Formel 1: Die Hinterbänkler

Formel 1: Kommentar zu Kaltenborn

— 22.06.2017

Formel 1 verliert ein Aushängeschild

Dieses Thema beschäftigt die F1: Monisha Kaltenborn ist nicht länger Teamchefin von Sauber. Ein Kommentar von ABMS-Redaktionsleiterin Bianca Garloff.

Monisha Kaltenborn und Sauber haben sich getrennt. Soweit die objektive Nachricht. Klar, dass so ein Hammer verschiedenste Reaktionen hervorruft. Die eine Variante: Es wird nachgetreten. So wie das jetzt auch die üblichen Verdächtigen im Haifischbecken Formel 1 wieder tun. Da ist von einer sportlichen Talfahrt des Teams die Rede, von Fehlentscheidungen, von Unfähigkeit.
Das sagen die Fahrer zum Kaltenborn-Aus: Sauber-Piloten überrascht

Für mich ist der Abschied von Monisha Kaltenborn aus dem Chefsessel des Sauber-Teams ein trauriges Signal. Die Königsklasse verliert damit die einzige Frau in der höchsten Position, die ein Team zu vergeben hat. Kaltenborn war ein Aushängeschild dafür, dass auch das vermeintlich schwache Geschlecht sich auf dem Schleudersitz am Steuer eines Formel-1-Teams behaupten kann ­ wenn es schon keine Fahrerin ins Cockpit der schnellsten Autos der Welt schafft. Sie war Vorbild, sie war Hirn und Herz des Traditionsteams.

Monisha Kaltenborn mit Teamgründer Peter Sauber

Und noch wichtiger: Sie hat Sauber und damit rund 350 Arbeitsplätze vor der Pleite bewahrt. Das hat bei Marussia keiner geschafft, bei Caterham nicht und auch nicht bei HRT. Dabei war die finanzielle Schieflage, in die die Schweizer 2013 geraten waren, mehr als bedrohlich. Ohne gerechte Einnahmenverteilung und starke Sponsoren kann nunmal kein Team überleben. Lotus wäre ohne die Übernahme durch Renault längt verschwunden, Williams musste sich einem Milliardärssohn ausliefern. Kaltenborn kämpfte indes stets wie eine Löwin - sie musste dabei kühl kalkulierend seriöse und unseriöse Angebote trennen. Sie wäre für ihre Mitarbeiter in Australien 2015 fast sogar ins Gefängnis gegangen. Und das nur, weil von außen immer wieder feindliche Übernahmen durch fragwürdige Geschäftemacher drohten.

Dass die Performance des Autos in solchen Situation keine Priorität hat, ist nur verständlich. Unverständlich dagegen ist, dass Sauber auch mit dem durch Kaltenborn von Audi geholten technischen Direktor Jörg Zander bislang keine Fortschritte machen konnte. Frau Kaltenborn wollte den Fehler korrigieren. Das ließ man nicht mehr zu.

Kaltenborn war 20 Jahre lang beim Sauber F1 Team

Auch stimmt es nicht, dass die Österreicherin durchweg ohne Erfolge dasteht. 2012 und 2013 war der Sauber mit Kamui Kobayashi oder Nico Hülkenberg am Steuer sehr wohl konkurrenzfähig. Hülkenberg hatte sich mit starken Leistungen sogar ins Visier von Ferrari gefahren. Kobayashi stand 2012 ausgerechnet in Japan auf dem Podium. Verantwortlich damals: Kaltenborn.

Und jetzt der Fall Wehrlein. Wenn ein Fahrer sich so klar hinter seine Ex-Teamchefin stellt, kann diese so schlecht nicht gewesen sein. Stellte sie am Ende die Gleichberechtigung beider Fahrer sogar über ihr eigenes Wohl? So wie ich sie kenne, kann ich mir das sehr gut vorstellen. Und auch deshalb kann ich nur den Kopf schütteln über die Leichenfledderer, die sich an ihrem Abschied erfreuen. Wir werden sehen, ob es ihr Nachfolger besser macht. Und ob sie nicht doch bald wieder in der Formel 1 auftaucht. An einem Platz, wo man ihre Arbeit zu schätzen weiß.

Autor: Bianca Garloff

Fotos: Picture Alliance

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