Formel-1-Nachwuchsfahrer 2017

Formel 1: Kolumne über Sao Paulo

— 10.11.2017

Bodyguards für Mercedes-Fahrer

Unser Formel-1-Reporter Ralf Bach berichtet in seiner Kolumne von den Panzerlimousinen der F1-Stars, Bernie Ecclestones Kaffeeplantage und einem Raubüberfall auf seinen Mietwagen.

So lebensfroh die Brasilianer sind, so faszinierend das Land mit all seinen Gegensätzen auch ist: Die Formel-1-Gemeinde traut dem Frieden nicht. Zu viele Überfälle gab es schon auf dem Weg von der Rennstrecke zurück in die Hotels der Stadt. Toyota hat es mal erwischt, Jenson Button, Sauber und auch Journalisten machten diese Erfahrung – mich eingeschlossen. Doch dazu später.

Die Teams wohnen entweder im Transamerika, einem Fünf-Sterne Hotel rund zehn Kilometer von der Rennstrecke Sao Paulo entfernt. Oder in den Hyatt-, Melia- oder Hilton-Luxusherbergen im Stadteil Morumbi, noch einmal 15  Kilometer weiter.  Wer ganz oben auf der Wichtigskeitsliste steht, fliegt mit dem Helikopter – wie Bernie Ecclestone.

Bernie Ecclestone ist in Sao Paulo mit dem Helikopter unterwegs

Der Brite, mittlerweile 86, ist in Sao Paulo. Gemeinsam mit seiner brasilianischen Ehefrau Fabiana hat er sich eine Kaffeeplantage im Umland des 20-Millionen-Molochs gekauft. Im Vorfeld des Rennens lud er alte Freunde zu sich ein. Kostenlos, mit einer Bedingung: Sie müssen früh morgens die Eier der Hühner einsammeln. Der Deal von Mr. E ging indes nur bis Freitagmorgen. Seitdem wohnt Ecclestone mit seiner brasilianischen Ehefrau Fabinana ebenfalls im Transamerika – selbstredend, dass er mit dem Helikopter einschwebte. Die Golfspieler mussten dafür kurz ihr Putten unterbrechen, weil der Golfplatz des Hotels gleichzeitig Helikopter-Landeplatz ist. 
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Allein: Selbst die Fahrer sind noch nicht auf dem Helikopter-Level von Mr. E angekommen. Sie mussten fahren oder sich fahren lassen wie der der Rest der Formel-1-Karawane. Alle Piloten einschließlich führender Teammitglieder haben so genannte Panzerlimousinen, mit schusssicheren Scheiben plus Chauffeur. Nur Mercedes ging noch einen Schritt weiter. Lewis Hamilton, Vallteri Bottas, Toto Wolff , Niki Lauda sowie die drei in Brasilien involvierten Junioren, Esteban Ocon, Pascal Wehrlein und George Russell bekamen zusätzlich einen bewaffneten Bodyguard, der für den Fall der Fälle mit im Auto sitzt.

Ein bewaffneter Bodyguard schützt die Mercedes-Piloten

Wer diese Sicherheitsmaßnahmen für übertrieben hält, dem erzähle ich jetzt Folgendes. Letztes Jahr erwischte es auch mich. Es ist also nicht so, dass man nur von Dingen hört, die einen aber nie selbst betreffen. 2016 war ich um etwa 22 Uhr Ortszeit mit der Arbeit fertig und nahm dankbar das Angebot einer Kollegin an, mich in ihrem Mietwagen zum Transamerika mitzunehmen. Ich fuhr das Auto und an einer der roten Ampeln passierte es. Plötzlich waren wir von circa acht schreienden Brasilianern umringt, die gegen das Auto traten und gegen die Scheiben schlugen.

Ihre Absicht war völlig klar: Sie wollten unsere Wertsachen. Ich gab einfach Gas und schob die Autos vor mir etwas zur Seite, um mich so schnell wie möglich der Räuber zu entledigen. Das klappte auch. Dass Mietwagen und das Auto vor mir leichte Schrammen hat, nahm ich in Kauf, schließlich muss man in solchen Momenten sekundenschnell Prioritäten setzen. Böse konnte ich den Brasilianern, die mir an die Wertsachen wollten, übrigens nicht sein. Es sind arme Menschen, verlassen von Land und Gott. Sie wollen nur ein bisschen Leben können, nicht mehr hungern. Wer die Formel 1 mit all ihrem Luxus vor ihren armen Hütten wie ein goldenes Zirkuszelt aufbaut, der muss mit so einer Selbstjustiz rechnen und sollte sich nicht mit erhobenem Zeigefinger wundern.

Autor: Ralf Bach

Fotos: Picture-alliance

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