Formel-1-Interview: Ralf Schumacher

Formel-1 Interview: Ralf Schumacher Formel-1 Interview: Ralf Schumacher

Formel-1-Interview: Ralf Schumacher

— 28.02.2007

"Nur dabei sein reicht mir nicht"

Ralf Schumacher (31) glaubt fest an sein Team. Er gibt die Hoffnung auf Siege mit Toyota nicht auf. Und er will auch noch Weltmeister werden.

Die erste Saison ohne den großen Bruder im Feld, der TF107 mit einigen Problemen und zuletzt im Trainig Rückenschmerzen nach einem Dreher: Mit Sorgenfalten auf der Stirn erkennt Ralf Schumacher eine "tendenziele Lücke" zu Ferrari, McLaren und Renault. Den Stand seiner Vorbereitungen und seine persönlichen Ziele verrät Schumi II im Gespräch mit AUTO BILD MOTORSPORT.

AUTO BILD MOTORSPORT: Sie haben den neuen Toyota hoch gelobt: als einen der drei besten Neuwagen, die Sie gefahren sind. Wie gut ist das Auto jetzt? Ralf Schumacher: Die Tests in Jerez und Barcelona waren eher schwierig. In Bahrain hatten wir am Anfang viel mit technischen Problemen zu kämpfen, sind daher zuerst auch wenig gefahren.

Noch hat der Toyota TF107 seine Mucken an Kupplung und Getriebe.

Wegen Kupplungs- und Getriebedefekten. Ja, aber es zeigt sich jetzt tendenziell eine Lücke zur Spitze, die wir schließen müssen. Das lässt sich nicht wegdiskutieren.

Und wie macht sich die Lücke beim Fahren bemerkbar? Die Autos rutschen dieses Jahr mehr. Ich weiß nicht, ob wir mehr rutschen als andere. Klar ist, dass wir von Top-Zeiten und auch von der Konstanz her Schwierigkeiten haben. Da arbeiten wir dran.

Sie wissen also nicht ganz genau, warum? Es scheint schon eine Frage des Grips (der Bodenhaftung der Reifen; d. Red.) zu sein. Fairerweise muss man sagen: Wir sind zwar mit dem neuen Auto sehr früh fertig geworden, es enthält aber sehr viele Neuerungen, die wir noch ans Laufen kriegen müssen. Wir hatten einfach wenig Zeit, daran zu arbeiten. Aber unser Ziel bleibt es, dieses Jahr ein Rennen zu gewinnen.

Und mehrere Podestplätze raus zu fahren? Ja. Wir werden wahrscheinlich einen schwierigen Start haben, aber es bleibt dabei.

Sie sind also nicht beunruhigt? Ich bin grundsätzlich nicht so leicht zu beunruhigen. Außerdem ist es ja oft so: Wenn man eine katastrophale Testvorbereitung hat, klappt es dann manchmal in den Rennen überraschend gut.

Dann freuen Sie sich auf die Saison wie eh und je? Zugegeben: Ich würde mich noch mehr freuen, wenn ich genau wüsste, was auf mich zukommt, und wir ein paar Probleme weniger beheben müssten. Man wünscht sich aber jedes Jahr mehr Zeit vor dem ersten Rennen.

Ralf sieht keinen Grund sich nicht auf die Saison 2007 zu freuen.

Worauf freut man sich weniger? Dazu fällt mir nichts ein. Außer dass ich hoffe, dass wir vom Start weg vorn dabei sind. Sonst muss ich wieder Fragen beantworten, die ich nicht gern beantworte. Ich werde lieber gefragt, warum ich zu schnell bin als zu langsam.

Bleibt auch ein Titelgewinn generell und mit Toyota Ihr Ziel? Ja, sicher. Allerdings ist es nun mal so, dass so was lange dauert. Offenbar auch etwas länger, als ich mir wünsche.

Ihre Abgeklärtheit heute – ist die nützlicher als der jugendliche Enthusiasmus, mit dem Sie vor zehn Jahren loslegten? Die hilft natürlich, weil man bei kleinen Rückschlägen nicht mehr so schnell nervös wird. Aber sie hilft nur, solange sie von außen nicht falsch interpretiert wird. Nämlich als Lustlosigkeit. Das wäre ein ganz falscher Eindruck.

Zehn Formel-1-Jahre mit dem Ziel Titelgewinn, ohne es erreicht zu haben. Haben Sie sich wirklich dran gewöhnt, dass es so schwer ist, Weltmeister zu werden? Nein, das wird mit fortschreitender Zeit schwieriger. Der Drang zu siegen lässt ja nie nach. Und wenn das nicht funktioniert, ist das immer enttäuschend. Gerade bei mir: Ich habe ja nun schon zu lange keine Rennen mehr gewonnen (zuletzt 2003; d. Red.). Aber es geht ja auch bei anderen Teams mal rauf und runter.

Der erste große Sieg. Formel 3 Macao 1995 mit Opel Dallara.

