Mercedes

Formel 1: Kolumne von Bianca Garloff

— 25.08.2014

Rosberg ist im Recht!

Die AUTO BILD MOTORSPORT Reporterin berichtet in ihrer Kolumne vom Geschehen im Fahrerlager: In Spa drehte sich alles um den Crash bei Mercedes.

Darf der eigentlich alles, dieser Lewis Hamilton? Zur Teampolitik bei Mercedes gehört auch, dass Interna intern bleiben. Trotzdem plauderte der Brite gestern Abend sogar die vertraulichen Inhalte des Team-Meetings nach dem Rennen aus. Seiner britischen Haus- und Hofpresse verriet er: „Rosberg hat gesagt, er habe das mit Absicht gemacht!“

Der große Silber-Knall von Spa: Hamilton & Rosberg geraten in Runde zwei aneinander

Was war passiert? Zweite Runde im Großen Preis von Belgien. Rosberg greift den führenden Hamilton an, setzt sich vor einer Rechtskurve neben ihn. Hamilton verteidigt seine Position aggressiv, drängt Rosberg fast in die Wiese. Im Eifer des Gefechts touchiert Rosbergs Frontflügel Hamiltons linkes Hinterrad und schlitzt dem Ex-Weltmeister das Gummi auf. Hamilton muss später aufgeben, Rosberg zum Nasenwechsel an die Box. Daniel Ricciardo profitiert und gewinnt. Zum zweiten Mal in Folge siegt Red Bull, weil Mercedes sich nicht einig ist.

Schlimmer noch: Anschließend unterstellt Hamilton Rosberg sogar einen mutwillig herbeigeführten Crash! Die Aussagen des WM-Leaders hat er dabei so verdreht, dass Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff noch am Abend klarstellen muss: Rosberg hat Hamilton nicht mit Absicht den Reifen aufgeschlitzt. Er hat den Crash nur nicht versucht zu verhindern – und so ein Zeichen gesetzt. Weil er auf ein Ausweichmanöver verzichtete, muss er jetzt die Kritik der Teamführung einstecken. „Blöd und gedankenlos“, polterte Niki Lauda. Ich sage: Nico, das war genau richtig so!
Mehr zum Thema: Mercedes-Bosse rüffeln Rosberg - Blöd und gedankenlos

Alles Lewis oder was? Rosberg musste sich in Belgien viel Kritik von Lauda, Wolff & Co. anhören

Sehen Sie die Situation mal aus Rosbergs Sicht. Mehrfach schon musste er in diesem Jahr mit ansehen, wie Lewis Hamilton die teamintern vereinbarten Vorfahrtsregeln brach – und dafür mit nicht mehr als einem „Klaps auf die Finger“ (O-Ton Hamilton) bestraft wurde. In Bahrain drückte er Rosberg im Zweikampf mehrfach aggressiv von der Bahn. In Spanien weigerte er sich den Motor runterzudrehen und so an Rosbergs Speed anzupassen. In Ungarn verweigerte er erst den Befehl, den schnelleren Deutschen passieren zu lassen. Dann fuhr er ihm im Duell fast auch noch durchs Auto. Jedes Mal war es Rosberg, der einen Crash mit Ausweichmanövern in letzter Sekunde verhinderte.

Besonders in jenem letzten Rennen in Budapest muss der gebürtige Wiesbadener gedacht haben, er ist im falschen Film. Erst wird ihm per Funk gesagt, er solle nicht zu dicht an Hamilton ranfahren, um seine Reifen zu schonen. Der Kollege werde am Ende der Geraden schon Platz machen. Hinterher kam der Vorwurf – auch von Mercedes-Aufsichtsrat Niki Lauda – Rosberg sei nicht nah genug dran gewesen, damit Hamilton beiseite fährt. Ja, was denn nun?

Reporterin Bianca Garloff berichtet von den Rennstrecken dieser Welt

Fest steht: In Spa hatte Rosberg genug vom einseitigen Teamplayer-Dasein. Er zog die silberne Teamweste aus und verhinderte den von Hamilton provozierten Crash diesmal eben nicht. Er nahm einen möglichen Unfall genauso billigend in Kauf, wie Hamilton das sonst jedes Mal tut, wenn beide aufeinandertreffen. Eddie Jordan hatte das auf dem Podium so zusammengefasst: „Nico ist einfach nur genauso hart gefahren wie die anderen auch.“

Aber nicht nur moralisch ist Rosberg im Recht. Was bislang total unterging: Auch das Regelwerk ist auf seiner Seite. Seit Mitte 2012 besagen die Überholregeln: Wenn irgendein Teil des hinterherfahrenden Autos neben dem Vordermann ist, muss dieser seitlich mindestens eine Wagenbreite und damit den viel zitierten 'Platz zum Überleben' lassen. In solchen Fällen hatte die FIA in den letzten Jahren immer den Vordermann bestraft. Auch Rosberg war in Spa längst in voller Wagenlänge neben Hamilton angekommen. Den Platz zum Überleben ließ der Brite seinem Teamkollegen trotzdem nicht.

Rückblende: Weil sich Hamilton (vorne) & Rosberg (hinten) schon 2012 in die Quere kamen, gibt es die Regel überhaupt nur

Was schade ist: Die Teamleitung bei Mercedes kennt diese Vorschrift offenbar nicht. Dabei war ausgerechnet ein Duell zwischen Nico Rosberg und Lewis Hamilton in Bahrain 2012 Ausgangspunkt der überarbeiteten Überholregel. Damals drückte der Deutsche Mercedes-Star den Briten, der noch für McLaren fuhr, in die Wüste. Weil Hamilton sich dabei gefährdet fühlte, schaffte man per Gentlemen’s Agreement striktere Vorfahrtsregeln, die ER SELBST jetzt brach.

Hätten die Rennkommissare in Spa die Regel streng ausgelegt, hätten sie Hamilton bestrafen müssen. Zu seinem Glück hat man sich im Sinne der Show im Juli darauf geeinigt, kleinere Vergehen in Rad-an-Rad-Duellen weniger hart zu ahnden. Rennleiter Charlie Whiting: „Es liegt jetzt an den Teams und Fahrern, sich nicht wegen jeder Kleinigkeit zu beschweren und diese härtere Gangart zu akzeptieren." Auch diese Aussage spricht für Nico Rosberg...

Autor: Bianca Garloff

Fotos: Getty Images / ABMS

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