Formel 1: Button ist Weltmeister

Formel 1: Jenson Button wird Weltmeister

— 19.10.2009

Achterbahnfahrt zum Titel

In der Winterpause war Jenson Button noch arbeitslos, jetzt gewinnt er in Brasilien den Weltmeistertitel in der Formel 1. Die Belohnung für eine mit vielen Rückschlägen gespickte Karriere.

Jenson Button brüllte die Losung für die Formel-1-WM 2009 kurz nach der Zieldurchfahrt in Interlagos (Brasilien) ins Helm-Mikro: "We are the champions, my friend..." Endlich hat er es geschafft. Jenson Button ist Formel-1-Weltmeister 2009. Nach einer Zitterpartie in der zweiten Saisonhälfte. Und nach einer Karriere, die ihn immer wieder auch ins Mittel- und Hinterfeld der Formel 1 verschlug. Dabei betont Ex-F1-Pilot Heinz-Harald Frentzen so schön gegenüber Focus online: "Jenson machte schon seit Jahren einen brillanten Job. Es hat bloß viele Jahre lang kein Schwein hingeguckt." Fast wäre es gar nicht so weit gekommen, dass die Formel-1-Welt Buttons "brillianten Job" überhaupt honoriert.

Neuanfang nach dem Honda-Ausstieg

Arbeitslos: Nach dem Ausstieg von Honda im November 2008 erlebt Button eine schwere Zeit.

November 2008, ein Gepäckband am Londoner Flughafen Gatwick. "Ich kam gerade aus Lanzerote zurück und war total gut drauf, fühlte mich richtig aufgepumpt. Ich wusste, dass unser neues Auto verdammt gut war und dass das Team mit Ross Brawn jetzt genau die richtige Führung hatte. Da meldete sich eine SMS an", erinnert sich Button. Sie kam von seinem Manager Richard Goddard: "Ruf mich an. Ich habe schlechte Neuigkeiten." Goddard verkündete seinem Schützling Hondas Ausstieg aus der Formel 1. "Was heißt das alles für uns?", fragte Button reichlich geschockt. Antwort: "Das heißt, dass wir 2009 nichts zu fahren haben." Zum Glück kam es anders. Teamchef Ross Brawn kaufte die Honda-Erbmasse für ein symbolisches Pfund, Mercedes stellte den besten Motor der Königsklasse zur Verfügung - und Jenson Button verzichtete aus freien Stücken auf die Hälfte seines Neun-Millionen-Euro-Salärs. Im Nachhinein die wertvollste Entscheidung eines gereiften Fahrers.

Die Engländer verfallen Neuling Button sofort

Anfang: Im Jahr 2000 gibt Button sein Formel-1-Debüt für Williams BMW.

Gerade erst 20 Jahre war er alt, als er nach nur einer Saison in der britischen Formel 3 völlig überraschend in das Williams-BMW-Team berufen wurde. Plötzlich kannte der Button-Hype in Großbritannien keine Grenzen mehr. Teamkollege Ralf Schumacher kann bei Focus online noch heute darüber schmunzeln: "Von einem Tag auf den anderen gab es mich im englischen Williams-Team nicht mehr. Ich war reine Luft. Stattdessen gab es nur noch Jenson. Jenson am Morgen, Jenson am Mittag, Jenson am Abend. Die Engländer sind so, das darf man nicht persönlich nehmen."

Button wird zum Lebemann

So durfte allerdings auch Button nicht persönlich nehmen, dass Williams ihn Ende 2000 nach nur einer Saison wieder freistellte, um Juan Pablo Montoya ins Auto zu setzen. Button wurde zu Renault abgeschoben. Magere Ausbeute einer Saison: zwei Punkte. Der Beginn von Buttons Abstieg Nummer eins. Neben der Piste begann dagegen sein Aufstieg. Die größten Yachten, die geilsten Partys, die hübschesten Models, die teuersten Sportwagen. Button wurde zum Lebemann der Formel 1. Eine Kategorie, in der er unangreifbar wurde. Heute ist das Kapitel für ihn abgeschlossen. "Ich habe viel Kritik einstecken müssen und einen gewissen Teil dieser Kritik habe ich auch wirklich verdient, zumindest in dem frühen Teil meiner Formel-1-Karriere, als ich mich vielleicht nicht genug auf die wirklich wichtigen Teile meines Jobs konzentriert habe."

Buttons Ablösesumme ermöglicht Rosbergs F1-Einstieg bei Williams

Glück für Rosberg: Buttons Ablösesumme sichert seinen Formel-1-Einstieg.

In der Formel 1 folgte das Vertrags-Desaster Ende 2004. Für die kommende Saison hatte er bei Williams unterschrieben, nur um sich dann doch für eine Vertragsverlängerung bei Honda zu entscheiden. Frank Williams ließ ihn ziehen – für geschätzte 30 Millionen Euro Ablöse. Nico Rosberg schmunzelt heute noch: "Das Geld hat mir meinen F1-Einstieg bei Williams ermöglicht." Und Button ermöglichte es eine Saison 2004 als Schumi-Gegner Nummer eins und seinen ersten Sieg für Honda in Ungarn 2006. Doch nach dem Zwischenhoch ging’s schon wieder abwärts.

Kriesenjahre: 2007 und 2008 Jenson Button nur hinterher.

2007 und 2008 rutschte Button, diesmal ohne eigenes Verschulden, in die schlimmsten Honda-Jahre, während ein anderer Brite zum Liebling der Massen avancierte. "Mensch hast du ein Glück, habe ich bei Lewis Hamilton immer gedacht", gibt Button heute zu. "Klar war ich eifersüchtig auf ihn. Nicht weil er Engländer war, sondern weil er Weltmeister war. Also genau das, wofür ich neun Jahre lang gekämpft hatte und was ich unbedingt erreichen wollte, aber einfach nie in der richtigen Situation hierfür war." In dieser Saison war die Situation endlich die richtige. Das Comeback von Jenson Button und BrawnGP liest sich wie ein modernes Märchen. Und warum Button trotz seiner schwachen zweiten Saisonhälfte ein würdiger Champion ist, lesen Sie ab Freitag, 23. Oktober 2009, in AUTO BILD MOTORSPORT.

Autor: Bianca Garloff

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