Andretti

Formel 1: Mario Andretti

— 20.10.2016

Verlieren verboten

Am Wochenende steht der Große Preis von Amerika an. Wieder ohne einheimischen Fahrer. Der letzte erfolgreiche Formel-1-Ami war Mario Andretti.

Die USA ist eine der größten Motorsport-Nationen überhaupt – und doch geht der USA-GP am Wochenende (Sonntag, 21 Uhr, RTL, Sky) ohne einheimischen Fahrer über die Bühne. Alexander Rossi hat sich letztes Jahr zwar in die Formel 1 hochgekämpft, ist inzwischen aber in die IndyCar-Serie abgewandert und hat 2016 prompt die 100. Ausgabe des legendären Indy 500 gewonnen. Im Kart ist Logan Sargeant gerade ein Überflieger, aber bis er Formel 1 reif ist, vergehen noch Jahre.

Und so bleibt Mario Andretti der letzte US-Held in der Formel 1. 1978 wurde er Weltmeister, aus jenem Jahr stammt auch der bis heute letzte GP-Sieg eines US-Amerikaners (beim GP von Holland).

Warum ist Andretti nicht in Amerika geblieben, sondern hat auch in der Formel 1 Karriere gemacht – anders als andere Rennhelden wie Dale Earnhardt, AJ Foyt oder Richard Petty? Ein Grund könnte die Herkunft sein. Andretti ist vor 76 Jahren in Istrien geboren – heute kroatisches Gebiet, damals zum italienischen Königreich gehörend. Die ersten Rennstars, von denen Andretti beeindruckt war, hießen Alberto Ascari und Juan-Manuel Fangio – und fuhren Formel 1.

Ein zweiter Grund: Andretti war ein absoluter Allrounder. Er siegte auf Schotterpisten wie auf Asphalt, er gewann Rennen auf Ovalen, sowie auf Straßen- und Rundstrecken. Er rang seine Konkurrenten in der NASCAR nieder, in der IndyCar, in der Formel 1, im Sportwagen, bei Bergrennen, ja sogar im Dragster.

Andretti wurde Formel-1-Weltmeister, gewann das Indy 500, das Daytona 500, das bekannteste Bergrennen der Welt am Pikes Peak – nur beim 24-Stundenrennen von Le Mans blieb ihm ein Triumph verwehrt. 1995 wurde er in einem Courage-Porsche Zweiter.

So erfolgreich wie Michael Schumacher

Mario Andretti fuhr aber auch gegen seinen Sohn Michael Rennen, Anfang der 90er Jahre sogar zusammen im selben IndyCar-Team Newman Haas: „Es war eine der besten Zeiten meiner Karriere. Wir beide wollten einander unbedingt besiegen. Es war natürlich ein bisschen unfair, denn ich wurde älter und er war am Höhepunkt seines Könnens. Für mich wurde die Rivalität zur persönlichen Messlatte. Der Wettkampf mit Michael hat mich länger im Cockpit gehalten“, erzählt Mario.

Noch heute ein scharfer Beobachter und Analytiker des Rennsports: Mario Andretti

Die Andrettis sind ohnehin ein Clan mit Benzin in der DNA. Marios Zwillingsbruder Aldo begann mit ihm Rennen zu fahren, kurz nachdem sie mit 15 nach Nazareth, in den US-Bundesstaat Pennsylvania ausgewandert sind und dort erste eigene Rennautos bauten. Die Andrettis waren Flüchtlinge, lebten in Italien noch in Zelten und bauten sich im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ein neues Leben auf. Und was für eines.

Nach einem schweren Crash beendete Aldo seine Karriere. Mario aber fuhr weiter. Und siegte. Sieben Andrettis bestritten schon professionell Rennen. 1991 waren beim Indy 500 gleichzeitig vier am Start: Mario, seine beiden Söhne Michael und Jeff, sowie Neffe John Andretti, Sohn von Aldo.

Die Statistik von Mario Andretti ist beeindruckend: 407 IndyCar-Rennen, 52 Siege – übertroffen nur von AJ Foyt. Beim letzten Sieg in Phoenix 1993 war er schon 52 Jahre alt.

In der Formel 1 stand er bei 128 WM-Läufen am Start, gewann davon 12, holte 18 Mal die Pole-Position und sammelte 180 Punkte. 1978 wurde er Weltmeister und Andretti selbst glaubt: „Gemäß Statistik ist Michael Schumacher der erfolgreichste Fahrer. Hätte ich ähnlich beständige Autos gehabt, könnte ich ähnliche Statistiken vorweisen."

Dabei kann er auch auf seine Zahlen stolz sein. Schon beim ersten Formel-1-Auftritt 1968 in Amerika, holte er sich im Lotus-Ford sofort die Pole-Position. Damit war er schneller als der Stammfahrer und spätere Champion Graham Hill. Bis zum ersten Sieg 1971 mit Ferrari in Südafrika vergingen noch drei Jahre. Aber Andretti fuhr auch erst 1977 seine erste volle Formel-1-Saison!

Inzwischen ist er zurückgetreten, fährt aber immer noch den IndyCar-Zweisitzer. Andretti: „Als ich wusste, ich würde nicht mehr gewinnen können, trat ich zurück. Niemand sollte sich an mich als einen erinnern können, der nicht siegen kann.“ Mission gelungen könnte man sagen.
Historische Fahrerportraits: Tazio Nuvolari und Co

Autor: Michael Zeitler

Fotos: Picture-alliance; Getty Images

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