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Formel 1 - Interview: Helmut Marko

— 20.06.2017

„Die Formel 1 wird zu teuer!“

Red Bull Motorsportchef Helmut Marko spricht Klartext. Er glaubt, dass Sebastian Vettel bei Ferrari bleibt und erklärt das Erfolgsrezept des Deutschen.

AUTO BILD MOTORSPORT: Herr Marko, warum droht Red Bull erneut mit dem Ausstieg aus der Formel 1?

Helmut Marko (74): Weil wir in Zukunft ein Reglement für einen Motor haben wollen, der wesentlich einfacher ist und der von unabhängigen Herstellern wettbewerbsfähig produziert werden kann. Sonst hieße das, dass wir weiterhin erpressbar und abhängig sind von den Autoherstellern, die die Königsklasse diktieren.
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Hat Red Bull ein Lieblingskonzept für einen Motor, der ab 2021 eingesetzt werden kann?

Ginge es nach uns, würden wir einen Zehnzylinder oder sogar V12-Motor bevorzugen. Wichtig ist auch: So ein Antrieb darf nur acht Millionen Euro kosten und nicht wie jetzt 20. Gewisse Teile wie Turbolader und KERS sollten einheitlich sein. Und: Der Motor muss laut sein, an die 1000 PS haben und das Können des Fahrers in den Mittelpunkt rücken.Im Moment werden die Piloten immer noch von Ingenieuren ferngesteuert. Das ist nicht der Sinn der Formel 1.

Wie sehen Sie die Entwicklung der Formel 1 unter der neuen Führung von Liberty Media?

Sehr positiv. Sie sind sehr aufgeschlossen. Red Bull ist ja in doppelter Funktion in der Formel 1 inte­griert. Mit zwei Teams, aber auch als Promoter des GP Österreich. Vor allem als Veranstalter haben wir jetzt mehr Freiheiten. Das ist sehr gut so.

Hat sich wegen der Erfolge der Fußballer von RB Leipzig der Stellenwert der Formel 1 im Konzern geändert?

Helmut Marko spricht über Vettels Erfolgsrezept bei Ferrari

Beides ist für uns extrem wichtig. Aber die Formel 1 wird zu teuer. Es ist dringend notwendig, dass man da die Kosten runterschraubt.

Red Bull hat bisher die Erwartungen an die Saison nicht erfüllt. Liegt das nur am Motor?

Nein, wir müssen uns auch an die eigene Nase fassen. Wir haben uns von Windkanal-Daten in die Irre leiten lassen. Erst jetzt sind wir von der Chassis-Seite her wieder vorn dabei.

War Chefdesigner Adrian Newey von Anfang an an der Entwicklung des neuen Autos beteiligt?

Er war zumindest bei allen Meetings im Vorfeld dabei. Sein Arbeitseinsatz hat sich nach den Tests in Barcelona aber deutlich gesteigert.

Was bedeutet die Situation für ­Ihre Fahrer?

Ricciardo und Verstappen haben feste Verträge. Ricciardo für 2018, Verstappen mit einigen Klauseln sogar wesentlich länger.

Wenn Ferrari käme, würden Sie einen Ihrer Fahrer wie damals Vettel ziehen lassen?

Nein. Das gilt auch für Carlos Sainz. Er ist ebenfalls längerfristig an uns gebunden. Bis 2019. Nur wir können Verträge lösen, die Fahrer nicht.
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Haben Sie mit der Steigerung von Ferrari in dieser Saison gerechnet?

Ich hatte Ferrari immer auf der Rechnung. Sie haben ein Auto gebaut, das überall funktioniert, auf jeder Reifenmischung, bei jeder Temperatur. Sie sind jetzt da, wo sie hingehören.

Wie viel hat Vettel mit dem Erfolg zu tun?

Eine Menge. Sebastian war immer ein Fahrer, der sich extrem mit Technik und auch Reifen beschäftigt hat. Er hat ein ganz klares Konzept, was er tun muss, um Erfolg zu haben, und was er den Technikern sagen muss, damit der Erfolg eintritt. Der Ferrari von dieser Saison ist ein Ergebnis davon. Für die Formel 1 konnte nichts Besseres passieren, als dass die Dominanz von Mercedes vorüber ist.

Warum ist das so?

Mercedes war die letzten Jahre nie gezwungen, ans Limit zu gehen. Das fällt ihnen jetzt etwas auf die Füße.

Wird Vettel bei Ferrari bleiben?

Ja. Er fühlt sich wohl, hat Erfolg. Allerdings wird er diesmal mehr zu seinen Bedingungen unterschreiben. Ich kann mir sogar vorstellen, dass er platziert, welche Teamkollegen er künftig haben will.

Autoren: Ralf Bach, Bianca Garloff

Fotos: Picture-Alliance

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