Die besten Bilder aus Abu Dhabi

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Formel 1: Kolumne aus Abu Dhabi

— 25.11.2016

Auf einem anderen Planeten

Viel wird vor dem Finale in Abu Dhabi von einem Psychokrieg zwischen Rosberg und Hamilton geschrieben. Ralf Bach sieht das in seiner ABMS-Kolumne anders.

Ich dachte eigentlich, dass ich in Abu Dhabi bin. Die Wüste lebt wie jedes Jahr auf Yas Island, wenn die Formel-1-Karawane dort Station macht. Die Gastgeber geben sich wie jedes Jahr unendliche Mühe, nett zu sein und das beste Bild ihres Legolands für Superreiche abzugeben. Nachts leuchtet wie gehabt das Flutlicht über der Rennstrecke und kämpft gegen das hell glitzernde und gigantische Viceroy-Hotel an, das alle 20 Sekunden die Farbe wechselt. Also, eigentlich müsste ich in Abu Dhabi sein. Eigentlich. Aber vielleicht gibt es einen Planeten in einem Parallel-Sonnensystem, auf dem ich gelandet bin. Wo alles aussieht wie in Abu Dhabi, wo alle so aussehen wie Nico Rosberg, Lewis Hamilton und Co., wo es alles gibt nur eins nicht: Einen Psychokrieg zwischen Hamilton und Rosberg - so wie Kollegen von mir in großen Buchstaben von ihrem Planeten berichtet haben.

Der Presseraum war in Abu Dhabi brechend voll

Was ich in meiner fremden Galaxie erlebt habe, war völlig anders. Die Atmosphäre zwischen den beiden Titelanwärtern war sowas wie eine friedliche Nüchternheit. Sie taten, was sie schon seit Wochen machten. Sie behandelten sich mit Respekt, aber bei beiden merkte man eben an: Dass die extreme Konkurrenzsituation, in der sie sich seit 2014 befinden, zu viel Freundlichkeit einfach nicht zulässt. Du kannst in den Seelen der beiden lesen: "Wenn ich zu freundlich zu dem anderen bin, wird mir das als Schwäche ausgelegt."

Der angeblich verweigerte Handschlag, von dem geredet wurde, hatte auch nicht den Hintergrund von Feindschaft und Psychospielchen. Es war ganz einfach so, dass in dem Moment, als FIA-Pressesprecher Matteo Bonciani die beiden zum Shakehand aufforderte, Kamerasalven laut wie ein Maschinengewehr auf die Bühne prasselten und dass Rosberg und Hamilton vermutlich die Bitte des Italieners gar nicht gehört haben. Und wenn, war klar: Die beiden 31-Jährigen hatten auch gar keine große Lust dazu, sich wie dressierte Affen die Hände zu geben. Warum auch? Man kann sich nur die Hände schütteln - als Zeichen des Friedens - wenn es vorher Krieg gab. Der aber existierte bei den beiden schon seit Monaten nicht mehr.

Nico Rosberg reicht ein dritter Platz zum WM-Titel

Dazu kommt: Man kann nur Kriege führen, wenn beide das wollen. Sollte Hamilton, das Kind der Straße, wirklich aufs Schlachtfeld ziehen wollen - er würde schnell merken, dass er dann alleine dort steht und keinen Gegner hat, den er bekämpfen kann. Denn Rosberg, im Wunderland Monaco behütet und geschützt von der wirklichen Welt mit all deren negativen Einflüssen aufgewachsen, ist nicht der Typ, der Aug in Aug in den Krieg zieht. Er kämpft mit anderen Waffen: Er zieht einfach nur sein Ding durch, mit dem er seit Monaten Erfolg hat: Nicht nach links und rechts schauen und schon gar nicht nach dem anderen.

Der angebliche Psychokrieg, das beinharte Duell, das auf dem anderen Planeten fast wie ein Kampf  auf Leben und Tod aufgebauscht wird, den gibt es nicht auf meinem. Das Rennen um den Titel, das bei mir am Sonntag ausgetragen wird, könnte das langweiligste des Jahres werden. Dafür spricht vieles, eigentlich alles. Rosberg hat zwölf Punkte Vorsprung, ihm reicht ein dritter Platz um Champion zu werden. Mit seinem Mercdedes aber wird man immer Dritter, wenn man a) keinen technischen Defekt hat (dazu gehören auch Reifenplatzer) und die erste Kurve ohne großen Schäden übersteht. In Malaysia fuhr er sogar noch aufs Podium, als er durch die Kollision mit Sebastian Vettel nach dem Start Letzter war.

Hamilton hat es nicht mehr selbst in der Hand...

Warum sollte Rosberg also viel riskieren: Er wird versuchen auf Pole zu fahren, aber auf jeden Fall in die erste Reihe. Er wird schauen, dass er unbeschadet die Startphase übersteht und dann alles machen, um den Titel nicht zu gefährden. Das heißt, Hamilton vorne wegfahren zu lassen und schnell genug sein, um die Red Bulls oder Ferraris hinter sich zu lassen. Die Überlegenheit seines Silberpfeils lässt diese Fahrweise, die ich als kontrollierte Offensive bezeichnen würde, locker zu. So wird er es machen und es wird auch funktionieren, wenn alles nach Plan läuft. Eine Kollision mit Hamilton wäre reiner, dämlicher Zufall, denn sie bringt besonders Hamilton nichts. Der Brite kann nichts machen, außer hoffen auf das Unwahrscheinliche.

Denn eins nehme ich Nico Rosberg nicht ganz ab: Dass er am Sonntag wirklich bedingungslos auf Sieg fahren wird, wie er es uns allen weismachen will. Nein, das wird er nicht. Denn Rosberg ist weder ein Hasardeur noch ist er blöd. Er weiß genau, was zu tun ist. Als ich ihm am Donnerstag nach Minuten von sich ständig wiederholenden Fragen und sich ständig wiederholenden Antworten, die für mich alles entscheidende Sinnfrage stellte, war seine Reaktion entlarvend: "Nico, ist Dir am Sonntag der Titel oder der Rennsieg wichtiger?" fragte ich provozierend. Die Antwort Rosbergs ging in einem sich ertappt fühlenden Kichern unter...

Autor: Ralf Bach

Fotos: Picture-Alliance

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