Die besten Bilder aus Kanada

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Formel 1: Kolumne aus Montreal

— 10.06.2016

Champions werden zu Campern

In seiner neuen Kolumne nimmt unser Formel-1-Reporter Ralf Bach Sie mit ins Fahrerlager: Das erlebte er im Vorfeld des Kanada GP in Montreal.

Formel-1-Kids wie Max Verstappen und Pascal Wehrlein müssen sich im Fahrerlager in Montreal vorkommen, als wären sie aus Versehen in eine Zeitmaschine geraten, die sie um Jahrzehnte in die Vergangenheit befördert hat. Keine luxuriösen Motorhomes mit spiegelverglasten Fenstern wie bei den Europa-Rennen. Stattdessen bauten die Teams Container auf, einschließlich Toiletten, die man sonst nur von Dauerbaustellen kennt.

Bisher hat der Kanada GP etwas von Campingurlaub

Sie stehen Wand an Wand und die Atmosphäre erinnert eher an einen Campingplatz als an ein modernes Fahrerlager der künstlich errichteten Strecken, die für Abermillionen von Euro an Orten wie Shanghai, Bahrain oder Abu Dhabi im letzten Jahrzehnt wie Wegwerfware hochgezogen wurden.

Diese werden für fünf Tage zum weltweiten Repräsentieren genutzt und dann wieder in den Tiefschlaf gelegt. Der "Campingplatz" in Montreal ist enger aber gemütlicher und wird zudem das ganze Jahr von der Bevölkerung als Ausflugsziel genutzt. Er strahlt selbst bei Nässe und bitterer Kälte mehr Charme aus als die restlichen Paddocks zusammen.

Daniel Ricciardo will in Montreal zurückschlagen

Aber, und das ist gut so: Die für die Fahrer ungewohnte schaurige Enge führt dazu, dass sie nicht mehr flüchten können in ihre aus Europa bekannten Trutzburgen mit Zugangscodes für ihre Fahrerräume. Deshalb gibt es in Montreal auch die besten, weil spontanen Momentaufnahmen von Gesprächen.

Nur zwei von vielen Beispielen: Red Bull-Pilot Daniel Ricciardo, der in seinem Gesicht immer noch den ganzen Frust und Enttäuschung vom Rennen in Monaco vor sich hertrug, blieb spontan stehen und fragte mich, wie ich das Boxenstopp-Dilemma von Monte-Carlo, das ihm den sicheren Sieg kostete, verarbeiten würde. "Turn your anger into energy", "Verwandle Deine Wut in Energie", gab ich ihm weise wie ein indianischer Medizinmann mit auf den Weg. "Das werde ich tun," antwortete er erfreut, "das werde ich bestimmt tun!"

Umgewöhnung nötig: Zelte statt Luxus-Motorhomes

Die Wette mit Sebastian Vettel wäre anderswo auch kaum zustande gekommen. Sie dreht sich um den neuen Turbolader, den Ferrari in Montreal das erste Mal einsetzen wird. "Du wirst das Rennen deshalb nicht zu Ende fahren, er ist noch ein zu großes Zuverlässigkeitsrisiko. Denn alle Neuerungen, die Ferrari in dieser Saison probiert hat, waren ein Rückschritt," provozierte ich ihn. "Blödsinn", wischte er meine Bedenken beiseite, "wir wissen genau, was wir tun!"

Er bot mir deshalb eine Wette an. Mein nicht ernst gemeinter Vorschlag, zusammen in einen der zahlreichen Table-Dance-Schuppen Montreals zu gehen, und der Verlierer müsse dann die Zeche zahlen, lehnte er gespielt empört ab. Die Wette aber steht. Nur am Einsatz arbeiten wir noch...

Autor: Ralf Bach

Fotos: Picture-Alliance

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