Safety Car

Formel 1: Kolumne von Bianca Garloff

— 27.06.2014

Die Formel 1 verkommt zur Show

Die AUTO BILD MOTORSPORT Reporterin berichtet in ihrer Kolumne vom Geschehen im Fahrerlager: Der FIA-Weltrat hat für 2015 neue Regeln beschlossen.

Nun ist es also mal wieder soweit. Der Motorsport-Weltrat hat gestern neue Formel-1-Regeln beschlossen. Schon wieder. Und schon wieder schießt er über das Ziel hinaus. Aufreger Nummer eins: Statt einen ordentlichen Kostenreduzierungsplan zu verabschieden, wurde lediglich die Zahl der Windkanal- und CFD-Stunden reduziert. Dazu soll es weniger Testfahrten geben – und wenn, dann nur noch in Europa. Super. Einige Kollegen scherzten schon: Das bedeute, dass Teams wie Marussia und Co. jetzt wieder warmes Abendessen servieren können. Mehr nicht.

Das Safety-Car kommt den Führenden in Zukunft unter Umständen teuer zu stehen

Der zweite Aufreger: der stehende Start nach einer Safety-Car-Phase. Richtig: Nach einer Gelbphase sollen die Autos auf der Startaufstellung stehen bleiben und erst bei Grün wieder Gas geben – von einigen Ausnahmen, die sich eh keiner merken kann, mal abgesehen. Ergebnis: Die Formel 1 verkommt immer mehr zur Show. Sind wir hier in der NASCAR, wo Gelbphasen gerne eingestreut werden, um das Feld zusammenzuführen und einenspannenden Endspurt zu garantieren?

Nein. Und das wissen auch die Teamchefs. Als ich einen von ihnen beim Abendessen in Österreich auf die neue Unsinns-Regel ansprach, winkte er nur ab. Das sei die Idee der Promotor und FIA gewesen. Ausgetüftelt in der neuen Strategiegruppe, in der die kleinen Teams gar nichts zu sagen haben und Bernie Ecclestone sowie der Automobilweltverband ganz viel. Blinden Aktionismus nenne ich das. Die Zuschauerzahlen brechen ein, weil die Fans zu viele zu moderne Regeln nicht wollen. Und das macht die FIA? Sie schafft noch mehr Showelemente.

Was passiert denn, wenn ein Fahrer sich einen Vorsprung erkämpft hat, kurz vorm Sieg steht und nach einem Neustart von einem übermotivierten Konkurrenten abgeräumt wird? Was passiert bei Regen? Was, wenn jemand den Motor abwürgt? Der stehende Start nach einer Gelbphase ist die Antwort auf eine Frage, die nie gestellt wurde. Meine Gegenfrage: Ist das noch Rennsport? Oder müssen wir das Sicherheitsfahrzeug in Zukunft Showcar nennen?

Reporterin Bianca Garloff berichtet von den Rennstrecken dieser Welt

All das macht die Formel 1 unecht. Genau wie die Titanplatten unter den Autos, die ab 2015 für Funkenflug sorgen sollen. Klar wird das cool aussehen. Aber ist es das auch? Früher sprühten die Funken, weil die Autos mit brachialer Kraft auf dem Asphalt aufsetzten. Sie waren ein Abfallprodukt der Rennwagen. Kein künstlich geschaffenes Element, um die Show anzuheizen.

Ich weiß gar nicht, was die FIA will. So schlecht steht es um die Formel 1 doch gar nicht! In Bahrain und Kanada hatten wir zwei der spannendsten Rennen der letzten Jahre. Aber statt sich um die wirklichen Probleme der Königsklasse zu kümmern, befassen sich die Regelmacher nur mit dem Sound und dem Aussehen der Autos. Die hässlichen Nasen, an die wir uns längst gewöhnt haben, müssen für 2015 nämlich auch wieder geändert werden. Sieht da noch einer durch?

Autor: Bianca Garloff

Fotos: Getty Images

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