Formel 1

Formel 1: Kolumne von Bianca Garloff

— 12.05.2016

Tapferer Daniil Kvyat

In ihrer neuen Kolumne nimmt unsere Formel-1-Reporterin Bianca Garloff Sie mit ins Fahrerlager: Das erlebte sie im Vorfeld des Spanien GP in Barcelona.

Keiner der drei Fahrer in Reihe eins der Pressekonferenz zum Spanien GP fühlte sich wirklich wohl. Der übergangene Carlos Sainz wirkte rundum sauer. Der auf Kosten von Daniil Kvyat promotete Max Verstappen war peinlich berührt. Vor allem aber Kvyat selbst saß da wie ein Häufchen Unglück.

Umso bemerkenswerter, wie der junge Russe dem medialen Druck einer proppevollen Pressekonferenz standhielt - und sogar noch für einen Lacher sorgen konnte.

Trotzdem frohen Mutes: Daniil Kvyat am Donnerstag

Kvyat erzählte - wenn auch mit glasigen Augen und versteinerter Miene: „Ich lag gerade zuhause in Moskau auf dem Sofa und sah fern. Das Telefon klingelte, ich meldete mich mit 'Hallo', am anderen Ende war Dr. Helmut Marko. Er sagte: 'Wir haben Neuigkeiten für dich'. Ich erfuhr also, was entschieden worden war. Ich wollte Erklärungen hören, und die habe ich erhalten. Aber ich will hier nicht auf Details eingehen. Nach Ende des Gesprächs legte ich mich wieder hin und sah meine TV-Serie zu Ende.“ Passenderweise schaute Kvyat 'Game of Thrones' - eine Serie rund um Machtkämpfe und Intrigen.

Überhaupt: Wer glaubte einen völlig gebrochenen Kvyat in der PK zu sehen, wurde enttäuscht. Der Russe gab sich selbstbewusst und kämpferisch. Getreu dem Motto: Jetzt erst Recht! „Im ersten Moment war es ein Schock für mich“, gab er offen zu. „Ich habe hart für das Team gearbeitet. Und ich glaube, ich hätte wenigstens eine vernünftige Erklärung verdient. Aber die habe ich nicht bekommen. Die Chefs entscheiden, was sie wollen.“

Und weiter: „Ich bin lange genug bei Red Bull. Man steht natürlich immer unter Druck. Aber ich sehe das nicht als Problem. Das kann nicht die Erklärung sein.“

Carlos Sainz und Kvyat in der PK vor dem Spanien GP

Auch von Sebastian Vettel bekam Kvyat Rückendeckung. „Nach dem Rennen hatte Daniil wenigstens die Eier, das Telefon ich die Hand zu nehmen, mich anzurufen und sich bei mir zu entschuldigen“, so der Heppenheimer. „Schon so mancher 30-Jährige ist mir in die Kiste gefahren und hatte diesen Mut nicht - eben zu sagen: Ich habe Mist gebaut. Das ist für mich wichtiger, als nun weiter auf Kvyat herumzuhacken.“

Aus Versehen bestätigte der Ferrari-Star außerdem, dass Kvyats Degradierung „nach meinen Informationen nichts mit dem Unfall mit mir zu tun hatte. Da war der Wechsel bei Red Bull doch schon beschlossene Sache.“

Tatsächlich kristallisiert sich immer mehr heraus, was ohnehin ein offenes Geheimnis war: Red Bull musste Max Verstappen befördern, um ihn vom Markt zu nehmen. Max Verstappen auf eine Frage meines Kollegen Ralf Bach: „Ich sehe keine Veranlassung einen Teamwechsel in Betracht zu ziehen. Ich bin glücklich, dass Red Bull mir diese Chance gibt.“

Max Verstappen und Kvyat haben Plätze getauscht

Und auch für Kvyat hatte der Tag am Ende doch noch etwas Positives zu bieten: „Ich war das erste Mal Mittelpunkt einer offiziellen FIA-Pressekonferenz“, konnte er schon wieder schmunzeln - und kehrte nochmals den Kämpfer raus. „Ich habe in den vergangenen Tagen viel dazu gelernt. Ich fühle mich stärker als jemals zuvor. Ich bin zurück bei Toro Rosso. Es gibt einige Dinge, die beim letzten Mal offen geblieben sind. Jetzt wollen wir das gemeinsam erledigen. Es ist eine goldene Gelegenheit für mich. Ich werde weiter Gas geben."

Ich bin sicher: Von diesem Daniil Kvyat werden wir trotz des Rückschlags noch einiges hören.

Autor: Bianca Garloff

Fotos: Picture-Alliance

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