Formel-1-Interview: Nico Rosberg

Formel-1-Interview: Nico Rosberg Formel-1-Interview: Nico Rosberg

Formel-1-Interview: Nico Rosberg

— 27.02.2007

"Ich kann der beste Deutsche sein"

Williams-Toyota-Pilot Nico Rosberg über sein neues Auto, das Leben im zweiten F1-Jahr, sein neues Training – und seinen letzten Urlaub.

Er ist BILD der FRAU-Traummann-2007, und er ist einer der schnellsten Deutschen auf vier Rädern. Nico Rosberg gab AUTO BILD MOTORSPORT kurz vor Beginn der Saison 2007 einen Einblick in seine Vorbereitungen und sein privates Umfeld.

AUTO BILD MOTORSPORT: Wie waren Ihre Winterferien? Nico Rosberg: Total genial! Ich war in Argentinien, habe einen Freund auf seiner Farm besucht. Da ist es fast schon ein Traum von mir geworden, eines Tages auch eine Farm dort unten zu haben. Es ist total toll, im Winter in den Sommer zu reisen.

Ihr Vater (Keke Rosberg, F1-Weltmeister 1982; d. Red.) sagt, Sie trainieren im Moment wie ein Wahnsinniger. Das muss er ja sagen als Vater! Aber das stimmt schon. Ich möchte was erreichen, also muss ich alles geben. Auch wenn ich sehr gern auf der faulen Haut liege, überwinde ich mich. Es regt mich nämlich auf, wenn Leute sich auf ihrem Talent ausruhen. Michael Schumacher ist das beste Beispiel. Ich glaube nicht, dass er talentmäßig der absolute Überflieger war. Aber er hat mit absoluter Kompromisslosigkeit das Beste draus gemacht.

Wie trainieren Sie? Ich versuche immer, mir was Neues einfallen zu lassen. Klettern ist meine neue Leidenschaft.

Trotz Höhenangst? Ich kämpfe gern gegen meine Ängste an. Außerdem packe ich das Lenkrad sehr hart an. Das geht in die Arme. Das Klettern ist ein schöner Ausgleich.

Was haben Sie gefühlt, als Sie Ihren neuen Williams zum ersten Mal gesehen haben? Ich habe gedacht: Bitte, bitte, mach, dass da was geht!

Und, geht was? Ja. Der erste Test war sehr positiv. Und das sage ich nicht nur, weil ich es sagen muss, sondern weil es so ist. Wir haben viel mehr Grip, sind schneller in den Kurven und haben mehr Topspeed. Das liegt aber nicht nur am neuen Toyota-Motor, sondern auch an der Aerodynamik.

Liebe auf die erste Fahrt? Nein. Das Auto ist zwar schon viel, viel besser als im vergangenen Jahr, aber es hat immer noch die gleichen Charakteristiken wie das Vorgängermodell. Von denen ich gehofft hatte, dass sie anders sind.

Schnelle Kombination: Rosberg im neuen Williams-Toyota-FW-29.



Welche meinen Sie? Die starke Tendenz zum Übersteuern? Das möchte ich nicht sagen. Aber ich glaube, damit kämpfen viele Teams, und das ist der Schlüssel zum Erfolg. Und ich bin optimistisch, dass wir das bis zum Saisonbeginn hinkriegen.

Und die Zuverlässigkeit? Da sieht es sehr gut aus. Motor und Getriebe haben wir schon im Interimsauto unendlich oft getestet. Da haben wir keine Sorgen.

Kann das Auto also mit den Top-Teams mithalten? Das ist noch nicht der Fall. McLaren und Ferrari sind einfach zu weit weg. Aber konstant in die Punkte fahren, das ist möglich. Klappt das, hätte ich kein Problem, die Erwartungen schnell weiter nach oben zu schrauben.

