Formel-1-Interview: Nico Rosberg

Formel-1-Interview: Nico Rosberg

— 01.02.2008

"2009 will ich ein Topteam"

Nico Rosberg wurde als Nachfolger von Fernando Alonso bei McLaren-Mercedes gehandelt. Nun verlängerte er bis 2009 bei Williams und hat seine Ansprüche und Ziele hochgeschraubt.

Nach dem Rücktritt der Schumacher-Brüder Michael und Ralf hat RTL Nico Rosberg als Galionsfigur auserkoren. Der deutsche Williams-Pilot gilt manchem Experten als künftiger Weltmeister. Im Gespräch mit WELT ONLINE spricht Rosberg über Ansprüche, Ziele und die Konkurrenz.

WELT ONLINE: Was halten Sie nach den ersten Testfahrten von Ihrem neuen Auto? Nico Rosberg: Es liegt noch etwas nervös auf der Straße, aber ich hatte von Beginn an das Gefühl, dass uns ein guter Wurf gelungen ist.

Geht es mit Williams auch 2008 weiter bergauf? Abwarten. Wir müssen Renault und BMW angreifen und schlagen. Das wird nicht einfach, weil beide Teams im Aufwind sind.

In dem Japaner Kazuki Nakajima haben Sie kommende Saison einen Neuling als Teamkollegen, da wird die Entwicklungsarbeit größtenteils an Ihnen hängen bleiben. Es ist ein kleiner Nachteil, einen unerfahrenen Piloten im Team zu haben. Aber ich glaube an meine Stärke und hoffe, dem Team sehr weiterzuhelfen, auch wenn man letztendlich doch immer darauf angewiesen ist, dass in der Firma ein gutes Auto gebaut wird.

Führungsfigur sein ist doch cool

Sie sind erst 22 und schon so etwas wie die Führungsfigur im Team. Ist doch cool, oder? Es ist jetzt noch mehr meine Aufgabe, Mitarbeiter zu motivieren.

Der neue Williams-Toyota. Damit will Rosberg den Anschluß an Renault und BMW schaffen.

Sie hätten zu einem Team wechseln können, das um den Titel mitfährt. Wie weit waren Ihre Verhandlungen mit McLaren-Mercedes gediehen und warum haben Sie sich dann doch bis 2009 an Williams gebunden?
Ich wäre für McLaren ein interessanter Kandidat gewesen. Aber ich hatte einen Vertrag mit Williams, und Frank Williams stellte von Anfang an klar, dass ich unverkäuflich sei. Da kam ein sehr gutes Angebot zur Verlängerung, was Beweis war, wie ernst es Williams meint.

Haben Sie diese Entscheidungen allein getroffen oder hat Ihr Vater (Ex-Weltmeister Keke Rosberg – d.R.) sein Veto eingelegt? Das ist 100-prozentig meine Entscheidung gewesen. Mein Vater hat enorme Erfahrung, und es macht ihm Spaß, mich zu beraten und in Verhandlungen mitzureden. Bisher bin ich meist seinen Ratschlägen gefolgt. Nun haben wir entschieden, dass der richtige Zeitpunkt gekommen ist, dass er sich ein bisschen vom täglichen Management distanziert.

Machen Sie sich schon Gedanken über die Karriere nach 2009? Selbstverständlich. Ich sehe mich dann in einem Topteam. Das ist hoffentlich bis dahin Williams. Wenn nicht, dann woanders.

Hamiltons Start konnte keiner erwarten

Hat Sie das Debütjahr des WM-Zweiten Lewis Hamilton überrascht, gegen den Sie in der Formel 3 und in Karts gefahren sind? Niemand konnte so einen Start erwarten, jeder war überrascht, dass ein Neuling den zweimaligen Weltmeister schlägt. Aber es lief eben vieles zugunsten Hamiltons.

Was trauen Sie dem früheren Champion Alonso nach der Rückkehr zu Renault zu? Fernando wird dem Team Auftrieb geben. Aber er kann auch nicht die Welt auf einmal revolutionieren.

Wenn Sie Ihre noch junge Formel-1-Karriere betrachten: Wie beurteilen Sie Ihre Arbeit im Vergleich zu den Jobs Ihrer Altersgenossen und Freunde? Der Job in der Formel 1 hat unheimlich schöne Seiten. Ich habe Freunde, die in Banken arbeiten, die haben vier Wochen Urlaub im Jahr. Wenn ich arbeite, ist das sehr intensiv, ich muss 200 Prozent geben, aber man hat auch mehr Freizeit. Und wenn ich zum Beispiel Konditionstraining mache, wie vor Weihnachten bei Salzburg, dann besteige ich bei Traumwetter die Berge. Das macht fast schon Spaß. Ich habe viel Zeit für mich selbst.

Klettern, Schach und Bayern München

Mr. 200 Prozent, Nico Rosberg. In der Freizeit mag er Klettern, Schach und Bayern München.

Mit welchen Interessen füllen Sie Ihre Freizeit aus?
Ich treibe viel Sport, aber auch Gesellschaftsspiele machen mir Spaß. Bei Backgammon und neuerdings auch Schach kann ich hervorragend abschalten. Auch das Klettern ist ein neues Hobby von mir. Im Fernsehen schaue ich viel Fußball. Mit welchem Team fiebern Sie? Ich bin großer Bayern-München-Fan. Aber in der Familie ist meine Mutter ein noch größerer Fußballfan als ich.

Ihre Ziele für 2008? Der erste Platz auf dem Siegerpodest wäre super. Es war vorige Saison für mich schwierig, überhaupt in die Nähe der ersten Drei zu kommen. Es wird sicher nicht einfach, McLaren und Ferrari zu schlagen. Da muss ich schon auf Ausfälle bei diesen Teams hoffen.

2008 sind elektronische Fahrhilfen wie Traktionskontrolle verboten. Wird die Formel 1 wieder mehr Spaß bieten? Auf jeden Fall. Der Fahrer hat mehr Kontrolle und muss Feingefühl beweisen. Unter den Fahrern wird es aber keine großen Unterschiede geben, weil sich alle schnell umstellen werden. Die einzigen hakligen Momente werden die Starts, Boxenstopps und Fahrten auf nassen Strecken bleiben.

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