Prema

Formel 1: Lance Stroll fix bei Williams

— 05.11.2016

Villeneuve kritisiert Bezahlfahrer Stroll

Formel-3-Europameister Lance Stroll startet ab der kommenden Saison in der Formel 1 für Williams. Auf seinem Weg dorthin half ihm besonders sein Vater.

20 Jahre nach dem Titelgewinn von Jacques Villeneuve mit Williams wird mit dem frisch gebackenen Formel-3-Europameister Lance Stroll 2017 erneut ein Kanadier für den britischen Rennstall fahren. Das gab der britische Rennstall heute bekannt. "So viele tolle Fahrer fuhren für Williams, das Team hat so viel Erfahrung und Tradition und es gewann Meisterschaften“, erklärte Stroll bereits kürzlich im Interview mit AUTO BILD MOTORSPORT. "Ein Teil der Familie zu sein, ist großartig. Ich bin sehr dankbar für diese Möglichkeit. Ich werde mein Bestes geben."

Allein: Schon jetzt weht Stroll heftiger Gegenwind ins Gesicht. Ausgerechnet sein kanadischer Vorgänger Jacques Villeneuve sagt zu ABMS: „Wenn Stroll Erfolg hat, dann nur, weil sein Vater ihm seine gesamte Karriere finanziert hat – und ihm sogar eine Kartbahn in der Nähe des Wohnhauses in Kanada baute. Es ist nicht gut für den Sport, wenn der Vater seinem Sohn Cockpits und ganze Teams kaufen kann, nur weil er reich ist – denn, ich bleibe dabei: Talent kann man sich trotzdem nicht kaufen." Villeneuve räumt zwar ein: "Mag sein, dass Lance talentiert ist, aber er hat nie gelernt zu kämpfen."

Fakt ist: Auf dem Weg in die Königsklasse war sein Milliarden-schwerer Vater Lawrence, der unter anderem in die Modelabels Tommy Hilfiger und Michael Koors investierte, der größte Unterstützer. Stroll senior besitzt das Formel-3-Team Prema Power, mit dem sein Filius zum Meistertitel in der Formel 3 fuhr und in dem auch Mick Schumacher startet. Papa Stroll soll sich zudem Anteile bei Williams gesichert haben, die aktiv werden, wenn sein Sohn ein Cockpit bekommt – für 40 Millionen Dollar!

Stroll junior gibt zu: "Motorsport ist ein Sport, wo Geld wichtig ist. Natürlich bin ich sehr glücklich, dass mein Vater mir in diesem teuren Sport hilft." Allein: Nicht nur finanziell steht sein Dad ihm bei: "Mein Vater ist für mich sehr wichtig. Er tut alles dafür, um mich glücklich zu machen und ist jederzeit für mich da", so der junge Kanadier.

In diesem Jahr gewann Stroll die Formel-3-EM

In der Formel 3 fuhr Lance Stroll deshalb sogar mit speziellem Material. Williams-Radaufhängungen sollen dabei gewesen sein, genau wie spezielle Kennfelder des Mercedes-Motors. Im Vorjahr diente der Meister Felix Rosenqvist als sein Fahrlehrer innerhalb des Prema-Teams. Doch der Junior lieferte auch: 2016 gewann der neue Williams-Pilot mit über 100 Punkten Vorsprung die Formel-3-EM. Kein anderer Fahrer zuvor dominierte die Nachwuchsserie wie er. Mit 17 Jahren ist der Kanadier zudem der jüngste Meister aller Zeiten. Williams musste mit der Verkündung des Deals bis jetzt warten, weil Stroll noch nicht volljährig war – und damit keine Werbung für Teamsponsor Martini hätte machen dürfen.
Mick Schumacher fährt in der Formel 3: Rettet er damit die DTM?

Strolls Vater war es schließlich auch, der den Nachwuchsstar zum Motorsport brachte. Der Unternehmer besitzt die Rennstrecke Mont Tremblanc, auf der auch die Formel 1 in den 70er Jahren gastierte. Inspiration für den Motorsport erhielt sein Sohn jedoch von Michael Schumacher: "Er ist mein Idol, zu ihm sehe ich auf", schwärmt Lance. "Er hat hart für seine Siege gearbeitet und ist trotz des enormen Erfolgs auf dem Boden geblieben. Das bewundere ich an ihm."

Die Vorbereitung auf Strolls erste Formel-1-Saison bleibt extrem professionell. Derzeit testet er den Williams von 2014 überall auf der Welt, um sich an die schnellen Hybrid-Flitzer und die neuen Strecken zu gewöhnen. Das Programm begann in Europa und soll weltweit fortgesetzt werden. Immer mit dabei: der ehemalige Renningenieur seines Idols. Ex-Schumacher-Techniker Luca Baldisseri lernte Stroll in der Ferrari Academy kennen und verließ die Scuderia für den neuen Formel-1-Star. Stroll: "Er war derjenige, der mich neben meinem Vater am meisten gefördert hat."

Kommentar von ABMS-Redakteur Michael Zeitler

Motorsport ist teuer. Ohne Geld schafft kein Fahrer den Durchbruch. Selbst als Rennfahren noch ein Wettlauf mit dem Tod war, mussten Fahrer wie Niki Lauda Geld mitbringen, um in der Königsklasse an den Start gehen zu können. Selbst Michael Schumacher, später Rekord-Weltmeister, kam nicht kostenlos in die Formel 1.

Aber Lance Stroll übertrifft alles. Nicht, weil er schon gerne mal mit dem Privatjet zum Testen kommt. Sondern, weil er sich seine Formel-1-Karriere wirklich erkauft hat. Stroll hat Erfolge feiern können, aber zu welchem Preis? Wer in einer Zeit, in denen offizielle Testfahrten so gut wie in jeder Rennserie untersagt oder stark limitiert sind, ständig testet, der hat gegenüber seinen Wettbewerbern einen Vorteil. Wer sich das beste Auto teuer erbauen lässt, nachdem sich der Vater das beste Team unter den Nagel gerissen hat, der hat sich ebenfalls einen Vorteil erkauft. Was sind solche Erfolge dann wert?

Stroll ist Formel-3-Europameister und wer diesen Titel erringen konnte, der kann nicht schlecht sein. Aber es gibt eben auch andere Talente in den Nachwuchsklassen, die eine Stufe weiter sind als Stroll, die ein Quäntchen besser sind als der Kanadier; die aber auch weitaus ärmer sind als der 18-Jährige. Sie hätten einen Formel-1-Aufstieg mindestens genauso verdient, schauen aber wohl in die Röhre. Damit ist zum Beispiel Antonio Giovinazzi gemeint, der aktuell die Formel-1-Vorstufe GP2 anführt.

Auch in Zukunft wird es Fahrer wie Lance Stroll in der Formel 1 geben. Aber man kann die Symptome lindern. Indem man die Kosten in allen Kategorien endlich runterschraubt und Rennsport auch wieder für weniger betuchte Fahrer bezahlbar macht. Dann nagen weniger Teams am Hungertuch und der Ruf nach Paydrivern à la Stroll wird geringer.

Mehr Formel-1-News: hier im F1-Live-Ticker

Im Video: Strolls heftiger Unfall 2015 in Monza.


Autoren: Bianca Garloff, Alexander Warneke

Fotos: picture-alliance

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