Technik-Vergleich: Ferrari vs. Mercedes

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Formel 1: Kolumne von Bianca Garloff

— 27.04.2016

Ferraris Star muss die Mannschaft sein

Die Erwartungen an Ferrari sind im Kampf mit Mercedes hoch, besonders intern gibt es viel Druck. Das Team muss aufpassen, nicht in alte Muster zu verfallen.

Drei Rennen, drei Mercedes-Siege. Und die klare Erkenntnis: Ferrari ist derzeit nicht mehr als nur zweite Kraft. Dabei war der Anspruch ein anderer. Siege sollten her und damit die Möglichkeit auf den ersten WM-Titel seit 2007. Stattdessen hat Vettel nun 22 Punkte weniger als im Vorjahr.

Marchionne (r.) übt Druck auf Arrivabene (l.) aus

Das noch viel größere Problem: Der Big Boss ist not amused. „Natürlich ist Sergio Marchionne unzufrieden“, gab Teamchef Maurizio Arrivabene nach Platz zwei im letzten Rennen in China zu. Klar, der FIAT-Chef macht Druck. Doch Ferrari muss jetzt aufpassen, dass das Team dadurch nicht in alte Muster zurückfällt.

Hintergrund: Die Techniker der Scuderia gaben sich in den Vorjahren oft gegenseitig die Schuld, wenn es nicht lief. „Die Chassisleute erklären, es liegt am Motor. Die Motoringenieure zeigen auf die Chassisbauer“, hatte Arrivabenes Vorgänger Marco Mattiacci uns mal in einem Interview erzählt.

In China waren Anzeichen davon erneut zu erkennen - diesmal aber auf anderer Ebene. Nach dem verkorksten Qualifying, als Sebastian Vettel gleich mehrere kleine Fahrfehler in seine schnellste Runde eingebaut hatte, trennte Arrivabene die Scuderia in drei Teile: „Das Team war nicht schuld und das Auto auch nicht“, sagte er. Bleiben ja wohl nur noch die Fahrer übrig ...

Zuletzt in China waren Ferraris Fahrer nicht fehlerfrei

Nach dem Rennen, als Vettel sich mit Daniil Kvyat über dessen Überholmanöver in der ersten Kurve stritt, gab’s die nächste verbale Arrivabene-Ohrfeige. „Ich finde, es ist nicht korrekt mit dem Finger auf jemanden zu zeigen“, war seine Antwort auf die Frage, ob er dieselbe Meinung vertrete wie der Heppenheimer. „Kvyat ist sein Rennen gefahren, indem er die erste Kurve mit hohem Tempo genommen hat. Kimi und Seb hätten an seiner Stelle dasselbe gemacht.“

Für die Medien ist das natürlich eine tolle Aussage. Der Chef schlägt sich auf die Seite der Gegner. Aber spiegelt sie wirklich das wieder, was ein Siegerteam verkörpern sollte? Dass man nämlich ZUSAMMEN gewinnt, aber eben auch verliert?

Der Jerez-Crash verhinderte 1997 einen Schumi-Titel

Fakt ist: Michael Schumacher und Ferrari waren gemeinsam so erfolgreich, weil eben genau dieser Teamgedanke so lebendig war. „Wir haben in schweren Zeiten immer zusammengehalten“, erinnerte sich FIA-Präsident und Ex-Ferrari-Teamchef Jean Todt Anfang des Jahres bei mir im Interview. „Dazu gehörte auch dieser dumme Unfall mit Villeneuve in Jerez 1997. Da hat Michael einen Fehler gemacht - und wenn er den nicht gemacht hätte, wäre er wahrscheinlich damals schon Weltmeister geworden. Aber ich habe gemeinsam mit ihm die Verantwortung übernommen, ihn weiter unterstützt und geschützt. Dieses Erlebnis hat ihn mit dem Team und mit mir als Teamchef stärker zusammengeschweißt als man sich vorstellen kann. Von da an hatte er den Mythos Ferrari verstanden und angefangen zu leben.“

Vettel kennt den Mythos Ferrari längst. Wichtig wird ab jetzt, dass das Team sich nicht einschüchtern lässt von Mercedes' Überlegenheit - und dass sie der gemeinsame Kampf gegen den übermächtigen Gegner noch mehr zusammenschweißt statt trennt. Mit dem eigenwilligen Politiker Fernando Alonso ist das Ex-Teamchef Stefano Domenicali nicht gelungen. Schafft es nun Teamplayer Vettel mit Maurizio Arrivabene?

Der Kampf Mensch gegen Maschine geht weiter ...

Autor: Bianca Garloff

Fotos: Picture-Alliance

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