Motorschaden

Formel 1: Kaltenborn kritisiert neue Regeln

— 20.03.2014

Kostenreduktion erneut gescheitert

Seit Jahren will die F1 die Kosten eindämmen: Gelungen ist es ihr auch 2014 nicht - ganz im Gegenteil. Sauber-Teamchefin Monisha Kaltenborn schlägt Alarm.

Droht der F1 bald der Totalschaden? Schlechter Sound, steigende Kosten und komplizierte Regeln: Die Saison 2014 ist gerade mal ein Rennen alt und hat nach der Disqualifikation von Daniel Ricciardo in Melbourne schon ihren ersten handfesten Skandal. Der zunächst Zweitplatzierte wurde aus der Wertung genommen, weil sein RB10 laut FIA einen erhöhten Spritdurchfluss aufwies. Bei der komplizierten Causa und dem verworrenen Regelwerk schlagen selbst Experten die Hände über dem Kopf zusammen. Die gängige Meinung im Fahrerlager: Ein Reglement im Sinne der Fans sieht anders aus!

Die NASA lässt grüßen

Monisha Kaltenborn fordert ein Umdenken - andernfalls sagt sie der F1 eine düstere Zukunft voraus.

Für manch einen war das Chaos beim Auftakt damit vorprogrammiert - so etwa für Sauber-Teamchefin Monisha Kaltenborn: Die mächtigste Frau im F1-Zirkus meldete sich schon vor dem GP zu Wort und forderte ein Umdenken. Um die genauen Hintergründe des Sports nach Einführung der neuen V6-Turboaggregate mit zusätzlichen Elektromotoren und allerhand Technik-Krimskrams noch zu verstehen, müsse man eher NASA-Ingenieur sein als Rennsportenthusiast. „Man hat ja kaum noch die Chance mit normalem Wortschatz mitzukommen. Alles ist entweder abgekürzt oder man kann es nicht zuordnen“, ärgert sich Kaltenborn beim Blick auf ERS, MGU-H, MGU-K und andere neue Begrifflichkeiten. Zudem fügt die Sauber-Verantwortliche an: „Ich stelle mal ernsthaft in Frage, wie viele von den Regeländerungen den Fan eigentlich interessieren.“ Bei allein sechs Komponenten des Antriebsstrangs fehle nun einmal irgendwann der Überblick, vor allem für Otto Normalverbraucher.

Transparenz nicht gewährleistet

Dass dann auch noch Unterschiede im Regelwerk bestehen, beim Austausch welchen Teils ein Fahrer mit einer Rückversetzung bestraft wird und bei welchem nicht, hält Kaltenborn im Sinne der Zuschauer-Transparenz und beim Blick auf das Zusammenspiel zwischen technischem und das sportlichem Reglement für Irrsinn. „Vielleicht hätte es auch ausgereicht, wenn man einfach nur den Verbrauch reduziert hätte“, erklärt die Sauber-Chefin etwas süffisant in Bezug auf die neuen Motoren. Doch viel schlimmer noch als auf der Strecke, habe sich die Umstellung auf den Bankkonten der Teams ausgewirkt. Als Privatteam ist Sauber natürlich stets darum bemüht, die Kostenbremse zu drücken und einen Anstieg der Ausgaben zu vermeiden. Besonders vor diesem Hintergrund prangert Kaltenborn die zur Saison 2014 eingeführten und umgesetzten Maßnahmen an.

Keine Einheit unter den Teams

Für die kleinen Teams wie Sauber wird es immer schwieriger im Konzert der Großen den Kopf über Wasser zu halten.

„Sind wir doch einmal ehrlich: Die Kostenexplosion ist enorm“, warnte die Sauber-Chefin im Beisein von AUTO BILD MOTORSPORT. Doch warum hat die Formel 1, die seit Jahren öffentlich propagiert, das Budget der einzelnen Rennställe weiter beschränken zu wollen, es nicht geschafft, diesem Ziel auch nachzukommen? „Es gibt Teams, die das einfach nicht akzeptiert haben“, sieht Kaltenborn die Schuld ganz klar bei den Großen der Branche. Sauber kämpfe wie alle Privatteams allein auf weiter Flur. „Am Ende bestimmt eben immer die Mehrheit.“ Und die Vernunft? Kaltenborn schüttelt den Kopf: „Wir lernen nicht dazu.“

Bald nur noch drei Rennställe?

„Wenn wir eine Änderung vornehmen, sollten wir gleich schauen, wie sich diese auf die Kosten auswirkt.“ Wie die aktuellen Beispiele zeigen, habe das nicht funktioniert. „Priorität hätte für mich eine Kostenreduktion gehabt“, sagt die 42-Jährige. Da wieder einmal das Gegenteil der Fall gewesen sei, müsse das System F1 umdenken, will es nicht einzig und allein mit ein paar wenigen Herstellerteams die Zukunft bestreiten. „Es ist doch gut, dass wir alle da sind und es nicht in einer Serie mit nur drei oder vier Rennställen endet“, weist Kaltenborn zum Abschluss mahnend auf die Daseinsberechtigung und Wichtigkeit der kleineren Rennställe für die Königsklasse hin.

Autor: Frederik Hackbarth

Fotos: Getty Images

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