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Formel 1: Keine Strafen für Startcrash

— 18.09.2017

Wer war Schuld am Vettel-Drama?

Drama im WM-Kampf: Startkollision zwischen Sebastian Vettel, Max Verstappen und Kimi Räikkönen in Singapur. Das sagen die Beteiligten zum Crash:

Immerhin: Weitere Konsequenzen bleiben Sebastian Vettel erspart. Um 23:36 Uhr Ortszeit verkünden die Stewards Silvia Bellot, Gerd Ennser, Nish Shetty und Emanuele Pirro in Singapur: "Kein Fahrer trägt gänzlich oder überwiegend die Schuld für den Vorfall. Deswegen gibt es keine weiteren Strafen." Der Heppenheimer war auch schon genug bestraft. Nachdem er am Start in Führung liegend aggressiv die Innenbahn zugemacht hat, krachte es. Die Kettenreaktion: Erst kollidiert Red-Bull-Pilot Max Verstappen im Ferrari-Sandwich mit Kimi Räikkönen. Dann biegt der Finne in Vettels roten Renner ab. Alle drei müssen aufgeben. Vettel verliert den möglichen Sieg und die WM-Führung, liegt jetzt 28 Punkte hinter Singapur-Sieger Lewis Hamilton

Verstappen sieht sich klar als Opfer der Startkollision

Doch damit nicht genug. Denn vom Unfallgegner und einigen Experten kommt verbaler Gegenwind. "Ich bin froh, dass wir alle drei draußen sind, damit sie wenigstens auch Schaden haben", ätzt Max Verstappen. "Ich hätte heute vielleicht gewinnen können."

Verstappen, der den besseren Start als Pole-Mann Vettel erwischt: "Seb hat mich eingeklemmt. Wenn du um die WM kämpfst, solltest du so ein Risiko nicht eingehen. Man sieht ja jetzt was rauskommt: Lewis führt das Rennen an und wir sind alle raus." Die Schuld gibt der Holländer Vettel: "Ich denke nicht, dass es ein Rennunfall war. Ich habe jedenfalls nichts falsch gemacht."

Red-Bull-Teamchef Christian Horner nach dem Rennen stinksauer: "Wenn irgendwer Max die Schuld gibt, muss er zum Sehtest. Seb kommt aggressiv von rechts, Kimi genauso aggressiv von links. Er kann sich ja nicht in Luft auflösen! Max hat nur seine Linie gehalten." Der Auslöser für Horners Wut: Ein Tweet, in dem Ferrari Verstappen als Schuldigen ausmacht. Dieser wurde zwar von einem offiziellen Ferrari-Account abgesetzt, war aber vom Team nicht autorisiert, wie sich später rausstellt.

Vettel, Verstappen und Räikkönen geraten aneinander

Vettel findet trotz des Ärgers gemäßigtere Worte: "Es gibt nicht viel zu sagen. Mein Start war Durchschnitt. Ich habe Max gesehen und bin bisschen nach innen gezogen, um die Linie zuzumachen. Dann hat es auch schon geknallt." Das Problem: "Ich war überrascht, dass Kimi von der Seite kam. Also muss er irgendwo daneben gewesen sein. Aber ich habe nur einen gesehen und das war Max."

Die Schuldfrage spielt für den Ferrari-Star nach dem Rennen keine Rolle: "Egal wie es ist: Wir sind draußen, es ist Kacke gelaufen." Auch Teamkollege Räikkönen findet: "Unglücklich, aber das Resultat lässt sich leider nicht mehr ändern. Ich hab nicht viel anders machen können, werde getroffen und das Rennen ist durch."

Nur noch Schrott: Der Ferrari von Kimi Räikkönen

Erstmals in der Formel-1-Geschichte verliert Ferrari beide Autos schon in der ersten Runde eines Grand Prix! Was sagen die Experten zum historischen Startcrash und der Schuldfrage?

DTM-Pilot Timo Glock stellt sich hinter Vettel, sagt zu AUTO BILD MOTORSPORT: "Seb hat seine Linie verteidigt. Das darf er. Er sieht nicht, was hinter ihm passiert. Verstappen war im Sandwich. Dass Räikkönen da durchsticht, da konnte keiner mit rechnen."

Ex-Pilot und Sky-Experte Martin Brundle stimmt den Rennstewards zu: "In erster Linie ist es ein Rennunfall beim Start. Wenn man doch jemandem Schuld geben müsste, dann Vettel. Er wollte Verstappen covern, ist rübergezogen - hatte aber keine Ahnung, dass Kimi so einen guten Start hatte. Am Ende ist innen der Platz ausgegangen. Max konnte nirgendwo hin."

Vettel ist noch in Führung, hinter ihm kracht es

Jacques Villeneuve, Weltmeister von 1997, sagt zu ABMS: "Wenn jemand Schuld hat, dann Vettel. Aber nicht, weil er gegen irgendwelche Regeln verstoßen hätte - sondern weil er zu viel riskiert hat, obwohl es um die WM geht. Damit hat er das Chaos ausgelöst." Villeneuve glaubt aber auch: "Ferrari war das ganze Wochenende hier stark. Sie haben das Rennen nur verloren, weil es Kuddelmuddel am Start gab. Auch wenn sich 28 Punkte Rückstand nach viel anhört - der WM-Kampf ist noch lange nicht entschieden!"

Auch Vettel selbst gibt sich trotz der Niederlage kämpferisch: "Natürlich ist es doof und hilft uns nicht. Vor allem ist es bitter, weil die Voraussetzungen hier sehr gut waren. Aber was sollen wir jetzt machen? Es geht weiter. Das ist kein Weltuntergang."

Autoren: Frederik Hackbarth, Bianca Garloff, Ralf Bach

Fotos: Picture-Alliance

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