Verstappen

Formel 1: Kolumne zu Verstappen

— 31.08.2016

Weniger Temperament, bitte!

Max Verstappen war in Belgien außer Rand und Band. Da hieß es Blockieren, Kollidieren, Lamentieren. So schätzt unser Reporter Ralf Bach das Ganze ein.

Vorgänge in der Formel 1 spiegeln manchmal das richtige Leben wieder. Ob im Fußball, in Firmen oder Ämtern – plötzlich ist ein junger Empörling da, der mit seinem Verhalten aneckt, weil er seinen eigenen Weg geht und den Platzhirschen nicht den notwendigen Respekt erweist, den diese erwarten.
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Im Fußball tunnelte der junge Messi die Etablierten im Training und musste deshalb wochenlang die Koffer mit den Trikots aus dem Mannschaftsbus tragen. Bei Spielen rammte ihm der Gegenspieler oft den Ellbogen in die Rippen, bis er irgendwann zu schnell für die Bewegungen der frustrierten Rivalen war und auch körperlich robust genug, dagegenzuhalten.

In der Königsklasse des Motorsports gab es auch die Messis. Der junge Senna musste sich am Anfang seiner Karriere genauso Respekt verschaffen wie der junge Schumacher. Jetzt ist Max Verstappen (18)  der junge Bock, der sich mit den Platzhirschen anlegt. Doch anders als im Fußball finden die Zweikämpfe in der Formel 1 jenseits von 250 Stundenkilometern statt. Es ist nicht bloß eine Körpertäuschung, mit denen er die Gegner ins Leere laufen lässt.

Max Verstappen reagiert selbstbewusst auf die Kritik

Was Verstappen auf der Geraden in Spa mit dem Finnen Kimi Räikkönen machte, war extrem gefährlich. Das Schlimme ist: Der supertalentierte Holländer verletzte mit seinem Spurwechsel in letzter Zehntelsekunde keine Regeln - die erlauben einen einmaligen Spurwechsel nämlich, so lange der Hintermann noch weit genug weg ist. Verstappen aber verletzte die internen Regeln der Piloten. Eine Art Ehrenkodex der Räikkönens, Vettels, Alonsos und Co.

Für die bedeutet "am Limit fahren“ nämlich: knallhart dagegenhalten ja, Gesundheit und Leben riskieren nein! Hätte Räikkönen in Spa bei Tempo 300  nicht in letzter Sekunde gebremst, ein Horrorunfall wäre unvermeidlich gewesen. Der Ferrari wäre aufgestiegen wie eine Rakete und irgendwo in den Ardennen zerschellt.


Verstappen rechtfertigte sein Manöver mit der Aug um Aug-Philosophie des alten Testaments. "Sie haben mein Rennen zerstört, deshalb zerstörte ich ihres!" Er bezog sich auf die Startkollision mit den den beiden Ferrari-Piloten Vettel und Räikkönen. Sie hätten ihn in der erste Kurve absichtlich in die Enge getrieben und ihm keinen Platz gelassen. Bloß: Der Startunfall in der Haarnadel bei Tempo 60, der von Experten als Verkettung unglücklicher Umstände, also als normaler Rennunfall gewertet wird, ist nicht mit der Aktion zu vergleichen, die Verstappen später mit Räikkönen machte. 

Das muss der blutjunge Holländer jetzt noch lernen – nicht nur innerhalb der Regeln fahren, sondern auch die internen Gesetze der Piloten beachten. Und auf Vendetta auf der Piste gänzlich zu verzichten. Auch um sich selbst zu schützen. Dieses junge Supertalent schafft seine nächsten Siege und WM-Titel auch mit etwas weniger Temperament.

Autor: Ralf Bach

Fotos: picture-alliance

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