Hamilton

Formel 1: Lewis Hamilton exklusiv

— 11.10.2014

Ich werde Weltmeister!

Lewis Hamilton spricht im Exklusivinterview mit AUTO BILD MOTORSPORT über seine WM-Ambitionen, Teamkollege Nico Rosberg und die Mercedes-Familie.

Herr Hamilton, bitte tippen Sie für unsere Leser: Wie wird der WM-Endstand nach dem letzten Rennen in Abu Dhabi aussehen?

Hamilton schreibt die Rangliste auf ein Stück Papier: 1. Lewis (Hamilton); 2. Nico (Rosberg); 3. Daniel (Ricciardo).
Hamilton: War ja wohl klar, dass ich auf mich als Weltmeister tippe, oder? Für mich zählt nur der Titel.

Vielleicht. Aber Hand aufs Herz: Was macht Sie so sicher, dass Sie Nico Rosberg schlagen werden?

Nichts Spezielles. Ich mache einfach mein Ding. Das ist: Das Rennfahren weiter genießen mit der Gewissheit, dass wir das beste Auto haben. Ich geniesse das einfach. Und dann kommt’s, wie es kommt.

Trotzdem: Haben Sie vor der Saison gedacht, dass Nico Rosberg so stark sein würde? Immerhin führt er im Qualifying-Duell 09:06. Haben Sie ihn möglicherweise unterschätzt?

Zettelwirtschaft: Lewis Hamilton schreibt exklusiv für ABMS seinen Wunsch-Endstand 2014 auf

Nein, ich wusste, dass er sehr stark sein würde. Das war er schon vergangene Saison. Und er ist noch stärker geworden. Ich hatte nie die geringsten Zweifel, dass das so ist. Ich kenne Nico jetzt schon lange. Er hat so eine starke Persönlichkeit und Vertrauen in seine Fähigkeiten. Er wird mit viel Selbstvertrauen in die nächsten Rennen gehen. Ich erwarte ihn stärker denn je. Darauf muss ich vorbereitet sein.

Ihr Duell mit Nico Rosberg verläuft sehr intensiv in dieser Saison. Was war der schwierigste Moment?

Wahrscheinlich hatten wir in Spa die schwierigste Situation. Aber diese Zeiten haben wir hinter uns gelassen. Die Stimmung im Team ist jetzt wieder gut – so wie vorher.

Sicher? 1990 hat sich Ayrton Senna so ungerecht behandelt gefühlt, dass er Selbstjustiz geübt und Alain Prost einfach abgeschossen hat. Können Sie sich vorstellen im letzten Rennen auch in so eine Situation zu kommen?

So was würde in der heutigen Formel 1 nie passieren – als Fahrer würde man wahrscheinlich in den Knast geschickt! Jedenfalls kann ich verstehen, warum Senna so gehandelt hat, denn solche Emotionen gehören zur Natur des Menschen. Wir brauchen mehr Duelle und ich bin stolz in diesem Jahr Teil eines ähnlichen Kampfes zu sein.

Wie haben Sie es nach der Hitze des Gefechts in Spa geschafft wieder herunterzukommen?

Weil ich die Sache so schnell wie möglich wieder abgehakt habe. Es bringt nichts, sich lange mit den Dingen zu beschäftigen, die man nicht mehr ändern kann. Die Ziele, die vor mir liegen, sind immer größer als Dinge aus der Vergangenheit.

Inwiefern ist es ein Vorteil, dass Sie – im Gegensatz zu Ihrem Teamkollegen – schon einen Titel gewonnen haben?

Hamilton... und dann lange nichts. Immerhin Platz zwei gönnt der Brite Teamkollege Rosberg noch

Das ist kein Vorteil, weil wir beide schon vor unserer Formel-1-Zeit Titel gewonnen haben. Der Aufwand dafür und der mentale Druck waren ähnlich. Wenn du im Auto sitzt, denkst du nicht daran, dass Millionen Leute zuschauen oder wie viel auf dem Spiel steht. Du fährst einfach hochkonzentriert deinen Stiefel runter. Deshalb baust du keinen zusätzlich Druck auf.

