Formel 1

Formel 1: Jean Todt über Schumi

— 02.03.2016

Michael ist immer noch mein Freund

Heute ist er Präsident des Automobilweltverbandes FIA, aber die meisten kennen ihn wohl als Schumis Teamchef: Jean Todt über Schumacher und Vettel.

Wer wie Jean Todt (70) ganze 50 Jahre im Rennsport verbringt, der hat viel erlebt. Im Fall des Franzosen die erfolgreichste Ära des Ferrari-Rennstalls: Mit Michael Schumacher (47) holte Ferrari unter der Führung von Todt zwischen 2000 und 2004 fünf Mal in Folge den Formel-1-Titel.
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Zusammen feierten sie bei Ferrari große Erfolge: Michael Schumacher und sein Teamchef Jean Todt

"Heute hat Sebastian Vettel vier und Lewis Hamilton drei Titel. Michael hat so viele wie beide zusammen. Das zeigt, wie großartig seine Leistung war", sagt Todt in SPORT BILD. Seine Verpflichtung war daher auch eine der ersten Amtshandlungen des Franzosen bei Ferrari: "Für mich war er der einzige Fahrer, der Ferrari wieder zum Weltmeister machen konnte. Es war die Kombination aus Talent, Hingabe, Loyalität. Und er war eine Referenz für die Techniker."
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Den Grund erklärt Todt so: "Wenn es schlecht läuft, dann neigen die Italiener dazu - das hat man auch in den letzten Jahren gesehen - sich gegenseitig die Schuld zuzuweisen. Die Chassisbauer sagen, es liege am Motor. Die Motoringenieure sagen, das Chassis sei zu schlecht. Oder wir haben nicht die richtigen Fahrer. Indem ich Michael verpflichtet habe, habe ich zumindest eines dieser Probleme gelöst."

Die gemeinsamen Jahre haben zusammengeschweißt: Todt mit Schumi und dessen Frau Corinna

Der Weg war aber steinig und schwer - die Herausforderung damals (1993; d. Red.) viel größer als die von Vettel heute bei Ferrari: "Als ich zu Ferrari gekommen bin, war das Team auf einer Skala von eins bis zehn bei drei. Als Sebastian zu Ferrari gewechselt ist, war es bei sieben - und hat schnell weitere Fortschritte gemacht. Sebastian muss das Team konsolidieren und die letzte Lücke zur Spitze schließen. Das ist einfacher als damals bei uns."

Traurig macht ihn das Schicksal von Schumacher heute. Todt zu SPORT BILD "Meine Beziehung zu ihm hat sich seitdem natürlich verändert, aber ich habe immer noch eine Beziehung zu ihm. Ich bin immer noch sein Freund. Und mein Verhältnis zu Corinna und seiner Familie ist viel intensiver geworden. Ich spüre die Verantwortung, ihnen zur Seite zu stehen."

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Dass Schumacher durch einen eigentlich lapidaren Skiunfall so schwer verletzt wurde, damit kämpft Todt bis heute: "Ich weiß noch, wie besorgt ich war, als er nach seinem Abschied von Ferrari mit dem Motorradfahren anfing. Aber wenn Michael sich etwas in den Kopf gesetzt hat, dann zieht er das durch. Deshalb war ich froh, als er mit Mercedes zurück in die Formel 1 gekommen ist. Ich wusste, dass Michael diese Autos kontrollieren kann - wovon ich beim Motorrad nicht überzeugt war. Dass das Schicksal ihn dann so unglücklich mit dem Kopf gegen einen Stein hat fallen lassen, ist für mich immer noch schwer zu begreifen."

Autoren: Bianca Garloff, Michael Zeitler

Fotos: Picture-Alliance

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