Jenson Button Bernie Ecclestone

Formel-1-Interview mit Bernie Ecclestone und Jenson Button

— 03.11.2009

"Jenson ist der perfekte Champion"

AUTO BILD MOTORSPORT spricht mit Formel-1-Boss Bernie Ecclestone und dem neuen Weltmeister Jenson Button über den Saisonverlauf 2009. Außerdem geht es um die Saison 2010, Michael Schumacher und Sex im Fahrerlager.

AUTO BILD MOTORSPORT: Herr Ecclestone, was haben Sie Jenson im Parc Fermée von Sao Paulo nach seinem Titelgewinn zugeflüstert?
Ecclestone: Ich habe ihn gefragt, warum er so unsensibel war, den Job schon in Brasilien zu beenden und nicht beim letzten Rennen in Abu Dhabi, wie ich das wollte!
ABMS: Herr Button, können Sie sich noch an die erste Begegnung mit Bernie erinnern?
Ecclestone: Ja, da lag er noch in den Windeln.
Button: Ich lag nicht in den Windeln sondern fuhr Formel Ford. 1998 war das. Ich wollte unbedingt einen Pass fürs Formel-1-Fahrerlager. Zwölf Jahre lang hatte ich die Formel 1 im Fernsehen verfolgt. Jetzt wollte ich sie endlich einmal live erleben.

Blickt zurück: Bernie Ecclestone wurde Jenson Button einst als künftiger Weltmeister vorgestellt.

ABMS: Und Sie haben ihm den Pass gegeben?
Ecclestone: Naja, immerhin wurde er mir von seinem Manager als zukünftiger Weltmeister verkauft. Da musste ich doch was tun!
Button: Für meinen Vater und mich war das damals ein riesiges Erlebnis. Auch, weil wir Nico Rosberg und seinen Vater Keke getroffen haben. Dazu muss man wissen: Mein Vater war ein Riesenfan von Keke. Nico war noch ein kleiner Junge, der seinem Dad am Rockzipfel hing.
ABMS: Apropos Nico Rosberg. Werden Sie ihn nächstes Jahr öfter sehen? Als Teamkollegen zum Beispiel?
Button (grinst wissend): Wie viele Rennen haben wir? 19? Dann werde ich ihn auch mindestens 19 Mal sehen.

ABMS: Herr Ecclestone, wird Jenson überhaupt bei Brawn bleiben? Er pokert doch gerade um eine kräftige Gehaltserhöhung.
Ecclestone: Fragen Sie ihn doch selbst!
Button: Ich rede mit Ross darüber. Wir wollten erst die WM eintüten. Glauben Sie mir, es gibt keine Zeitnot bei den Gesprächen. Mein Ziel ist nächstes Jahr in dem besten Auto zu sitzen, das ich kriegen kann.
ABMS: Herr Ecclestone, würden Nico Rosberg und Jenson denn gut zusammen passen?
Ecclestone:
Ja, weil sie sich gegenseitig unterstützen werden.
Button: Ein Teamkollege muss beides sein: Er muss dich unter Druck setzen können, aber gleichzeitig auch bereit sein, mit dir zusammen das Team nach vorne zu bringen. Das war in diesem Jahr bei Rubens Barrichello und mir der Fall.

ABMS: Und was erwarten Sie jetzt von Jenson?
Ecclestone: Erst einmal, dass er so natürlich bleibt, wie er ist. Er soll nicht schauspielern. Und dass er den Ehrgeiz hat, seinen Titel zu verteidigen. Er muss keinen Oscar gewinnen, aber er muss sich immer bewusst sein, dass er eine Pflicht gegenüber der Öffentlichkeit hat. Jenson ist der perfekte Champion, auch wenn er mitten in der Saison kurzzeitig in einen Tiefschlaf gefallen ist.
Button: Aber Bernie, Du hast mir doch gesagt, um die WM spannend zu halten, soll ich genau das tun… Aber im Ernst: Bei 17 Rennen hast du immer Höhen und Tiefen. Sogar ein siebenmaliger Weltmeister hatte die. Ich erinnere Sie daran: 2003 musste Michael im letzte Rennen in Suzuka nur noch einen Punkt einfahren. Und selbst dabei hatte er richtige Probleme. Das zeigt doch, wie groß der Druck ist, der auf einem lastet. Das waren echt harte Monate für mich.
Ecclestone: Jeder hat doch mal schlechtere Tage. Dann geht es darum, das Beste aus schlechten Tagen rauszuholen. Das hat Jenson geschafft.

