach genauestem Studium der Regeln nicht verboten. Auch wenn das Geschrei der Konkurrenz laut ist – es ist nun mal ein Fakt, dass wir mit unserem Partner Ferrari gewisse Dinge tun durften und dürfen. Das haben wir uns auch im Vorfeld von den Autoritäten der FIA genauso bestätigen lassen. Das heißt, wir können von Ferrari alle Teile fürs Auto bekommen, die man laut Reglement nicht selbst bauen muss. Fertige Teile zu kaufen ist wesentlich billiger.

Ein Beispiel bitte!

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Da gibt es einige: Nehmen wir mal das Lenkgetriebe. Das ist ein hochkompliziertes Teil, technisch sehr aufwendig und teuer zu bauen, aber völlig unbedeutend für die Performance. Weil es da bei den verschiedenen Lenkgetrieben der Teams keine Unterschiede mehr gibt. Warum soll ich mir dieses Teil dann nicht aus dem Regal in Maranello kaufen? Die Aerodynamik-Teile, die man konstruieren muss, mache ich also selbst, und den Rest geh ich einkaufen.

Was hat für Ferrari als Partner gesprochen? Und gegen Mercedes?

Sie hatten das meiste Interesse daran, mit uns zusammenzuarbeiten, weil sie unseren Plan nicht nur verstanden, sondern auch noch für sehr sinnvoll hielten. Dass wir ein US-Team sind, war auch ein Vorteil. Weil der amerikanische Markt sehr wichtig ist.

Ist die Zukunft von Haas mit Ferrari in Stein gemeißelt?

Bis 2020 auf jeden Fall.

Wie groß ist die Begeisterung für das Formel-1-Projekt in den USA?

Es gibt immer mehr Besucher unserer Homepage und immer größere Anteilnahme im Bereich der sozialen Netzwerke. Trotzdem muss man sich bewusst sein, dass die Formel 1 in den USA immer noch ein Entwicklungsland ist. Es braucht noch eine lange Zeit, wenn überhaupt, bis die Formel 1 in Amerika den Stellenwert von Football, Basketball oder der NASCAR-Serie haben wird. Ein Problem ist, dass die meisten Grand-Prix-Rennen in den USA mitten in der Nacht stattfinden.

Was ist das Wichtigste, um in der Formel 1 Erfolg zu haben?

Eine Kombination aus Budget, technischen Fähigkeiten und guten Fahrern. In der NASCAR-Serie gibt es auch die Schere im Budget von oben nach unten. Nur dass das Budget der F1-Spitzenteams etwa dreimal so hoch ist wie das eines Spitzenteams in der NASCAR. Grundsätzlich: Wenn du wie wir in der Formel 1 von null anfangen musst, muss man immer Kompromisse eingehen. Das heißt, immer in jedem Bereich das Bestmögliche bekommen, was auf dem Markt ist und ins Budget passt. Im Moment bin ich da sehr happy mit unseren Piloten.

Hat Sie Ihr früher Erfolg mit Haas eigentlich überrascht?

Irgendwie schon. Weil wir unser Saisonziel, Anschluss ans Mittelfeld zu bekommen, schon erreicht haben. Zufrieden ist jemand wie ich aber nie. Denn mein Ziel ist es, immer besser zu werden. Man muss immer nach vorne schauen. Besonders nach 2017. Über 50 Prozent meiner Arbeit richtet sich jetzt auf die nächste Saison. Es gibt ein neues Reglement, deshalb sind wir gerade dabei, unsere Aero-Abteilung entsprechend zu vergrößern.

Autor: Ralf Bach

Fotos: Getty Images, Picture-Alliance

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