Mercedes-Motor

Formel 1: Leise Motoren bald lauter?

— 09.04.2014

Hersteller treffen sich in Shanghai

Nach der Sound-Kritik der letzten Wochen will die Formel 1 Abhilfe schaffen: In China treffen sich vor dem nächsten GP die drei Aggregatslieferanten.

Die leisen Turbomotoren der Formel 1 könnten schon bald wieder lauter werden! AUTO BILD MOTORSPORT erfuhr: Vertreter von Mercedes, Renault und Ferrari treffen sich am Donnerstag in Shanghai (17.04.), um über mögliche Änderungen am Sound der Triebwerke zu beraten. Dabei gehe es hauptsächlich darum, wie man die Geräuschkulisse verbessern kann, ohne Einfluss auf die Leistung zu nehmen. Wie das gehen soll? „Lautsprecher!“, sagt Mercedes-Motorchef Andy Cowell. „Wir prüfen das gerade. Mechanisch ist das nämlich nicht so leicht.“ Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff ergänzt: „Wenn der Sound für die Fans wirklich ein Problem darstellt, müssen wir daran arbeiten. Das heißt aber nicht, dass der gesamte Sport schon wieder geändert werden muss.“

Kritik ist wenig sinnvoll

Treffen sich vor dem China GP: Ferraris Stefano Domenicali (li.) & Mercedes' Niki Lauda (re.) - Red Bulls Helmut Marko wird durch Renault vertreten

Was Wolff meint: Die Kritik von Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo, das Rennfahren gleiche im Spritsparmodus eher einer Taxifahrt, kann Mercedes nicht nachvollziehen „Wir fahren das ganze Rennen mit Vollgas und sind von einer Taxifahrt weit entfernt“, so der Österreicher. AUTO BILD MOTORSPORT weiß: In Malaysia hatten die Silberpfeile nach Rennende sogar noch sechs Kilo Benzin im Tank. Wolff weiter: „Wir sollten jetzt nicht den Sport als Ganzes schlechtreden. Die Formel 1 ist für uns dazu da, unsere Marke zu promoten. Mercedes ist ein Hightech-Automobilhersteller. Wenn wir den Sport kritisieren, sagen wir indirekt auch, dass unsere Autos schlecht sind.“

Lauda spricht von Schwachsinn

Deshalb ist Mercedes derzeit auch gegen alle Änderungen, die die Performance beeinflussen können. Ferrari-Boss Montezemolo plädierte beispielsweise für zehn Kilogramm mehr Benzin pro Rennen (110 statt 100) und eine unbegrenzte Spritflussmenge. Antwort von Mercedes-Aufsichtsrat Niki Lauda: „Ich diskutiere diesen Schwachsinn nicht. Es gibt ein Regelwerk.“ Wolff räumt ein: „Unsere Gegner könnten ja auch einfach mal sagen: Da hat Mercedes einen besseren Job gemacht als wir! Immerhin kennen wir die neuen Regeln jetzt lange genug und jeder hatte die gleiche Chance sich darauf vorzubereiten.“

Todt scherzt über Ecclestones Hörgerät

Jean Todts kleiner Seitenhieb unter Freunden: Bernie Ecclestone (li.) höre sowieso nicht mehr richtig! Unser Bild bestätigt diesen Eindruck...

Prominenten Zuspruch erhält Mercedes übrigens von höchster Stelle: Ausgerechnet FIA-Präsident Jean Todt, der in Bahrain erstmals in diesem Jahr vor Ort war, um sich ein Bild vom neuen F1-Sound zu machen, tat die Ändrungswünsche von Montezemolo, Ecclestone und Co. mit einem Schmunzeln ab. "Mein Freund Bernie (Ecclestone; d. Red.) hat zum Beispiel im Ohr eine kleine Maschine, weil der Lärm über die Jahre sein Gehör zerstört hat", kommentiert Todt amüsiert. Und auch hinter der Forderung vieler Teams, nun Modifiktaionen vorzunehmen, sieht der Franzose eher eine andere Motivation. "Die vorne beschweren sich nicht, die hinten schon. Das war doch schon immer so."

Rückendeckung für Mercedes

Zwar wolle er die Beschwerden nicht ignorieren, so Todt - doch große Veränderungen unter der Saison werde es nicht geben. Das sei schon allein wegen des Reglements nicht möglich. "Es wäre unfair, ein Team zu bestrafen, das besser gearbeitet hat als die anderen", erklärt der FIA-Boss mit Blick auf Mercedes und fügt an, dass er die Stuttgarter nicht einbremsen wird. "Das ist nicht mein Job. Sind wir doch mal ehrlich: Irgendwer dominiert eben immer und das ist auch schon seit jeher so. Der Ball liegt jetzt also bei der Konkurrenz. Sie müssen schneller werden. Es ist ihre Herausforderung." Und die Voraussetzung, um irgendwann doch die Regeln zu ändern? "Es muss einen einstimmigen Beschluss unter allen Teams geben", so Todt. "Erst dann können wir darüber reden."

Autoren: Ralf Bach, Bianca Garloff, Frederik Hackbarth

Fotos: Mercedes / Getty Images

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