Die besten Bilder aus Spielberg

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Formel 1: Kolumne aus Spielberg

— 02.07.2016

Wenn die Masken fallen

In seiner neuen Kolumne nimmt unser Formel-1-Reporter Ralf Bach Sie mit ins Fahrerlager: Das erlebte er am Samstag beim Österreich GP in Spielberg.

Durch den Tunnel, der vom Pressezentrum zum Fahrerlager fährt, führt die sogenannte 'Wand der Legenden'. Dort hängen Fotos von Jack Brabham, Jacky Stewart, Jochen Rindt, Niki Lauda, Nelson Piquet, Alain Prost, Ayrton Senna und Michael Schumacher. Drückt man auf einen Knopf, spielt ein Tonband prägnante Aussagen der Piloten ab. Die Fahrer müssen ebenfalls durch den Tunnel, wenn sie zu einer Pressekonferenz im Hauptgebäude eingeladen waren. So wie Lewis Hamilton nach der öffentlichen Anhörung zum Qualifying.

Helmut Marko hat kein Interesse an Mick Schumacher

Ich ging zufällig hinter Hamilton her, als er an Ayrton Sennas Foto vorbeikam und sah, wie der Brite mit der rechten Hand über Sennas Foto streichelte. Die Geste voller Bewunderung war klarer als alle Worte, die Hamilton je über sein großes Idol gesagt hatte. Der Weltmeister zeigte sein wahres Gesicht, das nur zum Vorschein kommt, wenn er sich unbeobachtet fühlt. Die kleine Momentaufnahme voller Pathos war ein Beispiel, das die verkünstelte Welt der Königsklasse widerspiegelt: Wenn er (das gilt auch für die anderen) nicht an seinem Image schrauben muss, wie in Fernsehinterviews, Pressekonferenzen, in den sozialen Medien, also allem Inszenierten, dann erst lässt er (und die anderen) die Maske fallen.

Es ging aber auch lustig zu beim Blick hinter die Kulissen und Kameras. Zum Beispiel als Gerhard Berger seinem Neffen, DTM-Pilot Lucas Auer, schlitzohrig für ein Fernsehinterview mit dem ORF mit auf den Weg gab: "Und sag bitteschön, dass der Rosberg bei Mercedes zu wenig Geld verdient!"

Hintergrund: Berger verhandelt für Nico Rosberg gerade einen neuen Vertrag aus, der immer noch nicht unterschrieben ist. Nach dem Aufhängungsbruch an Rosbergs Mercedes im dritten freien Training scherzte der Tiroler deshalb auch: "Das wird jetzt nochmal teurer für Mercedes: Gefahrenzulage!"

Lucas Auer und sein Onkel Gerhard Berger in Spielberg

Neffe Auer übrigens traute sich nicht beim ORF den Satz des Onkels zu überliefern - schließlich steht er ja selbst in der DTM bei Mercedes unter Vertrag. Ernsthaft sagt Berger aber nach dessen Sieg am Lausitzring über seinen Neffen: "Er ist im Moment die Nummer eins in Österreich." Mit der Perspektive: "Erst mal Leistungen konstant wiederholen und dann mal weiter schauen...." Soll heißen: Selbst die Formel 1 ist für Bergers Neffen jetzt kein Traumgebilde mehr.

Apropos Nachwuchs: Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko sagte in Spielberg nochmal ganz klar, dass Mick Schumacher nicht auf dem Radar von Red Bull ist. Aktuell gehören die Plätze im Red-Bull-Nachwuchskader dem Franzosen Pierre Gasly (GP2), dem Finnen Niko Kari, dem Brasilianer Sergio Sette Camara (beide Formel-3-Europameisterschaft), dem Australier Luis Leeds (Britische Formel 4) und dem Holländer Richard Verschoor (unter anderem Deutsche Formel 4). "Da ist für Mick Schumacher kein Platz", so Marko.

Einer der großen Gewinner des Qualifyings war ein anderer Junior: 'Mercedes-Kronprinz' Pascal Wehrlein.

Sein sensationeller zwölfter Platz war für das kleine britische Team wie ein Sieg. Wehrlein Mentor Toto Wolff war dementsprechend entzückt: "Endlich hatte Pascal mal ein reibungsloses Qualifying. Deshalb konnte er zeigen, dass er in der Tat ein 'special boy' ist", schwärmte der Mercedes-Motorsportchef.

Pascal Wehrlein zeigte ein ganz starkes Qualifying

Später saß ich lange mit dem 'besonderen Jungen' im Manor-Motorhome zusammen. Seine ganze Körpersprache war ein einziges Jubeln, eine totale Zufriedenheit. Man konnte es verstehen: In fast jedem Qualifying in dieser Saison ist irgendetwas schiefgegangen. Immer wieder musste er sich deshalb den Fragen stellen, warum Teamkollege Rio Harrianto viermal schneller war. Läuft es aber normal wie in Spielberg, trennt die beiden eben jene halbe Sekunde, die einen guten Rennfahrer wie den Indonesier von einem 'special one' wie Wehrlein unterscheidet. "Auf diesem Teil", Wehrlein zeigt grinsend auf einen Formel-1-Simulator im Manor-Motorhome, "habe ich ihm übrigens sieben Zehntel gegeben..."

Autor: Ralf Bach

Fotos: Picture-Alliance

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