Die besten Bilder aus Sotschi

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Formel 1: Kolumne aus dem Fahrerlager

— 30.04.2016

Vettels kleiner Bruder aus Russland

In seiner neuen Kolumne nimmt unser Formel-1-Reporter Ralf Bach Sie mit ins Fahrerlager: Das erlebte er im Vorfeld des Russland GP in Sotschi.

Es ist, als wäre man gerade einer Zeitmaschine entsprungen, wenn man Daniil Kvyat das erste Mal begegnet. Schlaksig kommt er daher, mit leichtem Überbiss, weil er die Zahnspange erst seit kurzem abgelegt hat, und schüchternem Lächeln. So ähnlich sah Sebastian Vettel auch aus, als er in Kvyats Alter war.

Nur: Der neue Vettel kommt nicht aus Heppenheim, sondern aus Ufa im tiefsten Ural. Wenn man so will, hatte Vettel vor zwei Wochen in China im Fahrerraum vor der Siegerehrung einen Disput mit seinem jüngeren Spiegelbild.

Auf der Strecke kamen sie sich zuletzt etwas zu nahe

Direkt nach dem Rennen hatte der Heppenheimer ihn angeschnauzt, weil der Russe angeblich Auslöser für die Kollision Vettels mit seinem Teamkollegen Kimi Räikkönen in der ersten Kurve war. Kvyat hielt tapfer dagegen. Als der junge Russe später Vettel nochmal in der Ferrari-Hospitality aufsuchte, um über die Kontroverse zu reden, blieb der Deutsche zwar bei seiner Meinung, entschuldigte sich bei ihm aber für die harschen Worte davor. In Sotschi, bei Kvyats Heimrennen, ist die Sache längst vom Tisch. "Wir verstehen uns weiterhin sehr gut", lächeln beide über den Chinakracher hinweg.

Für Red-Bull-Chefberater Helmut Marko ist die Begegnung kein Zufall. Der Grazer, der Sebastian Vettel entdeckt und gefördert hat, und bei Red Bull unter anderem für das Nachwuchsprogramm verantwortlich ist, sieht Parallelen: "Kvyats Speed ist außergewöhnlich. Für mich ist Daniil eine Mischung aus Kimi Räikkönen und Sebastian Vettel."

Verblüffende Ähnlichkeit: Vettel und sein Doppelgänger

Soll heißen: Kvyat ist naturbegabt, selbstbewusst und cool wie der Finne. Und mit extremen Talent, Arbeitseifer und analytischen Fähigkeiten behaftet wie der Deutsche. Das sieht auch sein Red-Bull-Teamkollege so: "Der junge Russe", wie ihn Ricciardo mit einer Menge fürsorglicher Sympathie in der Stimme nennt, "ist eine richtig harte Nuss." Letzter Beweis: Nach zwei Problemrennen in Melbourne und Bahrain schlug Kvyat in China wieder zurück und wurde Dritter.

Für Toro-Rosso-Teamchef Franz Tost, für den Kvyat 2014 fuhr, ist das aber keine Überraschung. "Er ist sauschnell und hat eine geradezu akrobatische Fahrzeugbeherrschung", beschreibt Toro-Rosso-Teamchef Franz Tost den mageren und ewig im Gesicht blassen jungen Mann aus dem Ural, "dabei ist er noch sehr jung." Die Fahrzeugbeherrschung zeigte Kvyat in Monza 2014 vor einem Millionenpublikum. Am Toro Rosso brach kurz vor der ersten Schikane eine Bremsscheibe. Mit sagenhaften Reflexen und Instinkt fing Kvyat bei weit über 300 km/h den schlingernden Toro Rosso ab und parkte ihn in der Auslaufzone, ohne irgendwo anzuschlagen.

Eigene Tribüne: In Russland ist Kvyat schon ein Star

Aber nicht nur sein begnadetes Fahrtalent macht ihn zu einem Champion der Zukunft. "Dazu kommt", legt Tost nach, "er ist genau wie Vettel extrem fokussiert mit großem Durchsetzungsvermögen. Er kommt aus Russland, nicht gerade einer Motorsport-Hochburg. Als Kind zog er schon nach Italien. Das macht das, was er bisher schon geleistet hat, noch wertvoller."

Allein, trotz des großen Lobs: Es ist nicht sicher, wo der Russe 2017 fährt. Denn er ist ein Teil des Red-Bull-Luxusproblems. Grund: Die beiden Toro-Rosso-Junioren Max Verstappen und Carlos Sainz drängen sich auf, zu Red Bull aufzusteigen. Dort haben Ricciardo und Kvyat aber einen gültigen Vertrag. "Ich sehe die Sache entspannt", sagt Kvyat. "Kommt Zeit, kommt Rat", verschiebt Helmut Marko sein Luxusproblem so weit wie möglich nach hinten.

Autor: Ralf Bach

Fotos: Picture-Alliance

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