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Formel 1: Kolumne aus Montreal

— 13.06.2016

Schöne heile Ferrari-Welt

In seiner neuen Kolumne nimmt unser Formel-1-Reporter Ralf Bach Sie mit ins Fahrerlager: Das erlebte er im Anschluss an den Kanada GP in Montreal.

Er war einfach nur gut gelaunt. Selbst im Sprint zum Auto, das ihn um 18 Uhr nach dem Kanada GP zum  Flughafen bringen sollte, hatte Sebastian Vettel (28) noch Zeit für ein Schwätzchen. Er klopfte mir auf die Schulter. „Siehst du, sagte er, man soll nie jemanden abschreiben. Schweini sollte doch gar nicht erst spielen und dann kam er auf den Platz und schoss nach drei Minuten das entscheidende 2:0. Und noch was. Du musst noch deine Wette einlösen. Überleg' Dir bis Baku was!“ 

„Manche Wetten verliert man doch gerne“, war meine Antwort. Am Donnerstag nämlich hatten wir gewettet, dass der in Kanada erstmals von Ferrari neu eingesetzte Turbolader den Belastungen im Rennen nicht standhalten würde. Das behauptete ich. Vettel hielt dagegen und behielt Recht.
So lief der Kanada GP: Hamilton siegt vor Vettel

Zumindest nach dem Start lag Vettel vor den Mercedes

Ich gönnte Vettel seine gute Laune und auch den Vergleich zu Sebastian Schweinsteiger, den er mit seinem Ferrari-Team zog. Totgesagte leben halt länger. Das ist nicht nur bei Rolling-Stone Keith Richards so, das trifft auch auf Ferrari zu. Das erste Mal hatte man (er) das Gefühl, dass Ferrari den entscheidenden Schritt in dieser Saison gemacht hat, Mercedes in Zukunft unter Druck zu setzen.



Der zweite Platz des Heppenheimers war deshalb ein Sieg, weil er zum größten Teil mit Sieger Lewis Hamilton mithalten konnte und mit ein wenig mehr Glück und Selbstvertrauen – Ferrari hätte nur die Einstopp-Strategie Hamiltons kopieren müssen – auch aus eigener Kraft hätte gewinnen können. Auch deswegen war Vettel gut gelaunt.
Arrivabene räumt Fehler ein: Ferrari verzockt sich in Kanada

So gut sogar, dass er in der offiziellen Pressekonferenz zuvor Sieger Hamilton auf die Schippe nahm. Der Brite musste herzlich schmunzeln, als Vettel seine Möwengeschichte erzählte. „Ich sah am Ausgang von Kurve eins plötzlich ein Seemöwenpärchen sitzen, die wohl gemeinsam Selbstmord begehen wollten. Aber nicht mit mir. Ich fuhr einen weiten Bogen, um sie nicht zu gefährden. Lewis war das wohl egal, er fuhr hinter mir Vollgas weiter. Kurz bevor er sie traf, flogen sie davon. Das kostete mich eine halbe Sekunde. Was lernen wir daraus: Ich bremse für Tiere, Lewis nicht!“
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Die Möwen sorgten für Diskussionen bei den Top-2

Überhaupt scheint nach dem GP in Montreal die Welt von Ferrari wieder in Ordnung zu sein. Denn nach dem Rennen kam Teamchef Maurizio Arrivabene zu mir, umarmte mich und fragte: „Sind wir wieder Freunde?“ 

Die Vorgeschichte: In Melbourne hatten wir, sagen wir mal, eine kleine Meinungsverschiedenheit und gingen uns seitdem ein wenig aus dem Weg. Er mir mehr als ich ihm allerdings. „Alles ok,“ antwortete ich, „wir waren nie etwas anderes...“ Man sieht: Trotz der dunklen Wolken in Montreal glitzerte der Himmel für Ferrari wieder rosarot. Weil sie neue Hoffnung im Titelkampf geschöpft haben.
Vettel jetzt Gesamtdritter: Der aktuelle WM-Stand

Autor: Ralf Bach

Fotos: Picture-Alliance

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