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Formel 1: Längere Boxenstopps

— 26.03.2017

Mechaniker mit breiten Schultern gefragt

Die F1-Teams erwarten in Melbourne nur einen Boxenstopp - und der muss sitzen: Die Arbeit der Mechaniker ist mit den breiteren Reifen 2017 deutlich schwerer.

Wenn die Technik streikt, hilft notfalls nur noch pure Manneskraft. Diese Motto gilt auch in der Formel 1 - und 2017 mehr denn je! „Vor ein paar Jahren hat der verstellbare Heckflügel an Michael Schumachers Auto geklemmt, da habe ich beim Boxenstopp einfach draufgehauen - ganz altmodisch“, erzählt Karl Franson. Behoben war der Schaden. Franson, Brite und ein Bär von einem Mann, ist Garagenchef in der Mercedes-Box und während eines Boxenstopps verantwortlich für den hinteren Wagenheber.
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Dass er mit bloßen Händen eingreifen muss, kommt indes immer seltener vor: Die Boxenstopps aller Topteams sind fast voll automatisiert, sogar die Schlagschrauber senden Signale an die Wagenheber, wenn das Auto wieder abgesenkt werden kann. Franson muss den sogenannten 'Jack' dann nur noch wegziehen.

Beim Boxenstopp muss jeder Handgriff sitzen

Bis zu 100 000 Euro kostet eine vollautomatisierte Ampelanlage. Allein das Abziehen und Aufsetzen der Reifen ist noch echte Handarbeit. Und die wird für die perfekt eingespielte Mannschaft der 16 Mercedes-Mechaniker 2017 anstrengender. Die Vorderreifen sind sechs Zentimeter breiter und ein Kilogramm schwerer als vergangenes Jahr, die Hinterreifen sogar acht Zentimeter breiter und zwei Kilo schwerer.

Der 2016 aufgestellte inoffizielle Boxenstopp-Rekord von Mercedes - sagenhafte 1,73 Sekunden - wird in diesem Jahr kaum zu knacken sein, die Crews müssen ihre Abläufe neu einstudieren. „Das Gewicht ist dabei gar nicht mal das Problem“, erläutert Mercedes-Chefstratege James Vowles. „Es sind Form und Größe der Reifen. Arm- und Beinhaltung müssen geändert werden, um die Reifen gut manövrieren zu können.“ Teammanager Ron Meadows, ein Urgestein der Formel 1, ergänzt: „Die größte Herausforderung wird es sein, mit den Reifen von der Garage in die Boxengasse zu laufen.“ Vowles bestimmt am Kommandostand, wann ein Fahrer zum Reifenwechsel antritt, Meadows informiert die Männer in der Garage.
Das Zusammenspiel der Mechaniker ist in den vergangenen Jahren immer weiter technisiert worden. „Wir waren 2011 zum Beispiel die Ersten mit den Radmuttern, die mit der Felge verbunden sind“, sagt Meadows. Seitdem können die Muttern den Mechanikern nicht mehr aus der Hand fallen. „Unser Ziel sind keine neuen Rekorde, sondern konstante Stopps“, verrät Vowles. Dafür wird vier- bis fünfmal pro Woche in der Fabrik in Brackley trainiert. „Grundsätzlich sind dieses Jahr Männer mit breiten Schultern gefragt. Die Jungs machen viel Fitnesstraining, gehen in die Kraftkammer. Und wir haben jetzt sogar einen eigenen Trainer für sie. Die Menge an Arbeit, die sie in diese 1,8 Sekunden stecken, ist außergewöhnlich.“

Auf die Crew kommt 2017 deutlich härtere Arbeit zu

Der Mann mit der größten Verantwortung beim Reifentausch ist Chefmechaniker Matt Deane. Er ist der Einzige, der verhindern kann, dass die Ampel nach dem Stopp zu früh automatisch auf Grün schaltet und der Pilot wieder auf die Strecke geschickt wird. „Früher habe ich den Lollipop gehalten, heute müsste ich einen Knopf drücken, damit die Ampel rot bleibt.“ Das ist zum Beispiel der Fall, wenn die Boxengasse voller Autos ist und ein Unfall droht. „Das ist, als stündest du in der Mitte einer Autobahn und würdest den Verkehr regeln wollen.“

Zwei Mercedes-Sterne mit einer gelben Linie an der Boxenmauer helfen Deane bei der Orientierung. Hat ein gegnerisches Auto die erste Markierung passiert, müssen Valtteri Bottas oder Lewis Hamilton warten. Erst wenn die zweite Linie überquert wird, gibt er grünes Licht. Deane: „Es ist eine Entscheidung, die ich in Sekundenbruchteilen zu treffen habe.“ Und die am Ende dennoch elementar über Sieg oder Niederlage des ganzen Teams entscheiden kann.

Autor: ABMS

Fotos: Picture-Alliance

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