Renault-Teamchef Eric Boullier

Formel 1-Interview mit Renault-Teamchef Eric Boullier

— 04.10.2010

Renault will Mercedes schlagen

Renault-Teamchef Eric Boullier im Interview über das Saisonziel, die Fahrerverhandlungen mit Kimi Räikkönen und Nick Heidfeld und einen möglichen Rückkauf des Teams durch Renault.

AUTO BILD MOTORSPORT: Herr Boullier, Sie sind im Moment mit Renault Fünfter in der Konstrukteurs-WM. Ihr Ziel war aber der vierte Platz. Vier Rennen vor Schluss: Wie weit sind Sie von Ihrem Ziel entfernt?
Eric Boullier (37): Wir sind nah dran. Unser Auto hat sich von Saisonbeginn an stetig verbessert. Das heißt, bei allem Respekt vor unseren Gegnern: Ich bin guter Dinge, dass wir unser Ziel erreichen können.
Ihr Konkurrent um den vierten Platz ist das Mercedes-Team: Ist es noch einmal eine spezielle Motivation, dass man damit auch Rekordweltmeister Michael Schumacher als Gegner hat?
Nein, überhaupt nicht. Wir wollen eines Tages Weltmeister werden, da ist es egal, gegen wen. Mercedes ist einer der letzten übrig gebliebenen Hersteller in der Formel 1. Das macht die Sache eher interessant. Dazu kommt, das Team ist amtierender Champion.

Übersicht: Alle News und Tests zu Renault

Sicher: Robert Kubica wird auch 2011 für Renault in der Formel 1 starten.

Haben Sie tief in Ihrem Herzen vor der Saison mit dieser guten Leistung Ihres Teams gerechnet? Schließlich gab es nach der Umstrukturierung doch eine Menge Zweifler.
Eigentlich schon. Denn ich wusste, welche technische Kapazität wir haben und ich wusste, dass wir gute Leute haben, die untereinander gut harmonieren.
Ihr Vorgänger Flavio Briatore gab sich nie mit Prognosen ab, die einen vierten Platz als Saisonziel beinhalteten. Für ihn zählte nur der Sieg. Belastet einen so was?
Das will ich gar nicht kommentieren. Ich schau nur danach, was ich zu tun habe. Und da ist es ganz klar: Ich will Renault wieder zurück auf die Siegerstraße bringen. Das heißt, fähig sein, damit man um den Sieg und den Titel mitkämpfen kann.
Welche Rolle spielen bei diesem Vorhaben Ihre Piloten. Auch die aktuellen, Robert Kubica und Vitaly Petrov?
Kubica steht außer Frage. Petrov muss uns in den letzten Rennen beweisen, ob er der Mann ist, dem wir 2011 das zweite Auto geben, damit wir unsere Ziele auch erreichen können. Schafft er es nicht uns zu überzeugen, wird er nicht mehr unser Auto fahren. Überzeugt er uns, werden wir ihn behalten. Wir setzen uns aber nicht unter Druck, was der Zeitpunkt der  Bekanntgabe des Piloten für das zweite Auto betrifft. Nur soviel: Wir werden sicher nicht bis Januar damit warten.

Bernie Ecclestone will einen Russen im Fahrerfeld

Nicht ausgeschlossen: Nick Heidfeld könnte möglicherweise 2011 im Renault Cockpit sitzen.

