Die besten Bilder aus Monaco

Die besten Bilder aus Monaco Die besten Bilder aus Monaco Die besten Bilder aus Monaco

Formel 1: Kolumne von Bianca Garloff

— 26.05.2016

Näher dran ist nur der Fahrer

In ihrer neuen Kolumne nimmt unsere Formel-1-Reporterin Bianca Garloff Sie mit ins Fahrerlager: So erlebte sie Tag eins beim Monaco GP in Monte Carlo.

Vor knapp einer Woche war ich noch bei der Formel E in Berlin. In den engen Gassen der Hauptstadt wirkten die Elektro-Autos gar nicht mal so langsam. Dachte ich zumindest bis heute. Bis mein Sinn für Geschwindigkeit neu kalibriert wurde.

In Monaco fahren einem die Autos fast über die Füße

Nicht nur für die Fahrer ist der Monaco GP die Mutter aller Schlachten. Auch wir Journalisten kommen hier im Fürstentum ganz dicht dran. Die Fotos habe ich selbst geschossen - mit meinem Handy… Tatort Schwimmbadschikane. Wenn die 1000-PS-Geschosse in die Schwimmbadpassage einbiegen, spüre ich – nur einen halben Meter neben der Piste stehend stehend – die Vibrationen der Formel-1–Antriebseinheiten, die unbändige Kraft, die Lautstärke.

Genau: Mittlerweile sind die Renner nämlich gar nicht mehr so leise. Ein italienischer Journalist vor mir versteckt seine Zeigefinger zum Schutz in den Ohrmuscheln. Rosberg, Vettel, Wehrlein, Hülkenberg und mich trennt in diesem Moment kein Fangzaun, kein Reifenstapel, kein Kiesbett. Nur Präzisionsarbeit. Die Autos jagen so schnell an mir vorbei, dass mir schwindlig wird. Insbesondere der Honda-V6-Hybrid sorgt für Trommelfeuer in meinem Bauch. Er brüllt lauter als seine Rivalen von Ferrari, Mercedes oder Renault.
Ricciardo vor Mercedes: So lief der Donnerstag in Monaco

Fakt ist: Keine Rennstrecke zeigt die rohe Gewalt eines Formel-1-Autos so ungefiltert wie der Circuit de Monaco. Hier ist es lauter, enger und gefährlicher. „Du musst Eier und Herz in die Hand nehmen“, beschreibt Force India-Pilot Nico Hülkenberg die Adrenalinfahrt durch die Gassen der Monegassen. Rosberg erzählt, dass er bei seinem ersten Mal durch den Tunnel geschrien habe. Sebastian Vettel vergleicht seinen Red Bull beim Sprung über die Bodenwellen mit einem „Geißbock“.

So nah ran kommen sonst nur die Streckenposten

Ich kann den Fahrern beim Einlenken in die Augen schauen. Sehe, wie das rechte Vorderrad kurz in der Luft stehen bleibt. Wie das Heck auf den Randsteinen versetzt. Eine faszinierende Studie, wie brutal die Formel 1 wirklich ist. Ganz wohl fühle ich mich dabei aber nicht. Im Hinterkopf die permanente Angst, dass sich ein Pilot doch mal verschätzen könnte. Deshalb darf ich auch nicht lange stehen bleiben auf meinem Weg entlang der Strecke. Zu groß ist die Gefahr, dass mich im Falle eines Kontrollverlusts ein Trümmerteil trifft.

Jetzt verstehe ich auch Ex-Pilot Gerhard Berger. Der sollte sich kurz nach dem Ende seiner Karriere 1997 für ein Foto beim Tunnelausgang postieren. Seine Reaktion damals: „So etwas Beklopptes soll ich getan haben?“ Eine Minute blieb der Österreicher neben der Strecke stehen. Dann flüchtete er vor der Brutalität seiner Vergangenheit.

Autor: Bianca Garloff

Fotos: Picture-Alliance

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.