Das Duell: Rosberg vs. Hamilton

Das Duell: Rosberg vs. Hamilton Das Duell: Rosberg vs. Hamilton Das Duell: Rosberg vs. Hamilton

Formel 1: Kolumne aus Silverstone

— 07.07.2016

Sternstunden einmal anders

In seiner neuen Kolumne nimmt unser Formel-1-Reporter Ralf Bach Sie mit ins Fahrerlager: Das erlebte er vor dem Großbritannien GP in Silverstone.

Das typische englische Wetter mit grauen Wolken, die nur ab und zu von leichten Sonnenstrahlen durchbrochen wurden, interessierte heute in Silverstone genauso wenig wie Ferrari, McLaren oder was auch immer. Der Fokus war auf das Motorhome von Mercedes gerichtet. Mehr als drei Stunden standen sich Fotografen und Kameraleute vor dem Silber-Tempel die Füße platt, um die ersten Gesten von Lewis Hamilton, Nico Rosberg oder Toto Wolff einzufangen.
Mercedes verschärft Verhaltenskodex: Drastischere Strafen

Sie waren so konzentriert, dass sie Sebastian Vettel gar nicht wahrnahmen, als der das Fahrerlager betrat. Der Hesse konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. In seinem Gesicht stand geschrieben: So müsste es immer sein. Ich kann unbehelligt hier durchmarschieren!

Lewis Hamilton ließ seinen Helm lieber erstmal auf

Was die Schar der Berichterstatter nicht wusste: Nico Rosberg war längst da. Der Deutsche schaute immer wieder durch die getönten Scheiben des Teambusses und feixte sich einen. Gegen 14.30 Uhr schließlich tauchte Hamilton auf. Er kam mit dem Motorrad, zog den Helm erst gar nicht ab und marschierte schnurstracks im Stechschritt ins Motorhome. Als wollte er sich verstecken.

Zur offiziellen FIA-Pressekonferenz erschien er sogar fünf Minuten früher. Er scherzte mit FIA-Pressechef Matteo Bonciani und machte auf locker: "Ich bin zu früh da. Gibt es dann Geld zurück?" Hintergrund: Wer zu spät zur Pressekonferenz des Automobilweltverbands kommt, muss eine Geldstrafe zahlen. Hamilton wirkte angespannt wie ein Schuljunge, der den blauen Brief bekommen hat.

Kurz zuvor hatten die Mercedes-Verantwortlichen Details aus dem 'Krisengipfel' am Morgen in der Fabrik in Brackley verschickt. Ohne ins Detail zu gehen, wolle man die beiden weiter frei fahren lassen. Nur zu einer Kollision dürfe es nicht mehr kommen. Deshalb wurden die internen Vorfahrtsregeln noch einmal verschärft. Drastische Strafen sollen als Abschreckung dienen.

Hamiltons Gesichtsausdruck als er meine Frage hörte...

Außerdem behalte sich das Team weiterhin vor, eine Stallorder auszusprechen. Also stellte ich Hamilton folgende Frage: "Wenn Du eine Stallorder bekommst: Wirst Du dich daran halten oder sie wie ihn Ungarn vor zwei Jahren ignorieren - als Dich Dein Team aufforderte, Rosberg vorbeizulassen?"

Hamilton schnaufte erst mal tief durch. Er wirkte extrem angepisst, mit einer solchen Frage überhaupt konfrontiert zu werden. "Uuuh, da kann jemand nicht loslassen! Du scheinst eine Tendenz zu haben! Natürlich ist es unser Job, Ordern zu befolgen." Warum ich die Frage gestellt habe ist klar. Wenn Mercedes glaubt, dass man Hamilton mit einer Stallorder drohen kann, ist das eine Fehlannahme. Dann hätte man ihn nämlich vor zwei Jahren bei seiner Widersetzung bestrafen müssen. Tat man aber nicht. Und das war der erste Fehler!

Nico Rosberg war am Donnerstag bester Laune

Toto Wolff versuchte in seiner Presserunde den Spagat: Viel reden, ohne was zu sagen. Man wolle keine Kollisionen mehr sehen, man wolle die beiden aber auch frei fahren lassen. Er deutete Strafen an, ohne sie beim Namen zu nennen. Das Ganze wirkte etwa wie der Versuch zu duschen, ohne nass zu werden. Das Konkrete, was man ihm entlocken konnte: "Wie im Fußball haben wir beiden die gelbe Karte gezeigt." Er ließ aber offen, was bei der zweiten gelben Karte passiert, sagte nur soviel: "Sollte es wieder passieren, wird es einen negativen Einfluss auf ihren Wettbewerb haben."

Nico Rosberg wirkte mit Abstand am Entspanntesten. So als wäre er als Sieger aus dem Krisengespräch am Morgen hervorgegangen. Er nannte zwar auch keine Details der zukünftigen Verhaltensregeln auf der Strecke, lächelte aber im Gegensatz zum verkniffenen Hamilton und hatte richtig Spaß bei seiner öffentlichen Anhörung.

Fest steht: Den werden auch die Fans weiter haben, denn die beiden fahren sicher weiter auf Kollisionskurs. Was dann passiert, steht im Moment noch in den Sternen...

Autor: Ralf Bach

Fotos: Picture-Alliance

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.