Genau vor einem Jahr haben sie in einem Interview gesagt, dass Nico mehr Zeit mit den Ingenieuren verbringt als Sie das tun. Ist das auch diese Saison noch der Fall?

Das hat sich wahrscheinlich ein bisschen geändert. Ich verbringe jetzt mehr Zeit mit den Technikern als früher. Aber noch wichtiger ist, dass du klar im Kopf bist. Du musst immer wissen, was für dich das Beste ist. Und das weiß ich ganz genau für mich.

Ist es auch eine spezielle Motivation, einen deutschen Piloten in einem deutschen Team zu schlagen?

Nein, denn dazu muss man wissen: Ich komme aus einer multikulturellen Familie. Das heißt: Rasse oder Nationalität spielten für mich nie eine Rolle.

Sie haben also keinerlei Bedenken, dass Sie als Brite bei Mercedes benachteiligt werden könnten?

Nein, absolut nicht. Bei uns gibt es immer zu Hundertprozent Fairplay.

Wie wichtig ist es Ihnen, dass Sie der erste Mercedes-Weltmeister seit Juan-Manuel Fangio 1955 werden können?

Ehrlich gesagt, darüber habe ich mir noch gar keine Gedanken gemacht. In meinem Verständnis war ich 2008 der letzte Mercedes-Weltmeister. Denn der McLaren damals war ja eigentlich auch schon ein Mercedes...
... Einspruch. Sie haben  Jenson Button vergessen. Der wurde 2009 mit einem Mercedes-Motor Weltmeister.

Für Rosberg wird es verdammt schwer: Hamilton ist derzeit vielleicht in der Form seines Lebens

... ja, Tschuldigung (lacht). Aber McLaren war für mich mehr ein Mercedes als der Brawn damals. Ok, einigen wir uns darauf: Jenson und ich waren die letzten Mercedes-Champions. Was ich auf jeden Fall weiß: Ich fühle mich als Teil der Mercedes-Familie seit ich 13 Jahre alt bin. Mercedes ist eine der coolsten und traditionsreichsten Marken der Welt.

Trotzdem gibt es immer wieder Gerüchte, dass Sie Mercedes am Ende dieser Saison verlassen könnten – insbesondere, wenn Sie den Titel verlieren. Können Sie diesen Gerüchten hier und heute ein Ende setzen.

Diese Gedanken habe ich mir nie gemacht. Ich habe für nächstes Jahr noch einen Vertrag, so fängt das schon mal an. Ich fühle mich sehr glücklich hier, es ist für mich eine Familie. Ich bin in meiner Karriere und in meinem ganzen Leben glücklicher als je. Das Team und ich haben das positive Gefühl, dass wir auch darüber hinaus zusammenarbeiten sollten. Es gibt keinen Grund anzunehmen, warum sich das in Zukunft ändern sollte.

Angeblich hat Ferrari nicht nur mit Sebastian Vettel, sondern auch mit Ihnen gesprochen?

Nein, das stimmt nicht.

Bereuen Sie in Ihrer Formel-1-Karriere etwas, was Sie am liebsten rückgängig machen könnten?

Nicht mehr für jeden Quatsch zu haben - aber für ein Selfie immer: Hamilton mit den ABMS-Reportern

Manche Rennen, die ich hätte gewinnen können, aber nicht gewonnen habe. Dann natürlich das Rennen in China 2007, als ich beim Boxenstopp ins Kiesbett fuhr. Das war ein unnötiger Ausfall, obwohl ich wahrscheinlich nicht gewonnen hätte, weil damals Kimi Räikkönen mit dem Ferrari schneller war. Generell aber hätte ich gerade zu Beginn meiner Karriere gerne öfters „Nein“ gesagt. Du musst erst lernen, dass du auch mal Dinge ablehnen kannst, wenn sie dir nicht gefallen. An eine Sache erinnere ich mich noch heute. Es gab in der Türkei mal ein Sponsor-Event, wo sie mich an Seilen aufgehängt von der Decke schweben ließen. Ich sollte den griechischen Gott Apollo mimen und fühlte mich einfach nur albern. Heute würde ich sowas nicht mehr mit mir machen lassen.

Autoren: Ralf Bach, Bianca Garloff

Fotos: ABMS / Getty Images

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