Formel 1 testet HALO-Konzept

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Formel 1: Kommentar zu Halo

— 21.07.2017

Aber Hal(l)o?!

Ab 2018 fährt die Formel 1 mit dem Cockpitbügel Halo. Der Aufschrei unter einigen F1-Romanikern ist daher groß - unbegründet, findet Bianca Garloff.

Es steht fest. Die FIA führt 2018 in der Formel 1 den Heiligenschein ein. Heißt: Das Halo-System, ein Bügel rund ums Cockpit, soll den Kopf des Fahrers vor umherfliegenden Teilen schützen. Das mag man nun hübsch finden oder auch nicht. Man mag darüber lamentieren, ob der Helm nun noch schlechter zu erkennen ist oder die Autos ihren ursprünglich offenen Formel-Charakter verlieren. Man MUSS sogar darüber sprechen, ob das System nicht zu viele andere Gefahren für den Fahrer bereit hält. Zum Beispiel, dass ein Geschoss auf den Körper des Fahrers abgelenkt wird. Ein unausgereiftes Sicherheitssystem - das geht gar nicht!

Was mich aber gerade ziemlich auf die Palme bringt, sind die Aussagen und Kommentare von einigen Formel-1-Romantikern, die sich an der Rennstrecke offenbar nur dann wohl fühlen, wenn sie den Geruch des Todes riechen.

Als „Nervenkitzel“ wird die allgegenwärtige Gefahr von schweren Unfällen in der Königsklasse von denen kleingeschrieben. Fahrer werden ins Feld geführt, die den Sport auch deshalb so lieben, weil es ein „Restrisiko“ gebe. Hal(l)o? Geht's noch? Ich kenne niemanden, der sich in der Formel 1 wohl fühlt, weil er potentiell dreimal im Jahr zu einer Beerdigung gehen oder selbst unter der Erde landen kann. Und ich kenne auch keinen Fan, der Unfälle mit Todesfolge oder schweren Verletzungen sehen will.

Der Halo-Bügel wird die F1 in Zukunft verändern

Vielleicht waren die Schreiber dieser Kommentare auch vor drei Jahren in Japan nicht vor Ort, als Jules Bianchi viel zu früh aus dem Leben gerissen wurde. Ich habe noch vier Tage vorher mit ihm ein langes Interview geführt - und bis heute keine Lust mehr darauf nach Suzuka zu fliegen. Weil dieser Abend nach dem unglücklichen Crash einfach nur grausam war. Genau wie das einjährige Warten auf Jules' Tod.

Wahrscheinlich hätte Halo diese Verletzung nicht verhindert. Trotzdem: Ästhetik ist das eine. Sicherheit das andere. Der Kopf des Fahrers bleibt solange in Gefahr, wie er ungeschützt aus dem Auto herausragt. Und wenn Halo in den nächsten zehn Jahren auch nur einen Todesfall verhindert, hat sich der Einsatz von FIA-Präsident Jean Todt für dieses System schon gelohnt. Fragen Sie mal Fernando Alonso nach dessen Startcrash vor ein paar Jahren in Spa. Da schrammte Romain Grosjean im Millimeterabstand an seinem Helm vorbei.

Ich stimme deshalb GPDA-Chef Alex Wurz zu. Der schrieb auf Twitter: „Definitiv nicht das schönste Teil. Aber bitte bedenkt auf der positiven Seite: Sichere Autos bedeuten auch, dass wir künftig härter und schneller Rennen fahren können.“ Und da sind wir wieder beim sportlichen Aspekt: Was die Fans nämlich wollen, sind beinharte Zweikämpfe, Kurvenfahrten am Limit, Fliehkräfte jenseits von gut und böse. Und spektakuläre Mega-Crashes, die - und jetzt festhalten, liebe F1-Romantiker, die ihr den alten, gefährlichen Zeiten nachtrauert - gut ausgehen!

Unter diesen Umständen gewöhnt sich der normale Mensch ganz schnell an neue Optiken. Auch an Halo. Aber hallo!

Autor: Bianca Garloff

Fotos: Picture-Alliance

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