Formel-1-Kolumne

Formel 1: Kolumne aus dem Fahrerlager

— 14.04.2016

Danke, Sebastian Vettel!

In seiner neuen Kolumne nimmt unser Formel-1-Reporter Ralf Bach Sie mit ins Fahrerlager: Das erlebte er im Vorfeld des China GP in Shanghai.

Eigenlob stinkt! Normalerweise. Manchmal muss es aber sein. Besonders in hart umkämpften Zeiten, in denen nicht nur Rosberg, Hamilton, Vettel und Co. um jeden Zentimeter auf der Strecke fighten, als gäbe es keinen Morgen mehr! Sondern auch wir Berichterstatter.

Seit vielen Jahren berichte ich nicht nur für SPORT BILD, sondern seit 2010 - gemeinsam mit Redaktionsleiterin Bianca Garloff - auch für AUTO BILD MOTORSPORT. Unsere Philosophie ist eigentlich ganz simpel: Wir wollen dahin schauen, wo keine Fernsehkameras stehen. Wir wollen nach vorne gehen und Geschichten liefern, die nicht nur jeden Mittwoch beziehungsweise Freitag noch aktuell sind, sondern auch den besonderen Dreh liefern. Credo bei allem aber ist: Es muss stimmen!

Den Bahrain-Ausfall hat der Ferrari-Star schon verdaut

Nach dem Bahrain GP schrieben wir bei, dass Sebastian Vettel trotz des Motorschadens in der Einführungsrunde nicht so enttäuscht war, wie es viele gesehen haben. Denn Vettel-Insider Gerhard Berger sagte uns: „Sebastian hat einen Drei-Jahres-Plan für den Titel!“ Das heißt, nicht 2016 sondern 2017 wird das Jahr, in dem er sein Team und sich selbst unter Druck setzt und den Titel fordert!

Heute, am Donnerstag in China bestätigte der Heppenheimer das auf seine Weise. Locker und gar nicht gestresst trat er vor die Presse und beruhigte besonders die italienischen Gemüter. Auf die Frage: „Muss der Titel schon abgeschrieben werden?“ konterte er ganz cool und gab inhaltlich unsere Story wieder: „Nein. Abgeschrieben ist bei uns nur die Saison 2015. Für die Saison 2016 haben wir noch genügend Zeit, von 2017 ganz zu schweigen. Die Saison ist noch sehr lang. Der Gegner ist derzeit stärker. Wir haben nun einen Rückschlag erlitten, aber es gibt ja auch so etwas wie einen zweiten Wind. Es gibt keine Gründe zur Panik oder Besorgnis. Eine hundertprozentige Standfestigkeitsgarantie gibt es nie.“

Vettel am Donnerstag im Fahrerlager von Shanghai

Soll heißen: 2017 ist das Jahr, das wirklich zählt. Auch unsere These, dass Ferrari mehr riskieren muss, um Mercedes einzuholen, bestätigte er. Vettel in Shanghai: „Um zur Spitze aufzuschließen, müssen wir größere Schritte machen. Dabei passieren halt auch Fehler, das ist kein Drama. Wichtiger ist, wie man darauf reagiert. Und dass der gleiche Fehler nicht noch einmal passiert, das wäre ein wenig doof.“

Laut Vettel hat Ferrari das Motorproblem, das angeblich auf einer fehlerhaften Motorsoftware beruhte, gelöst. Das Spezielle dabei: Der Vierfachweltmeister übt zwar Druck auf sein Team aus, aber an ihm selbst prallt er ab. Der Fußball-Fan ist mehr denn je der souveräne Mannschaftsspieler, der sich jetzt selbst zum Kapitän gemacht hat. Sowohl im Team als auch als Vorsitzender der Fahrergewerkschaft.

Bei den chinesischen Fans ist der Deutsche beliebt

Auch in Sachen Qualifying redete er in Shanghai deshalb Klartext. „Man muss zu seinen Fehlern stehen. Ich finde gerade bei der ganzen Qualifying-Diskussion ist nichts Schlimmes daran zu sagen: Gut, das war jetzt ein Fehler, wir gehen zurück zum alten System. Die ganze Affäre erzeugte viel Verwirrung um nichts. Ich finde es gut, dass wir wieder nach dem alten Quali-Modus fahren, der neue hat doch keinem so richtig gefallen. Aber generell wird mir viel zu wenig offen und ehrlich darüber gesprochen, was gut ist und was weniger. Dadurch werden Fehler einfach nicht angesprochen.“

Der Heppenheimer hält mit seiner Meinung nicht hinterm Berg. Der beste Beweis: Seine Kritik an der aktuellen Richtung der Formel 1 hat er heute erneuert. „Ich sähe es gerne, dass die Rennställe in Sachen Konkurrenzfähigkeit ausgeglichener wären. Ich möchte nicht, dass alle Autos gleich sind, denn das wäre nicht mehr Formel 1. Aber mehr siegfähige Renner, das wäre doch für alle Klasse. Ich möchte auch Autos fahren, mit welchen ich einem Gegner gut folgen kann. Die heutige Aerodynamik ist einfach zu hochgestochen. Die ideale Formel 1 sollte für die Fahrer und die Fans zugleich atemraubend sein. Das gilt auch für die Geräuschkulisse.“

Das sehe ich genauso. Also, Sebastian, mach einfach weiter so!

Autor: Ralf Bach

Fotos: Picture-Alliance

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