Der beste Weltmeister ist für beide Michael Schumacher

Wird Jenson Button jetzt seine Freundin heiraten? Diese Antwort kennt nur er.

ABMS: Wer war für Sie der bisher beste Weltmeister?
Ecclestone: Da kommst du gar nicht um Michael Schumacher herum. Was er erreicht hat, ist ganz speziell.
Button: Da stimme ich zu. Er hatte mehr Erfolg als jeder andere.
Ecclestone:
Viele Leute aber vergessen Alain Prost, immerhin viermaliger Weltmeister.
Button: Ich war ein großer Fan des Duells zwischen Ayrton Senna und ihm. Alain war damals mein Favorit.
ABMS: Herr Button, heiraten Sie jetzt Ihre Freundin?
Button: Von dem, was in den Zeitungen stand, ist nichts wahr! Wenn ich Anfang des Jahres gesagt hätte: Werde ich Weltmeister, mache ich meiner Freundin einen Antrag, wäre es doch keine Überraschung mehr! Das sollte es aber sein.
Ecclestone: Er hat jetzt aber gerade nicht gesagt, dass er nicht heiraten würde. Nur, dass die Quotes falsch seien.

ABMS: Glauben Sie an Märchen?
Ecclestone: Nicht wirklich. Ich erschaffe welche! Im Ernst: Die Brawn-Geschichte ist magisch! Vergessen Sie nicht: Letztes Jahr um diese Zeit war Brawn tot. So stark zurück zu kommen - das ist einfach ein Wunder!
Button: Wissen Sie, abseits der Rennstrecke gab es dieses Jahr in der Formel 1 viele Skandale. Aber auf der Strecke war es einfach toll, dass ein kleines Privatteam es mit den großen Herstellern aufnimmt. Das geht in die Formel-1-Geschichte ein.
ABMS: Hätten Sie vor der Saison auf Jenson als Champion gewettet?
Ecclestone: Vergessen Sie's! Ich hätte ja nicht mal drauf gewettet, dass sie das erste Rennen fahren! Bernie Ecclestones Handy klingelt. Klingelton: Spiel mir das Lied vom Tod. Ecclestone weist den Anruf ab.
Ecclestone: Trotzdem hätte nach dem Test keiner einen Cent auf Brawn gewettet.
ABMS: Dass Jenson die Saison gefallen hat, ist klar. Wie sieht’s bei Ihnen aus, Herr Ecclestone? Ecclestone: Ich wäre lieber in Jensons Position gewesen als in meiner (lacht).

"Teams werden noch näher zusammenrücken"

ABMS: Können Sie verstehen, dass Sebastian Vettel nach dem Verlust der WM so enttäuscht war?
Ecclestone: Ja, denn er wusste, er hat dieses Jahr einen guten Job gemacht.
Button: Ich kann ihn auch verstehen.
Ecclestone: Sebastian hat aber noch so viel Zeit den Titel zu holen. Er soll nach vorne schauen.
ABMS: Wer werden nächstes Jahr Ihre größten Gegner sein, Herr Button?
Button: Ferrari und McLaren werden zurückkommen. Red Bull und Brawn stark bleiben. Die Herausforderung wird noch größer.
Ecclestone: Wer weiß genau, was kommt? Das macht die Spannung aus. Die Teams werden noch näher zusammenrücken, denn das einzig Neue ist das Tankstoppverbot.

ABMS: Herr Button, haben Sie nach der Achterbahnfahrt Ihrer Karriere eigentlich immer noch an den Titel geglaubt?
Button: Jeder von uns glaubt bis zuletzt dran. Nur im Winter habe ich kurz gezweifelt (nach dem Honda-Ausstieg; d. Red.). Negative Gedanken helfen nicht weiter.
ABMS: Zum Abschluss, Herr Button. Die deutsche Boulevardpresse behauptete, dass Sie direkt nach dem ersten Sieg in Melbourne in einem kleinen Zimmer der Brawn-Hospitality Ihre japanische Freundin vernascht haben. Stimmt das?
Button (lacht laut und ist überrascht): Glauben Sie wirklich, dass ein Fahrer nach einem Rennen noch die Energie dafür hat?

Autoren: Bianca Garloff, Ralf Bach

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