Die besten Bilder aus Budapest

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Formel 1: Kolumne aus Budapest

— 21.07.2016

Der unterbezahlte Herr Vettel

In seiner neuen Kolumne nimmt unser Formel-1-Reporter Ralf Bach Sie mit ins Fahrerlager: Das erlebte er im Vorfeld des Ungarn GP in Budapest.

Eins steht jetzt zweifelsfrei fest: Ferrari-Pilot Sebastian Vettel (29) ist mit seinen geschätzten 30 Millionen Euro, die er pro Jahr aus Maranello bekommt, hoffnungslos unterbezahlt. Oder wie soll man es sonst nennen, wenn ein Mann vier Jobs ausübt, aber nur für einen Geld bekommt?
Vettel kritisiert Kritiker: Journalisten Schuld an Ferrari-Krise

Zuletzt in Silverstone fuhr Vettel nur auf Rang neun

Job Nummer 1: Rennfahrer.
Er fährt jetzt im zweiten Jahr für Ferrari und befindet sich offiziell auf der Mission, den Kultitalienern wieder zu Titeln zu verhelfen. Nach drei Siegen im Vorjahr lahmt das heilige Pferd aus Italien aber in diesem Jahr gewaltig und trotz aller Sporen, die der Vierfach-Weltmeister ihm gibt, blieb das Gespann 2016 noch ohne Sieg. Vettel riskiert dabei eine Menge: Er fährt bei der Jagd auf die überlegenen Silberpfeile mal ins Kiesbett wie in Melbourne oder er prallt in die Mauer, weil die italienischen Pirelli-Reifen plötzlich platzen wie in Spielberg. Fazit: Vettel gibt alles. Mehr als Hundertprozent sogar,  deshalb hat er sein Geld als Fahrer voll verdient. Und wenn die Hälfte des Gehaltes eine Art Schmerzensgeld ist.

Job Nummer 2: Teamchef. Er motiviert seine Mitarbeiter, stellt sich schützend vor sie, wie es sonst nur die Teambosse tun. "Wir haben den größten Schritt von allen getan", verkündet er stolz in Ungarn. Dass Ferrari davor kurz vor dem Abgrund stand, sagt er allerdings nicht. Er verpflichtet zudem noch den zweiten Fahrer. Die Vertragsverlängerung mit Kimi Räikkönen war sein Wunsch, weil er den Finnen schätzt und auch keine innenpolitischen Schmutzaktionen von ihm befürchten muss. Insider wie sein Ex-Boss Helmut Marko sind deshalb überzeugt: "Ist doch klar, dass Sebastian dahintersteckt." Vettel sei sowas wie der geheime Teamchef. Der Genannte drückt sich bei der Räikkönen-Frage etwas diplomatischer aus: "Man wird halt um Rat gefragt, aber es ist doch nicht meine Entscheidung."

2015 feierten Allison und Vettel in Ungarn noch

Job Nummer 3: Technikchef.
Das wurde jetzt in Ungarn bei seiner Pressekonferenz völlig klar. Vettel gibt zu, zu wissen, mit wem in welcher Abteilung er reden muss, um Schwachstellen im Technikpaket zu finden und auszumerzen. Und er gibt zu, dass ab und zu schon mal bei einem Abendessen Namen von Technikern von anderer Teams aus seinen Lippen fließen, die für Ferrari interessant sein könnten. Vettel dazu: "Ich habe ja jetzt schon ein wenig Erfahrung." Alles zusammen sind das aber Aufgaben eines Technikchefs. Der nämlich muss die richtigen Rädchen zusammenfügen, damit das große Ganze wie geschmiert läuft.

Job Nummer 4: Pressesprecher. In Ungarn beschimpfte er ganz im Stil eines Pressesprechers die Medienvertreter: "Ihr baut doch den Druck auf, den wir bei Ferrari gar nicht haben." Und über Spekulationen, dass Technikchef James Allison die Scuderia verlassen will, macht sich der Heppenheimer wie ein ironisierender Regierungssprecher lustig: "Darüber lachen wir hinter den Kulissen. Wir wissen es besser!"

Fakt ist: Armer reicher Vettel. Vier Jobs übt er aus, aber nur für einen wird er bezahlt. Das muss wahre Liebe sein...

Autor: Ralf Bach

Fotos: Picture-Alliance

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