Und wie stehen Ihre Chancen, bester Deutscher zu werden? Das kann ich schaffen. Toyota (Ralf Schumachers Team; d. Red.) ist derzeit nicht so beeindruckend. Und auch Sutil wird in seinem Spyker nicht mitspielen. Nur Nick (Heidfeld; d. Red.) kann im BMW gefährlich werden. Die scheinen sehr stark zu sein.

"Ich denke nicht an Teamwechsel. Ich will mit Williams gewinnen."



Sie sind sehr ehrgeizig. Wie lange halten Sie es noch im Mittelfeld aus? Da musste ich mich tatsächlich erst mal dran gewöhnen. In allen unteren Kategorien habe ich gewonnen. Und in der Formel 1 wurde ich plötzlich sogar von meinem Teamkollegen besiegt. Aber ich kann das aushalten, weil ich selbst mit meiner Leistung zufrieden bin. Es darf einem nur nicht so wichtig sein, was andere Leute denken. Dann ist das kein Problem. Mittelfristig gesehen.

Sie sind jetzt kein Neuling mehr. Was ändert sich für Sie? Wenn das Auto hält, dann wird der Druck vom Team sicher wachsen. Letztes Jahr haben sie meine Fehler leichter verziehen, weil sie selbst viele gemacht haben. Aber andersrum gilt das Gleiche: Je stärker ich werde – und das werde ich –, desto weniger verzeihe ich auch deren Fehler.

Wie stark ist Ihr Team? Stärker als 2006, denn Patrick Head ist mit mehr Einfluss zurück. Und in der Vergangenheit war gerade die Zuverlässigkeit seine Stärke. Außerdem haben wir ein paar Ingenieure dazugekauft (von McLaren und Renault; d. Red.). Williams weiß, dass es langsam Zeit ist, das Ganze mal wieder auf die Reihe zu kriegen.

Sie sind jetzt ein Jahr lang F1-Fahrer. Werden Sie erkannt? Ja, besonders bei meiner Freundin in Mailand. Das Lustige ist aber, dass die Leute dann immer sagen: Du siehst aus wie Nico Rosberg, dieser F1-Fahrer. Und dann sage ich: Ja, der bin ich. Aber die meisten glauben mir nicht, weil ich immer noch an ganz normalen Orten auftauche.

"Ich tauche immer noch an ganz normalen Orten auf."



Wussten Sie eigentlich, dass die BILD der FRAU Sie zum Traummann 2007 gemacht hat? Echt? Warum denn das?

Sie sind jung, gut aussehend ... Owei! Das ist ja irre! (lacht) Meiner Freundin erzähle ich das aber lieber nicht, sonst wird die noch eifersüchtig.

Ihr Gehalt wächst, je länger Sie bei Williams fahren. Leisten Sie sich jetzt mehr als früher? Nein. Meine letzte große Anschaffung waren drei Jeans. Selbst meine Wohnung in Monaco ist immer noch nicht fertig. Ich bin jetzt an einen Punkt gekommen, dass man gut drin wohnen kann, und jetzt bin ich ein bisschen faul geworden. Dafür investiere ich in meine Karriere, habe zum Beispiel einen zweiten Trainer engagiert.

Ihr neuer Teamkollege Alex Wurz ist wie sein Vorgänger Mark Webber viel älter als Sie. Ja, anscheinend habe ich immer alte Säcke als Teamkollegen (lacht). Aber von deren Erfahrungsvorsprung kann ich besonders auf technischem Gebiet was lernen. Trotzdem kann ich Alex schlagen, sonst wäre ich ja nicht hier.

Schumi ist jetzt weg. Ist das für Sie ein Vorteil oder Nachteil? Ein Nachteil, weil das Interesse in Deutschland wohl sinken wird.

Ist es denn keine Chance für die anderen Deutschen? Nein. Wenn du Erfolg hast, kann auch ein Schumi da sein. Das ist wurscht! Jetzt aber braucht Deutschland dringend einen neuen Sieger. Deshalb muss ich mich sputen!

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