Stefano Domenicali

Formel 1: Kommentar zum Domenicali-Rücktritt

— 14.04.2014

Domenicali wird Ferrari fehlen

AUTO BILD MOTORSPORT Redakteurin Bianca Garloff kommentiert in ihrer Kolumne den Rücktritt von Ferrari-Teamchef Stefano Domencali.

Als ich heute früh von Stefano Domenicalis Rücktritt als Ferrari-Teamchef hörte, musste ich an eine Szene aus Bahrain denken. Am Freitagnachmittag hatte er meinen Kollegen Ralf Bach und mich spontan zum Kaffee eingeladen. Als wir gerade ein paar Minuten zusammengesessen hatten, kam Matteo Bonciani vorbei. Der Italiener ist Pressechef der FIA und ein enger Vertrauter von FIA-Präsident Jean Todt. Er schlug Domenicali zweimal auf die Schulter und wandte sich dann mit den Worten an uns: „Er ist einer der Besten hier im Fahrerlager.“

Der Präsident & sein (Ex-)Teamchef: Luca di Montezemolo (li.) & Stefano Domenicali (re.) im Gespräch

Der Noch-Ferrari-Teamchef hielt dem unerwartet überschwänglichen Lob mit seinem Blick stand, doch ein paar Minuten später schwenkte er die weiße Flagge. Mercedes sei als Gesamtkonzern im Rahmen des neuen Regelwerks so überlegen, dass selbst eine Firma wie Ferrari kaum noch dagegen ankämpfen könne. Etwas mehr als eine Woche später hat Domenicali den Kampf aufgegeben. Der ständige Druck von il presidente Luca di Montezemolo war am Ende zu groß, die Kritik der italienischen Tageszeitungen zu schmerzhaft. Sechs Jahre lang musste der Italiener sich vorwerfen lassen, er sei zu nett für ein Team, in dem jeder gegen jeden Politik macht. Seine Antwort war immer dieselbe: „Ich lasse mich nicht verbiegen und werde mich für meinen Job nicht ändern.“ Der Rücktritt war die letzte Konsequenz.

Eigentlich hat Domenicali nie so richtig in die Formel 1 und zu Ferrari gepasst. Während sein Präsident stets den ganz großen Auftritt zelebriert, blieb der Italiener aus der Rennstadt Imola lieber im Hintergrund. Im Fahrerlager traf man ihn seltener als in seinem Büro. Als fairer Sportsmann musste er in Australien angesichts der Spritfluss-Debatte um Red Bull sogar über den Witz meines Kollegen lachen: „Seit Ferrari nicht mehr besch..., gewinnt Ihr auch nicht mehr.“  Für Ferrari wird Domenicalis Aus dennoch ein herber Rückschlag sein. Er hat die Autos nicht gebaut, die immer wieder floppten.

AUTO BILD MOTORSPORT Redakteurin Bianca Garloff berichtet aus den Fahrerlagern dieser Welt

Mit schnellen Entscheidungen hat er stattdessen mehr als einmal den Feuerwehrmann gespielt. Er hat den Chaoshaufen, den Jean Todt, Michael Schumacher und Ross Brawn nach ihrem Rücktritt in Maranello hinterlassen haben, zusammengehalten und ihm eine neue Struktur verpasst. Er hat die launische Diva Fernando Alonso stets eingefangen, wenn sie mal wieder auszubrechen drohte. Er hat unpopuläre Entscheidungen wie die Stallorder in Hockenheim 2010 gefällt und verteidigt. Und er hat die Scuderia mit jenen Spitzen-Technikern verstärkt, die Mercedes noch nicht vom Markt gekauft hatte. Ganz abgesehen vom freundschaftlichen Verhältnis, das er über die Jahre zu Ferraris Wunschfahrer Sebastian Vettel aufgebaut hat...

Der Neue, Marco Mattiaci, hat im Gegensatz dazu nicht wirklich viel Ahnung von Motorsport. Er ist ein Marketing-Mann, der Ferrari bislang in Nordamerika vertreten hat. Keine ideale Besetzung. Aber das dürfte jetzt sowieso egal sein. Der neue Chef bei der Scuderia heißt für mich nämlich Fernando Alonso.  Auch die Formel 1 wird sich noch wundern. Nach Ex-McLaren-Boss Martin Whitmarsh ist mit Stefano Domenicali nun der zweite Teamchef verschwunden, der die Diskussionen über die Zukunft der Königsklasse mit vernünftigen Vorschlägen bereichert hat. Übrig geblieben sind in der Strategiegruppe viele Egomanen, denen die Zusammenarbeit schwer fallen wird. Verlierer sind die kleinen Teams. Das Scheitern der Kostenbremse ist ein erstes besorgniserregendes Signal.

Der neue Chef im Ring: Ist nach dem Domenicali-Aus in Wahrheit Fernando Alonso (li.) der Leader bei Ferrari?

Domenicalis Problem ist das jetzt nicht mehr. Er wird erst einmal in sein Zuhause nach Monza zurückkehren, wo seine Frau und seine zwei Kinder auf ihn warten. Er wird das nachholen, was er in den vergangenen sechs Jahren versäumt hat, als er von Montag bis Freitag, von acht bis 22 Uhr und an jedem zweiten Wochenende sowieso nur für Ferrari da war. Schon vor ein paar Jahren hat er mir mal gesagt, dass das eigentlich kein Leben sei. Trotzdem wollte er unbedingt diesen einen WM-Titel. Seine Geduld war groß, aber nicht endlos.

Autor: Bianca Garloff

Fotos: Getty Images / BG

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