Formel 1-Interview: Timo Glock

Formel 1-Interview: Timo Glock

— 05.03.2010

"Auto wurde komplett am PC entworfen"

Virgin-Racing-Pilot Timo Glock spricht im Interview mit autobildmotorsport.de über die Entwicklung seines neuen Einsatzfahrzeugs, die ersten Testfahrten und wagt einen Ausblick auf die Formel 1-Saison.

autobildmotorsport.de: Wie lange wird es dauern, das Team im Mittelfeld zu etablieren? Timo Glock: Stellen sie mir diese Frage nach drei bis vier Monaten. Im Moment ist es unmöglich etwas zu bewerten, gerade für uns, da wir keine Daten zum Vergleich haben. Ich möchte sehen, wie weit wir mit unserem Computerprogramm CFD gehen können um große Fortschritte zu machen. Ich denke, dann kann ich die Situation besser einschätzen.
Richard Branson, Chef der Firma Virgin ist dafür bekannt, Projekte die seine Marke präsentieren, aufmerksam zu beobachten. Haben Sie oder ihr Team bereits irgendeine Rückmeldung von ihm zum Entwicklungsfortschritt erhalten? Ich bin mir sicher, das Teammanagement hält ihn auf dem Laufenden, doch ich habe seit der Präsentation nicht mehr mit ihm über Fortschritte gesprochen. Soweit ich gehört habe, ist er sehr stolz, das Auto auf der Strecke zu sehen. Er ist für den Einsatz neuer Technologien, deshalb konnte er der Herausforderung offenbar nicht widerstehen, das Auto ausschließlich am Computer zu entwerfen. Wenn du ein Pionier bist, musst du von Zeit zu Zeit Rückschläge einstecken. Wir hatten einige Probleme in Jerez, doch in Barcelona sah es vielversprechend aus, wenngleich wir momentan fünf Sekunden hinter der Spitze liegen.

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Erste Ausfahrt: Timo Glock im neuen Virgin-Renner VR-01.

Sie sagten, das Auto wurde vollständig am Computer entwickelt. Wie sah die Realität auf der Rennstrecke aus? Hätten Sie es lieber gehabt, dass auch einige Arbeiten im Windkanal durchgeführt worden wären? Nein. Von Anfang an haben die Zahlen mit den Daten von der Rennstrecke übereingestimmt. Wir hatten ein kleines Update in Barcelona und die Zahlen waren genauso, wie das CFD es prophezeit hat. Das große Paket (an Weiterentwicklungen, Anm. d. Red.) bekommen wir für Bahrain, ich denke, dann werden wir sehen, wie gut das CFD wirklich ist.
Sind Sie um ihre Sicherheit besorgt? Die Arbeit im Windkanal ist der klassische Weg, aber manche Tätigkeiten wurden schon immer mit dem CFD ausgeführt. Es ist großartig zu sehen, dass es möglich ist, ein Auto auf die Strecke zu bringen, dass vollkommen am Computer kreiert wurde. Das ist wahrscheinlich die Zukunft in der Entwicklung von Formel 1-Autos. Während der ersten Rennen werden wir einige Probleme haben, aber so geht es jedem neuen Team, nicht nur uns.

Große Überraschung beim ersten Test in Jerez

Unplanmäßiger Stop: Beim Test in Jerez verliert Glock den Frontflügel, kommt per Abschleppwagen in die Box zurück.

Haben Sie mehr oder weniger Vertrauen seit Sie den VR-01 das erste Mal gefahren sind? Als wir unsere erste Ausfahrt in Großbritannien hatten und ich das erste Mal aus der Boxengasse fuhr, war das ein komisches Gefühl. Du denkst, das Auto wurde bisher eigentlich noch nie dem Fahrtwind ausgesetzt und du fragst dich ob alle Bauteile so funktionieren, wie sie es tun sollten. Nach der ersten Runde waren alle diese Gedanken vergessen. Es fühlte sich an wie normales F1-Auto. Das ist großartig. Jedes einzelne Element des Autos – Motorkühlung, Getriebekühlung sogar die Kühlung der Hydraulik – wurde am Computer entworfen.
Doch dann fiel in Jerez der Frontflügel ab... Das war ein kurzer Schock, doch wir analysierten das Problem und fanden schnell die Antwort. Und das hatte nichts mit der Tatsache zu tun, dass das Auto im CFD entwickelt wurde. Aber glauben sie mir, als es passierte war die Überraschung groß. Ich hatte keinen Abweiser oder ähnliches berührt.

"Jetzt ist alles anders"

Sie sind fünf Sekunden hinter der Spitze. Wo gibt es noch Probleme? Du spürst es überall. Beim Bremsen, der Kurvengeschwindigkeit – einfach überall. Wenn ich überlege, wo ich letztes Jahr mit dem Toyota gebremst habe, ist jetzt alles anders.
Wie fühlt es sich an, vor dem Rennen in Bahrain zu wissen, dass Sie so weit von den Fahrern an der Spitze entfernt sind? Ich weiß, dass der Samstagnachmittag für mich ziemlich kurz sein wird. Wir sind realistisch und träumen nicht davon in Q2 oder Q3 zu kommen. Wir sind abgeschlagen doch damit habe ich kein Problem, denn als ich meinen Vertrag unterzeichnete, wusste ich was mich im ersten Jahr erwartet. Wir müssen hart arbeiten.

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