Die besten Bilder aus Baku

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Formel 1: Kolumne aus Baku

— 16.06.2016

Im Land des Feuers

In seiner neuen Kolumne nimmt unser Formel-1-Reporter Ralf Bach Sie mit ins Fahrerlager: Das erlebte er im Vorfeld des Europa GP in Aserbaidschan.

Der erste Eindruck von Aserbaidschans Hauptstadt Baku war die Fahrt am Mittwochabend vom Flughafen zum Hotel. Ein netter Mann von circa 40 Jahren fragte mich schon beim Ausgang, ob ich ein Taxi bräuchte. Sofort nahm er meinen Koffer, rannte fast vorneweg. Er schaute sich öfters um und wirkte wie jemand, der nicht erwischt werden wollte. Er hatte keine Taxilizenz, sondern wollte sich privat ein paar Euro verdienen. Er sprach gebrochenes Englisch, aber gut genug, um  mir meine Fragen zu beantworten. "Ja," sagte er, "wir haben eine Diktatur."
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Aber, fügte er hinzu, Aserbaidschan wäre mit seinen vielen Völkergruppen noch nicht soweit, eine Demokratie zu haben. "Noch brauchen wir eine harte Hand, die mit festem Griff für Ordnung sorgt. Sonst würden wir uns die Köpfe einschlagen." Man dürfe das Land mit türkischen Wurzeln und russischer Vergangenheit nicht nur mit westlichen Augen betrachten. Die Fahrt dauerte circa 20 Minuten. Weil es um 21 Uhr immer noch dreißig Grad hatte, öffnete ich das rechte Fenster am rechten Rücksitz.

Die neuen Hochhäuser, die vorbeiflogen, gaben sich sehr westlich. Grelle Leuchtreklamen auf englisch blendeten die Nacht. Es gab keinen Stau, alles wirkte so sauber, als würde jemand alle drei Minuten auch die kleinsten Papierkrümel aufsammeln, um das schönste Gesicht einer Stadt zu zeigen.

Das Motto: 'The speed is higher in the land of fire'

Wo in Baku das Geld herkommt, konnte man riechen. In der Luft lag ein beißender Geruch. Er kam von den unzähligen Ölquellen und Raffinerien, die rechts und links der Stadtautobahn  liegen. Sie geben dem Land den Beinamen Land des Feuers. Die letzten fünf Minuten musste ich laufen, weil das Hotel inmitten der Rennstrecke liegt und deshalb für die Zeit des Rennens nicht mit dem Auto zu erreichen ist.

Neuer F1-Kurs in Baku

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Alle fünfzig Meter bewachte ein Polizist oder Soldat die Eingänge des circa sechs Kilometer langen Stadtkurses. Allein: Gäbe es einen Stadtkurs in Berlin, München oder Frankfurt – das wäre in den heutigen Zeiten nicht anders. Was anders ist: Bei den zwei staatlichen Sendern Aserbaidschans ist oben rechts ständig das Konterfei vom Präsidenten İlham Heydər zu sehen. ZDF und ARD mit dem Photo von Angela Merkel als ständiger Begleiter vom Sportstudio oder Tatort ist nicht vorstellbar.
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Ab morgen dröhnen in Baku erstmals die Motoren

F1-Überzeugungsdiktator Bernie Ecclestone überraschte bei einem Spontanbesuch im Pressezentrum am Donnerstagmittag. Zuerst spielte er wieder auf Ignoranten, der fast schon zynisch in die Runde fragte: "Menschenrechte? Was ist das?" Erst als er die Geschichte der regierungskritischen aserbaidschanischen Journalistin Khadija Ismayilova hörte, die im Dezember 2014 verhaftet und im September 2015 zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt wurde,  wurde er hellhörig. Er versprach einem schwedischen Journalisten, der ihn darauf ansprach, mit ihm zusammen Ismayilova  am Wochenende zu Hause zu besuchen.

Hintergrund: Ismayilova wurde am 25. Mai wieder freigelassen, wahrscheinlich weil der Druck von Organisationen wie "Amnesty International" im Vorfeld des Welt-Schaufensters Formel 1 zu groß wurde. Bleibt die spannende Frage? Ist es Altersweisheit oder Verwirrtheit, dass den kleinen Diktator zu diesem Versprechen trieb? Und wird er es auch einhalten?

Autor: Ralf Bach

Fotos: Picture-Alliance

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