Geht es wirklich nur um Leistung? Es ist wohl kein Geheimnis, dass Bernie Ecclestone gerne einen Russen im Fahrerfeld sehen würde. Und der russische Markt ist für Renault sicher auch nicht gerade unbedeutend.
Ja, ich weiß. Ein russischer Pilot ist wichtig für Bernie. Russland ist ein Riesenland mit entsprechend riesigem Potential. Dennoch: Für uns zählt zuerst die Leistungsfähigkeit eines Fahrers. Erst dann der Pass in Sinne von: Welche Möglichkeiten zur Vermarktung gibt es? Im Prinzip ist die Formel ganz einfach: Stimmt die Leistung nicht, ist die Vermarktung auch nicht gut. So rum muss man denken, nicht anders. Wir bei Renault tun das jedenfalls. Auch einem französischen Pilot würde die Nationalität nicht helfen, wenn er keine Leistung bringt.
Es kam uns zu Ohren, dass Sie als Alternative zu Petrov auch über die beiden Deutschen Adrian Sutil und Nick Heidfeld nachdenken…
Hmmmh, jetzt muss ich sehr vorsichtig sein bei dem, was ich sage. Sagen wir so: Wir haben keinen direkten Kontakt, die Tür ist im Moment auch noch nicht geöffnet, aber wir gaben zu verstehen, dass die Tür unter Umständen irgendwann offen sein könnte.
Da gibt es auch noch Ex-Weltmeister Kimi Räikkönen. Welche Rolle spielt er  in Ihren Überlegungen?
Er hat uns kontaktiert, aber nochmal: Die einzige Frage, die wir uns im Moment stellen, ist: Sollen wir Petrov behalten? Erst wenn diese Frage negativ beantwortet ist, denken wir über Alternativen nach. Was Kimi betrifft: Ich müsste erstmal persönlich mit ihm reden, ihm sozusagen in die Augen zu schauen, um wirklich sicher zu sein, dass er genug Motivation verspürt, in die Formel 1 zurückzukehren. Es macht gar keinen Sinn jemanden zu engagieren, bei dem man das Gefühl hat, dass er nicht richtig motiviert ist. Warum soll man für so jemanden etwas investieren?

Das Beste fürs Team

Haben Sie keine Angst davor, dass keine konkurrenzfähigen Fahrer mehr auf dem Markt sind, wenn sie zu lange mit Ihrer Entscheidung warten?
Das ist das Risiko, das ist Teil des Spiels. Wenn ein Fahrer meint, er könne nicht solange warten, wir aber noch nicht in der Lage sind, konkret Stellung zu beziehen, dann kommt man eben nicht zusammen. Ich will das Beste für mein Team.
Raikkönens Interesse besteht auf jeden Fall nur, weil er der Meinung ist, mit Renault noch mal Rennen und Titel gewinnen zu können. Schmeichelt Ihnen diese Einschätzung?
Es zeigt, dass unsere Arbeit geschätzt wird und wir als zukünftiger Herausforderer um den Titel angesehen werden.
Hat Robert Kubica irgendeinen Einfluss auf die Entscheidung, wer sein zukünftiger Teamkollege sein wird?
Wichtig ist, dass Harmonie im Team besteht. Das ist die Basis für Erfolg. Ich werde ihn nach seiner Meinung fragen, aber entscheiden werden wir alleine. Wir werden den Fahrer nehmen, den das Team braucht, nicht Robert Kubica.
Haben Sie schon in die Planung Ihres neuen Autos mit einbezogen, dass mit Pirelli ein neuer Exklusivausrüster für Reifen kommt …
... und damit Nick Heidfeld, der drei große Testsessions für Pirelli gefahren ist, erste Wahl sein müsste? Weil er wichtige Infos hat und diese seinem neuen Team als erster mitteilt? Ich denke, die wichtigen Infos von Pirelli werden gerecht und zeitgleich an alle Teams verteilt.

"Ich habe die Formel 1 genau so erwartet"

Will rein: Kimi Räikkönen hat angeblich bei Renault nach einem Cockpit für 2011 angefragt.

Was anderes: Was sagen Sie zu den Gerüchten, Renault will das Team zurückkaufen, damit man wieder die Mehrheit hat?
Da ist nichts dran.
Eine persönliche Frage: Sie haben bald das erste Jahr als Teamchef in der Formel 1 hinter sich. Haben Sie sich das Arbeiten in der Formel 1 so vorgestellt oder sind Sie aus allen rosaroten Wolken gekippt?
Ha, ha. Ich habe die Formel 1 genau so erwartet. Du musst alles geben, du musst jeden Tag kämpfen, es ist ein Fulltime-Job. Das Wichtigste ist, das Ganze zu einer Einheit zu formen, in der jeder einzelne das Maximum geben muss.
Wie groß ist der Druck vom Renault-Vorstandsvorsitzenden Carlos Ghosn?
Den meisten Druck machst du dir selbst. Es gibt regelmäßige Treffen, bei dem er über alles informiert werden will. Und das ist auch gut so.

Autoren: Bianca Garloff, Ralf Bach

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