ZUR PERSON

RALF SCHUMACHER
Geboren: 30. Juni 1975
Geburtsort: Hürth
Wohnort: Hallwang (bei Salzburg/Österreich)
Nationalität: Deutscher
Familienstand:verheiratet mit Cora, Sohn David (5)
Erlernter Beruf: Rennfahrer
Hobbys: Kartfahren, Tennisspielen,Radfahren, Backgammon


Erfolgreich auch wenn die Chemie nicht stimmte. Ab 1999 bei Williams.

KARRIERE

• 1978 Mit drei Jahren erste Runden im Kart
• 1991 Deutscher Junioren-Kartmeister
• 1992 Deutscher Kart-Vizemeister
• 1993 Formel-ADAC-Junior-Vizemeister
• 1993 Formel-3-Pilot bei WTS
• 1994 3. Deutsche Formel 3
• 1995 2. Deutsche Formel 3
• 1996 Formel-Nippon-Meister
• 1996 2. japanische GT-Meisterschaft
• 1997 bis 1998 Formel 1 bei Jordan (33 GP, einmal P2, zweimal P3, 27 WM-Punkte)

Auf dem Weg zum Sieg. F1- Grand Prix von Kannada 2001.

• 1999 bis 2004 Formel 1 bei Williams (94 GP, 6 Siege, fünfmal P2, zehnmal P3, 232 WM-Punkte)
• 2001 Erster Formel-1-Sieg beim GP San Marino
• seit 2005 Formel 1 bei Toyota (36 GP, dreimal P3, 65 WM-Punkte)


Siege gelingen am ehesten mit der richtigen Teamwahl eines Fahrers. Wie gut haben Sie bislang gewählt? Als ich 1998 von Jordan zu Williams-BMW gewechselt bin, habe ich dafür in den Medien Prügel bezogen. Aber ich musste davon ausgehen, dass es funktioniert. Es war vielleicht nicht die beste Entscheidung. Denn die Chemie zwischen mir und dem Team hat nicht gestimmt. Andererseits hatte ich gar keine andere Wahl. Und dasselbe gilt für Toyota. Es war zu der Zeit (Ende 2004; d. Red.) die richtige Wahl.

Ihr Vertrag läuft noch ein Jahr. Verlängern Sie den, wenn es mit Toyota aufwärts geht? Ja, denn der Trend ist definitiv positiv. Ich fühle mich sehr wohl bei Toyota und glaube an das Team.

Es ist zu merken, dass Sie Ihr Team mit jedem Wort schützen wollen. Hauen Sie wenigstens intern mal auf den Tisch? Das ist nicht nötig. Wir haben Dialoge, die zu einem Ziel führen. Hier kann man offen über Probleme reden. Selbstkritik ist an der Tagesordnung.

Wie viele F1-Fahrer können Rennen gewinnen, wenn sie im richtigen Auto sitzen? Fünf bis sechs bestimmt. Die bewegen sich alle im Bereich von ein, zwei Zehntelsekunden pro Runde.


Der TF107 soll wieder Motivation durch Siege bringen.

Wo stehen Sie denn als Fahrer in Ihrer Entwicklung. Mittendrin, weil das Lernen ja nie aufhört. Wir müssen jedes Jahr mit neuen Regeln zurechtkommen, anderen Reifentypen etc. Man muss immer offen bleiben, um bei Bedarf seinen Fahrstil zu ändern. Da darf man nicht stur sein.

Ist es schwieriger für Sie, sich zu motivieren – ohne die gewünschten Top-Ergebnisse? Ja. Je länger man ohne Siege fährt, desto mehr muss man seinen Sport lieben, um unverdrossen weiterzumachen. Nur dabei sein in der Formel 1 reicht mir nicht. An dem Punkt bin ich noch nicht.

Jetzt, wo Ihr Bruder zurückgetreten ist, sind Sie Vorsitzender der Fahrervereinigung GPDA. Ist der Zeitpunkt Zufall? Nein, denn Michael hat diese Aufgabe ja super erledigt. Und was hätten zwei Schumachers da früher mehr bewirken sollen? Jetzt ist es so, dass erfahrene Fahrer dort gebraucht werden. Und die Fahrerinteressen, vor allem die Sicherheit, sind ein wichtiges Thema. Also kümmere ich mich nun darum.

Um das neue Leben Ihres Bruders ranken sich viele Gerüchte. Was wird er denn nun? Ich weiß es nicht. Und wenn Sie mich fragen, sage ich: Er weiß es selbst noch nicht.

Ihr Sohn David soll Karttalent besitzen. Fördern Sie ihn? Er zeigt ein gewisses Talent, das ist nicht überraschend. Aber das muss man abwarten. Er hat schon im Kart gesessen, wechselt aber oft zwischen Motorrad und Kart. Wenn er will, dann fördere ich ihn, klar.

Ist er nicht sauer, dass Sie ihn nie an die Strecke mitnehmen? David hätte das gern, aber ich bin dagegen. Es ist halt schwierig, mein Kind in der Öffentlichkeit zu zeigen, aus bekannten Gründen (Entführungsgefahr; d. Red.). An der Strecke gibt es zu viele Fotografen.

Autor: P. Hesseler

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