Die besten Bilder aus Bahrain

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Formel 1: Kolumne aus dem Fahrerlager

— 31.03.2016

Das „Arschloch“, das die Formel 1 braucht

In seiner neuen Kolumne nimmt unser Formel-1-Reporter Ralf Bach Sie mit ins Fahrerlager: Das erlebte er am Donnerstag beim Bahrain GP in Sakhir.

Verkehrte Welt in Bahrain. Statt Sonnenbrand zu bekommen, fror man sich heute mitten in der Wüste den Hintern ab und musste auch noch einen Schirm organisieren - aber nicht um sich vor fliegenden Teppichen oder Sandkörnern zu schützen, sondern vor ganz banalem Regen.

Außer dem kühlen Wetter ging es ansonsten aber schon am Donnerstag recht heiß zu an der Rennstrecke des Königreichs. Es ist in einem Fahrerlager wie in einer normalen Kantine eines Finanzamtes oder wo auch immer. Es gibt Langweiler, neutorische Ja-Sager, die Hinter-vorgehaltener-Hand-Kritiker oder echte Typen, die sich wie John Wayne männermäßig einen Dreck drum scheren, ob sie geliebt oder gehasst werden und einfach ihre Meinung sagen.

In puncto Frisur steht der Villeneuve anno 1998 dem...

Dazu gehört Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve. Der Kanadier hat die Gabe, kurz und bündig Sachen auf den Punkt zu bringen. Diesmal unterhielten wir uns über die Formel-1-Politik und Lewis Hamilton, der mehr polarisiert als all seine Kollegen zusammen. Zuerst das harmloserere: Jacques' Vorschlag das unsägliche Qualifyingprozedere zu verbessern: "Ein Einzelfahren muss her. Aber nicht wie vor zehn Jahren mit halbvollen Tanks, sondern mit leeren."

Dann kam mein gefühlter Höhepunkt, Villeneuves Einschätzung von Lewis Hamilton. "Lewis ist ein richtiges Arschloch. Aber die Formel 1 braucht solche Typen. Ich war genauso ein Arschloch wie Lewis, als ich aktiv war." Ich weiß, was er meint. Es war Villeneuves um die Ecke denkende Art, Hamilton ein Kompliment auszusprechen.

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Wenig später saß ich mit dem 'Arschloch', das die Formel 1 so dringend braucht, zusammen. Lewis hatte deutsche Journalisten zu einer Fragerunde eingeladen. Er war nett, begrüßte die Ladies, die Gentlemen und mich mit Handschlag und setzte sich dann in die Runde. Es wurde kaum über Sport geredet, sondern über sein Image. Ich fragte ihn, ob dieses rebellische Rock 'n' Roll-Gen schon immer in ihm war oder ob er es erst vor kurzem entdeckt hatte. Er überlegte nicht lange und erzählte eine Geschichte, um den jungen Hamilton mit dem von heute zu vergleichen.

... Hamilton anno 2006, hier neben Dennis, in nix nach

"Am Anfang meiner Formel-1-Karriere schickte mich mein damaliger Teamchef Ron Dennis in Monaco mal zum Frisör. Ich ging damals, obwohl es mir echt auf den Senkel ging. Würde das heute jemand von mir verlangen, was aber bei Mercedes keiner tut, würde ich es eben nicht mehr machen. Es war ein Prozess, der mich zu dem Menschen machte, der ich heute bin: Einfach ich selbst, jemand, der zu sich selbst steht und der auf eine Weise anders ist, wie es jeder Mensch sein sollte. Weil jeder anders ist, ein Individuum eben."

Er hat zwar viel gesagt in dieser Runde, aber das war für mich das, was am Wichtigsten war und Lewis Hamiltons Entwicklung vom regimetreuen Supertalent zum weit über die Fahrerlagertore hinaus anerkannten und polarisierenden Superstar am besten zeigte.

Autor: Ralf Bach

Fotos: Picture-Alliance

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