Monisha Kaltenborn

Formel 1: Kaltenborn Interview

— 09.09.2016

"Eine Budgetgrenze ist machbar"

Sauber-Teamchefin Monisha Kaltenborn hat das Traditionsteam gerettet. Im Interview erzählt sie, dass sie nun neu angreifen will.

Frau Kaltenborn, Sie haben Sauber mit Hilfe einer Schweizer Investorengruppe gerettet. Sind Sie erleichtert?

Monisha Kaltenborn (45): Ja, sehr. Die letzten Monate waren eine schwere Zeit. Es wurde schon immer enger, das hat man ja auch gesehen. Dann ist es schon schwierig, die ganze Mannschaft zusammen- und die Motivation aufrechtzuerhalten. Was mir persönlich sehr wichtig war: die Arbeitsplätze und den Standort in der Schweiz zu erhalten.

Sauber wurde in einigen Schweizer Zeitungen als Auslaufmodell bezeichnet. Wie groß ist Ihre Genugtuung?

Man kann Kritik üben, aber dann soll man  konkret werden und sich schon überlegen, ob man überhaupt die Kompetenz dazu hat. Und ich finde es schon anmaßend, uns als Auslaufmodell zu bezeichnen, obwohl wir seit über 40 Jahren in der Schweiz – die ja nicht für ihre Motorsportindustrie bekannt ist – große Partner in die Formel 1 bringen.
Sauber ist gerettet: Alle Infos dazu

Was bedeutet die Übernahme des Teams für künftige Investitionen?

Das Ziel der neuen Eigentümer ist es, das Team und die ganze Gruppe zu stabilisieren. Damit schafft man die Basis, um wieder konkurrenzfähig zu werden. Was wir nicht machen werden: wie bei einem Hersteller, wie es bei BMW der Fall war, alles zu vergrößern. Wenn wir punktuell und gezielt erweitern, können wir wieder an unserer Effizienz arbeiten – das war immer unsere Stärke.

Wird Sauber die Bestrebungen weitertreiben, Kosten zu senken und Einnahmen gerechter zu verteilen?

Absolut! Das alles ändert unsere Positionierung bei der Kostenreduzierung, der gerechteren Verteilung der Gelder und auch bezüglich des Antrags bei der EU-Wettbewerbskommission überhaupt gar nicht (da haben Sauber und Force India Beschwerde wegen Wettbewerbsverzerrung eingereicht; d. Red.). Die Formel 1 muss wieder auf ein Niveau zurückkommen, dass sie auch für Neueinsteiger attraktiv wird.

Monisha Kaltenborn sieht Saubers Stärke in der Effizienz

Wann erwarten Sie eine EU-Entscheidung?


Wir sind zuversichtlich, dass sie bald kommen sollte. Wir wollen da nicht versuchen, auf irgendeinem Weg zu mehr Geld zu kommen. Die Geldverteilung und die Art und Weise der Entscheidungsfindung sind Dinge, die gewissen Teams ein Privileg verschaffen und so zu einem Wettbewerbsvorteil führen.

Plädieren Sie weiter auch für eine Budget­obergrenze?

Absolut! Denn das ist eine Maßnahme, die kurzfristig machbar ist und auch sofort greift. Wichtig wäre, dass man für Verstöße eine hohe Strafe festsetzt. Jedes Management kann mit Zahlen etwas jonglieren, aber wenn man weiß, welche Strafe droht, wird man aufpassen. Ich sehe da eher das Problem, dass die Großen, die es gewohnt sind, drei Mal so viel auszugeben, einen Nachteil darin sehen werden. Das ist auch eine Frage des Mutes. Wenn man eine große Marke vertritt, dann muss man Erfolg haben. Und wenn kleine Teams wie Sauber das dann besser hingekriegt haben, könnte das problematisch sein.

Wie stark könnte Sauber unter einer Budgetgrenze zur Spitze aufschließen?

Zunächst würde ich die Grenze so hoch ansetzen, dass wir das nicht einmal ausschöpfen könnten. Eine Budgetobergrenze ist aber per se keine Garantie für Konkurrenzfähigkeit, denn man kann da genauso danebenliegen. Aber es bringt die Teams zumindest näher zusammen.

Autoren: Michael Zeitler, Bianca Garloff, Ralf Bach

Fotos: picture-alliance

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