Formel-1-Lügen-Affaire

Formel-1-Lügen-Affaire

— 28.04.2009

Hamilton log zweimal

Morgen, 29. April 2009, muss sich Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton für sein Verhalten beim Australien Grand Prix 2009 vor der FIA in Paris verantworten. Überleben die Silberpfeile?

Sportlich geht es nach Platz fünf in Bahrain fürs Silberteam wieder bergauf. Doch wenn Lewis Hamilton und McLaren-Mercedes sich am Mittwoch vorm FIA-Weltrat für die Lügenaffäre rechtfertigen müssen, geht es nicht nur um McLarens und Mercedes Zukunft in der Formel 1. Obwohl Hamilton alle Schuld von sich weist, geht es vor allem um seinen Ruf als fairer Sportsmann. Denn in Paris will die FIA auch eins herausfinden: Hätten Hamilton und McLaren ihr Fehlverhalten schon vor der zweiten Anhörung in Malaysia zugeben können? Oder hielten beide Parteien die Wahrheit absichtlich weiter zurück?

Rückblende: McLaren-Teammanager David Ryan hatte Hamilton in Australien zur Falschaussage angestiftet. Der McLaren-Pilot sollte behaupten, Jarno Trulli hätte ihn in der Safetycar-Phase des GP Australien unrechtmäßig überholt. Ziel: den Toyota-Fahrer so von Platz drei verdrängen. Dumm nur: Die Boxenfunkprotokolle und ein Hamilton-Interview direkt nach dem Rennen deuteten darauf hin, dass der Weltmeister Trulli freiwillig passieren ließ. Doch Lewis Hamilton hat nicht nur in der ersten Anhörung das Gegenteil behauptet. Auch vier Tage später log er in der zweiten Befragung in Malaysia weiter.

Es wurde munter weiter geflunkert

Nach Informationen von AUTO BILD MOTORSPORT beharrte er selbst dann noch auf seiner Flunker-Version, als die Rennkommissare ihm den Boxenfunk mit der Anweisung: „Lewis, lass Trulli vorbei!“ vorspielten. Hamiltons Ausrede: Der Boxenfunk sei doch kaum zu verstehen. Dabei war die Aufnahme einwandfrei. Erst als die Stewards nach fast einer Stunde auch das Interview des britischen Journalisten Adam Cooper vorlegten, bröckelte das Lügen-Konstrukt des Briten. Hamilton kleinlaut: "Dann habe ich jetzt wohl ein Problem." Pikant dabei: McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh behauptete zwar, erst am Freitag in Malaysia vom Betrugsversuch erfahren zu haben. Doch Hamiltons Ausrede, ihm fehlte die Zeit über die Folgen seines Handelns nachzudenken, hatte im zweiten Verhör keinen Bestand. Denn: "Zwischen den beiden Rennen in Australien und Malaysia hat Lewis ständig mit jemandem von McLaren telefoniert", weiß ein Hamilton-Vertrauter, "und das Thema dieser Telefonate war eindeutig. So unschuldig wie Lewis tut, ist er nicht."

Mit drastischen Maßnahmen ist zu rechnen

Unter Umständen wäre Hamilton damit sogar Wiederholungstäter. Denn aus FIA-Kreisen ist zu hören, dass der Brite schon früher geschwindelt haben könnte. Zunächst in Ungarn 2007, als Teamkollege Fernando Alonso in der Qualifikation solange die Box blockierte, dass Hamilton keine schnelle Runde mehr gelang. Und nur wenig später in Fuji, als Mark Webber und Sebastian Vettel in einer Safetycar-Phase kollidierten, weil der Führende Hamilton plötzlich bremste. Da auch sein Team nach der Spionage-Affäre 2007 unter Beobachtung steht, rechnen Experten mit drastischen Strafen. Wahrscheinlich sind eine Sperre von zwei Rennen oder ein entsprechender Punktabzug, dazu eine Geldstrafe in Höhe von rund 30 Millionen Euro. Nur die volle Kooperation von Fahrer und Team mit den Weltrat-Mitgliedern und der Rückzug von Ron Dennis könnten die Richter milde stimmen.

Das Vertrauen ist zum Teufel

Indes bröckelt das Vertrauensverhältnis zwischen dem Weltmeister und seinem Team weiter. Mehrere McLaren-Mitarbeiter sind sauer, dass Vater und Sohn Hamilton die Schuld allein auf den mittlerweile entlassenen Teammanager Dave Ryan und Ex-Boss Ron Dennis schieben. Insider lästern schon: "Das machen die Hamiltons immer so. Als es 2004 in der Formel 3 beim Manor-Team nicht lief, beschwerten sie sich bei Ron Dennis, die Mechaniker würden ständig saufen." Vater Anthony Hamilton hat von dem ganzen Chaos langsam genug. Zu AUTO BILD MOTORSPORT sagte er: "Nun dachten wir, mit Jenson Button als neuem britischem Helden hätten wir endlich mal eine ruhige Saison. Und dann das!"

Autor: Bianca Garloff

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