Mercedes

Formel 1: Kolumne aus Malaysia

— 29.09.2016

In der Luft mit Vettel und Wehrlein

In seiner neuen Kolumne nimmt unser Formel-1-Reporter Ralf Bach Sie mit ins Fahrerlager: Das erlebte er im Vorfeld des Malaysia GP in Kuala Lumpur.

Motorsport soll gefhrlich sein? Fahrradfahren und Fliegen ist viel gefhrlicher. Fragen Sie mal Sauber-Pilot Marcus Ericsson oder den zu Manor ausgeliehenen Mercedes-Junior Pascal Wehrlein (21).

Quax, der Bruchpilot: Ericsson posiert mit Verband

Aber der Reihe nach. Der Schwede Ericsson tauchte mit einem Ellbogenverband und einem Pflaster auf dem Handrcken in Malaysia auf. Schuld war eine nicht geplante Begegnung mit einem thailndischen Huhn. Und so kam es: Ericsson, der die eine Woche zwischen den Rennen in Singapur und Malaysia zum Fitnesstraining in Thailand verbrachte, befand sich gerade mit seinem Mountainbike auf einer Abfahrt irgendwo im thailndischen Nirgendwo, als pltzlich aus dem Nichts ein Huhn die Strae berquerte.

Ericsson konnte nicht mehr ausweichen und kollidierte frontal mit dem Federvieh mit der Konsequenz, dass der Rennfahrer und sein Unfallgegner sich erst mal berschlugen. "Das Huhn schaute mich benommen an, und sein Blick sagte mir eindeutig, dass ich am Unfall Schuld war", erzhlte der Schwede, "dann schttelte es sich kurz und lief einfach davon. Ich musste meine Verletzungen behandeln lassen. Die Hhner in Thailand sind echt hart im Nehmen." Fest steht: Chicken Wings gab es nicht am Abend, zumindest nicht vom Unfallhuhn.

Was fr Ericcson Hhner sind, ist fr Wehrlein das Fliegen. Schon das zweite Mal hintereinander musste er eine sagen wir mal subjektiv gefhrliche Situation berstehen. Beim Flug nach Singapur vor zwei Wochen war ich selbst an Bord und wusste, von was der Junior redete. Dort geriet der A380 aus Frankfurt etwa eine Stunde vor der Landung pltzlich in ein Luftloch, das die Maschine abrupt sinken lie. Ich war gerade im Gang unterwegs und landete voll auf dem Hintern.

Wehrlein kam unbeschadet im Sepang-Fahrerlager an

Eine Stewardess hatte es schlimmer getroffen. Sie schob den Getrnkewagen ein Teil, das immerhin um die achtzig Kilo wiegt. Der wurde einen Meter in die Luft geschleudert und landete der armen Lufthostess auf dem Fu. Sie arbeitete unter groen Schmerzen weiter. Fr Wehrlein war das Luftloch der Weckruf. "Was war das denn?", fragte er verdutzt.

Zufllig traf ich ihn jetzt in Singapur auf dem Flughafen wieder, weil wir beide den gleichen Weiterflug nach Kuala Lumpur hatten. Da erzhlte er mir sein neuestes Flugabenteuer: "Diesmal war es noch schlimmer. Pltzlich geriet die Maschine ins Wanken, kippte seitlich nach links ab, dann nach rechts, dann wieder nach links. Vielen Passagieren war die Panik anzusehen. Spter meldete sich der Kapitn und erklrte, seine Maschine wre in den Jetstream einer davor fliegenden Maschine geraten."

Vettel und Wehrlein verstehen sich fast immer bestens

Ok, dachte ich, das hrte sich wirklich gefhrlich an. Zumindest aus Wehrleins Sicht. Da aber nicht nur der Mercedes-Junior den gleichen Weiterflug hatte, sondern auch Sebastian Vettel, der uns wenig spter in die Arme lief, fragte ich ihn besorgt nach dem Fast-Absturz. Vettel reagierte cool: "Naja, so schlimm war es nicht. Der Bub muss noch viel lernen."

Man merkte sofort, wie sympathisch die beiden sich sind. "Ihr lauft hier rum wie zwei Austauschstudenten, aber nicht wie Rennfahrer", merkte ich an und meinte die jugendlich legere Kleidung der beiden. "Ja", erwiderte der Heppenheimer lchelnd, "aber er ist dann im ersten Semester und ich im zehnten."

Erkannt wurde nur Vettel auf dem Weg zum Gate. Mehrmals wurde er um gemeinsame Fotos gebeten. "Ich bin ja auch noch kein Weltmeister", scherzte Wehrlein. "Ja", machte ihm Vettel Mut, "das war ich in Deinem Alter auch noch nicht. Aber das geht dann schneller als man denkt."

Beim einstndigen Flug saen wir mehr oder weniger nebeneinander und unterhielten uns die ganze Zeit. Doch, um in Vettels Worten zu bleiben: Das war privat und gehrt nicht hierher.

Autor: Ralf Bach

Fotos: Picture-Alliance

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