Die größten Skandale der Formel 1

Formel 1: Joann Villeneuve

Das Leben einer Formel-1-Witwe

Gilles Villeneuve war Kanadas Formel-1-Held, sein Unfalltod nur einer von vielen. Besonders bitter war das für die Fahrerfrauen.
Was für Männer! 29 Fahrer sind in der Formel 1 schon gestorben. Früher fast jährlich einer. 1973 Roger Williamson, 1974 Helmut Koinigg, 1975 Mark Donohue, 1977 Tom Pryce, 1978 Ronnie Peterson – fehlt nur 1976. Da hat Niki Lauda den schweren Feuerunfall am Nürburgring schwer verletzt überlebt. Wer bis in die frühen 80er Jahre Formel 1 gefahren ist, musste mit dem Tod rechnen. In jedem Rennen.
Aber was waren das für Frauen? Die ständig Angst um ihren Mann haben mussten? Sie verdrängten ihre Furcht, brachten sich ein. Im Pre-Computer-Zeitalter waren sie sogar sehr wichtig. Mit Stoppuhr und Klemmbrett ausgestattet mussten sie die Rundenzeit messen. Immer in der Hoffnung, dass der eigene Herzbube noch schneller wird. Aber auch wieder an der Box vorbeikommt. Unverletzt, am Leben.

Gilles Villeneuve war ein Formel-1-Star der 80er Jahre

Längst nicht für alle ging die Hoffnung in Erfüllung. Und die Frauen gingen damit höchst unterschiedlich um. Barbro Peterson, die Frau von Ronnie, verfiel in tiefe Depressionen. Sie verliebte sich wieder in einen Formel-1-Fahrer, John Watson. Der lehnte ihretwegen sogar ein Lotus-Cockpit ab – denn darin ist Ronnie Peterson gestorben. Doch die Lebensfreude kehrte nie wieder zurück. Mit nur 40 Jahren nahm sie sich an einem trüben Dezember-Tag 1987 das Leben. Die Witwe von Mark Donohue verklagte nach seinem Tod 1975 in Österreich die zuständige Reifenfirma. Ein Prozess, der fast zehn Jahre dauert.
Und dann ist da ja auch noch Joann Villeneuve. Ihr Mann Gilles Villeneuve war Kanadas Formel-1-Held, gewann vor 40 Jahren als erster Kanadier einen Grand Prix – zuhause in Montréal, wo am Wochenende die Formel 1 wieder einmal zu Gast ist.

Angst als Ehefrau, Angst als Mutter

Joann Villeneuve erinnert sich: „Rennsport ist ein Sport, bei dem du dir dem Risiko immer bewusst sein musst. Die Angst vor einem Unfall war immer da. Ich wusste, es kann jeder Zeit passieren. Aber ich habe versucht, diese Seite des Rennsports in meinen hintersten Teil des Kopfes zu verstecken. Ich wollte damit nicht jeden Tag konfrontiert werden.“
Auch sie war meist mit an der Rennstrecke. „ich habe vielleicht fünf oder sechs Rennen verpasst. Immer, wenn wir keinen Babysitter gefunden haben. Ich habe es genossen, Teil des Teams zu sein“, erklärt die heute 66-Jährige. „Bis zum heutigen Tag liebe ich den Sport. Ich schau mir jedes Rennen an. Meine kleine Tochter sagt immer: ‚Dein perfekter Tag besteht aus Formel 1 in der Früh, NASCAR am Nachmittag und IndyCar am Abend. Du bist schlimmer als die Jungs‘“.
Zolder 1982 war so ein Rennen, bei dem sie nicht dabei war. Ihre Tochter Melanie hatte Erstkommunion. Am Samstag, kurz nach dem Qualifying, rief Jody Scheckter bei Joann an. Sie wusste sofort, warum. Joann Villeneuve: „Nach seinem Tod musste ich eine Entscheidung treffen. Und ich musste pragmatisch denken. Ich hatte zwei Kinder. Und daher nicht die Möglichkeit in Traurigkeit zu verfallen.“
Sie erinnert sich an die schwierige Zeit nach Gilles‘ Ableben: „Ich habe von Ferrari viel Unterstützung bekommen. Ich denke, keiner hätte so viel Unterstützung gekriegt wie ich. Der Tod von Gilles hat bei Ferrari viele geschockt. Und ich weiß, dass es Herrn Ferrari persönlich und tief geschmerzt hat. Enzo Ferrari war Enzo Ferrari, er hat Dinge auf sehr eigenartige Weise gemacht. Er hat nicht gesagt, ich könne jedes Wochenende zu ihm kommen. Aber ich habe von ihm regelmäßig gehört und er wollte sicher gehen, dass alles passt bei uns.“
14 Jahre nach seinem Tod wird Joanns und Gilles‘ Sohn Jacques Villeneuve Formel-1-Weltmeister. Wieder lebt Joann in Angst, dieses Mal nicht als Ehefrau, sondern als Mutter. „Natürlich war ich nervös, als Jacques angefangen hat, Rennen zu fahren. Aber es war schwierig ihm klar zu machen, dass er das nicht darf, wenn sein Vater das sein ganzes Leben gemacht hat. Es ist, wenn du als Raucher deinem Kind erklärst, nicht rauchen zu dürfen“, sagt sie nüchtern.
Bereut hat sie nichts. So erklärt sie: „Ich habe Gilles mit 16 kennen und lieben gelernt. Wenn du so alt und schwer verliebt bist, machst du einfach alles mit und denkst nicht darüber nach, wo du da hineingerätst. Aber ich würde alles wieder so machen. Ich bereue nichts. Gilles hat den Rennsport so sehr geliebt. Ich vermisse ihn noch immer. Vielleicht nicht jeden Tag. Aber ich weiß, dass er der Mensch war, dem ich blind vertrauen konnte. Das findest du nicht so leicht. Das ist das, was ich am meisten vermisse – dass eine solche Person immer für dich da ist.“

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Autor: Michael Zeitler

Fotos: Picture-Alliance

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